Junge Zugewanderte für eine Ausbildung gewinnen und Unternehmen bei der Integration begleiten – mit diesem Ziel ist die IHK Bodensee-Oberschwaben seit zehn Jahren Trägerin des Projekts „Integration durch Ausbildung – Perspektiven für Zugewanderte“ (IdA). Die drei Projektmitarbeiterinnen Carola Schmieder, Maria Maier und Mona Wiedenmann beraten beide Seiten kostenfrei und begleiten sie während des gesamten Integrationsprozesses.
Seit 2016 werden die regionalen „Kümmerer“ vom Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus landesweit gefördert. Sie unterstützen bei der Berufswahl, helfen bei Bewerbungen und bereiten auf Vorstellungsgespräche vor. Gleichzeitig beraten sie Betriebe zu Fragen rund um die Ausbildung zugewanderter Menschen. Die Kontaktaufnahme erfolgt häufig auf Eigeninitiative der jungen Menschen oder über Schulen, Sozialarbeit, Integrationsmanagement, Ehrenamtliche oder persönliche Empfehlungen.
Erfolgreiche Vermittlung in Ausbildung
Die Zielgruppe umfasst Geflüchtete mit Aufenthaltstitel sowie Zugewanderte aus EU- und Drittstaaten. Während anfangs vor allem Menschen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, Eritrea, dem Iran, Somalia, Nigeria und Pakistan beraten wurden, kommen heute verstärkt junge Menschen aus weiteren Drittstaaten, deren Aufenthaltsstatus teilweise noch ungeklärt ist, sowie viele aus der Ukraine. Für eine Teilnahme sollten sie eine Schulbildung, Interesse an einer Ausbildung sowie ausreichende Sprachkenntnisse, Motivation, Tagesstruktur und Pünktlichkeit mitbringen.
Die Bilanz kann sich sehen lassen: Bis April 2026 wurden 590 Unternehmen persönlich beraten und 379 Zugewanderte in das Förderprogramm aufgenommen. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer – Durchschnittsalter: 29 Jahre, Frauenanteil: 38 Prozent – konnten in eine Ausbildung vermittelt werden. Weitere fanden ihren Weg in Sprachkurse oder berufsvorbereitende Maßnahmen. Bis zum 1. März 2024 wurden zudem 177 Personen zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen beraten und rund 20 Anpassungsqualifizierungspläne erstellt. Diese Aufgaben übernimmt inzwischen das Welcome Center Bodensee-Oberschwaben für internationale Fachkräfte mit bereits vorhandener Qualifikation.
Gemeinsam Fachkräfte gewinnen
Neben der individuellen Begleitung setzt die Initiative auf eine enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern. Gemeinsam mit dem bundesweiten Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ werden digitale Informationsveranstaltungen für Betriebe angeboten. Hinzu kommen Sommercamps, Tischmessen, Kurse zur Abschlussprüfungsvorbereitung und ein Ausbildungsprogramm mit der Auslandshandelskammer Türkei. Besonders bewährt haben sich die seit 2022 veranstalteten Karrieremessen für geflüchtete Menschen mit lokalen Arbeitgebern, Dolmetschern und Kinderbetreuung. Entwickelt wurden sie gemeinsam mit der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg, dem Jobcenter Landkreis Ravensburg und der Handwerkskammer Ulm; finanziert werden sie inzwischen von der Fachkräfteallianz Bodensee-Oberschwaben. Die Veranstaltungen wurden aufgrund der positiven Resonanz bereits auf die gesamte IHK-Region ausgeweitet, weitere Messen sind in Planung. Für Franz Schairer, Teamleiter des Arbeitgeber-Services der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg, ist die Kooperation ein Erfolgsmodell: „Die Zusammenarbeit ist seit vielen Jahren vertrauensvoll, unkompliziert und lösungsorientiert.“ Das effektive Netzwerk ermögliche „schnelle Abstimmungen und individuelle Unterstützung für junge geflüchtete Menschen und regionale Arbeitgeber“. Vor allem die Karrieremessen hätten sich als wichtige Plattformen etabliert. Das IdA-Projekt unterstütze junge Geflüchtete beim Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt: „Gemeinsam ebnen wir ihnen den Weg in Richtung Berufsorientierung und Ausbildung“, so Schairer. Die Zusammenarbeit sei „ein wichtiger Baustein, um Potenziale frühzeitig zu erkennen, Betriebe und Jugendliche zusammenzubringen und so die Basis für eine langfristige Integration zu schaffen“.
Partnerschaften mit Mehrwert
Für das laufende Jahr sind weitere Aktionen geplant: Im September findet eine Last-Minute-Ausbildungsbörse statt, im November folgt ein Bewerbertraining. Damit setzt das IdA-Projekt seinen Ansatz fort, Unternehmen und motivierte Nachwuchskräfte frühzeitig zusammenzubringen und dem regionalen Arbeitsmarkt zusätzliche Perspektiven zu eröffnen.
Info: Weitere Informationen sowie die Kontaktdaten der Ansprechpartnerinnen vom Team „Integration durch Ausbildung“ gibt es unter www.ihk.de/bo, Nr. 3430958.


