Der Gemeinderat hat der neuen Forsteinrichtung für die Jahre 2026 bis 2035 zugestimmt. Dieser Zehnjahresplan legt fest, wie der Stadtwald gepflegt, geschützt und genutzt wird. Ziel ist ein stabiler, klimafester und sicherer Wald, der Erholung, Naturschutz und regionale Holzversorgung gleichermaßen ermöglicht.
Der Stadtwald ist in den vergangenen zehn Jahren auf 768 Hektar angewachsen, davon 719 Hektar reine Waldfläche. Die Bestände bestehen überwiegend aus Fichten- und Buchenwäldern. Rund 45 Prozent der Fläche mit Fichtenbestand gelten wegen Trockenheit, Stürmen und Borkenkäfern als besonders risikoreich. Etwa 27 Prozent entfallen auf Buchenwälder. Die Altersstruktur zeigt zwei Schwerpunkte: 20 bis 60 Jahre alte Wälder, die regelmäßig gepflegt werden müssen, und über 120 Jahre alte Bestände, die anfällig für Schäden sind und nach und nach verjüngt werden sollen. Das Baumartenverhältnis hat sich durch Stürme und Käfer verschoben: Laubbäume machen inzwischen 53 Prozent aus, Nadelbäume 46 Prozent. Die Fichte ist um 4 Prozent zurückgegangen, während Buche und Bergahorn zugenommen haben.
In den letzten zehn Jahren sind 8 Prozent der Waldfläche als neue Waldgeneration hinzugekommen – überwiegend durch Naturverjüngung. Insgesamt stehen 231 Hektar junge Bäume bereit, die den Wald der Zukunft bilden sollen. Der Holzvorrat liegt mit 430 Festmetern pro Hektar über dem Niveau vieler Nachbarwälder.
Der Stadtwald ist ein vielseitiger Lebens- und Erholungsraum. Er schützt Böden und Wasser, verbessert das Stadtklima und bietet zahlreichen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause. 41 Hektar Biotope und 4 Hektar Bannwald sind ausgewiesen. Viele Bereiche sind mehrfach als Schutzwald eingestuft, weil sie wichtige Funktionen für Boden, Wasser und Luft erfüllen.
„Der Stadtwald ist für viele Menschen ein schnell erreichbarer Rückzugsort. Damit das so bleibt, pflegen wir Wege, Sitzgelegenheiten, Sportpfade und Aussichtspunkte regelmäßig und halten das Wegenetz sowohl für Besucherinnen und Besucher als auch für die Waldpflege optimal nutzbar“, betont Revierleiter Wolfram Fürgut.
Eine Herausforderung bleibt der Wildverbiss, vor allem an jungen Tannen, Ahorn und Eichen. In den Außenbereichen des Waldes ist er stärker ausgeprägt. Damit junge Bäume gesund aufwachsen können, müssen manche Flächen geschützt werden. Gleichzeitig ist eine angepasste Jagd wichtig, um die Entwicklung stabiler Mischwälder zu ermöglichen.
Die Holznutzung dient vor allem der Pflege und Sicherheit des Waldes. Alte und instabile Bäume werden rechtzeitig entnommen, damit sie nicht durch Sturm oder Käfer geschädigt werden. Dadurch entsteht Platz für junge, gesunde und klimastabile Bäume. Zudem liefert der Stadtwald regionale Holzprodukte wie Bauholz, Möbelholz, Brennholz und Hackschnitzel für städtische Heizungen.
Für die kommenden zehn Jahre ist ein Holzeinschlag von 73.500 Festmetern geplant. Das ist etwas mehr als bisher. Der Schwerpunkt liegt darauf, alte und gefährdete Fichten- und Buchenbestände zu verjüngen.
Der Stadtwald soll klimastabiler, vielfältiger und sicherer werden. Dafür sollen gefährdete Fichtenbestände früher verjüngt und stärker durchmischt werden. In Bereichen mit hohem Risiko entstehen gezielt Lichtungen, in denen junge, widerstandsfähige Baumarten wachsen können. Dabei wird verstärkt auf klimaresilientere Arten wie Douglasie, Lärche, Eiche, Ahorn und Kirsche gesetzt. Junge Wälder werden intensiver gepflegt, damit Mischbaumarten erhalten bleiben und hochwertige Bestände entstehen. Auf rund sieben Hektar sind Schutzmaßnahmen gegen Wildverbiss notwendig.
Zusätzlich sollen 27 Hektar ökologisch aufgewertet werden, um Lebensräume zu verbessern und die Artenvielfalt zu stärken.
Mit der neuen Forsteinrichtung legt die Stadt Ravensburg die Grundlage dafür, dass der Stadtwald auch in Zukunft gesund, vielfältig und für alle nutzbar bleibt.


