Neue Wohn- und Gewerbegebiete auf sensiblen Flächen, landwirtschaftlich genutzte Moorböden, Windkraft im Wald – die Konflikte, wie die Flächen in der Region Bodensee-Oberschwaben am sinnvollsten genutzt werden sollten, spitzen sich zu. Das Förderprojekt „Zukunft Flächennutzung“ des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben befasst sich mit genau diesem Thema. Am 7. Juli fand der Auftakttermin des Projekts statt.
Rund 35 Expertinnen und Experten verschiedener Institutionen aus Wirtschaft, von Verbänden und aus der Verwaltung folgten der Einladung des Regionalverbands. Gemeinsam mit dem Projekt-Lenkungskreis, bestehend aus Mitgliedern der Verbandsversammlung, diskutierten sie intensiv darüber, wie sich unterschiedliche Nutzungen von Flächen – zum Beispiel für Gewerbe, Wohnen, Energie, Landwirtschaft, Natur oder Erholung – gegenseitig beeinflussen. Ziel des Austausches war es, diese Zusammenhänge besser zu verstehen sowie Herausforderungen und Perspektiven für die Region zu erkennen. Diese umfasst die Landkreise Ravensburg und Sigmaringen sowie den Bodenseekreis.
„Das Interesse am Projekt „Zukunft Flächennutzung“ bei den Expertinnen und Experten sowie den Mitgliedern der Verbandsversammlung ist enorm“, freut sich Nadine Kießling, stellvertretende Direktorin des Regionalverbands und Initiatorin des Projekts. „Bei unserer Veranstaltung heute haben sich u.a. Landwirte mit Unternehmerinnen und Naturschützerinnen mit Architekten ausgetauscht und dabei mehr Verständnis für die Sorgen und Nöte der anderen entwickelt.“ Im Projekt geht es darum, die begrenzte Fläche der Region optimal zu nutzen, die verschiedenen Ansprüche an die Fläche miteinander in Einklang zu bringen und gleichzeitig eine hohe Lebensqualität zu sichern. Hierfür wird ein sogenanntes Strategisches Regionalentwicklungskonzept (SREK) erarbeitet.
Thomas Kugler, Verbandsvorsitzender des Regionalverbands, resümiert: „Von vielen Beteiligten wurden zu starre Vorgaben als Herausforderung bei der künftigen Nutzung von Flächen genannt. Innovative Lösungen, z.B. für die Mehrfachnutzung oder bessere Ausnutzung von Flächen, waren ebenfalls ein wichtiges Thema.“
Verbandsdirektor Wolfgang Heine fasst zusammen: „Viele Teilnehmende haben dafür plädiert, verschiedene Ansprüche an die Fläche verstärkt zusammen zu denken und keine Fronten aufzubauen. Alle Flächennutzungen und Flächenfunktionen haben ihre Berechtigung, egal ob Energieerzeugung, Landwirtschaft, Gewerbe, Naturschutz, Klimaanpassung, Rohstoffabbau und vieles mehr. Das gegenseitige Verständnis für die anderen Flächenansprüche ist eine wichtige Ausgangsbasis für unser Projekt.“
Die Ergebnisse des Workshops fließen direkt in eine Analyse der Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken bezüglich der künftigen Flächennutzung in der Region ein. Diese wird Grundlage für die weiteren Schritte im Projekt sein. Der erste Expertendialog in Altshausen markiert den Start eines Beteiligungsprozesses. Gemeinsam mit regionalen Expertinnen und Experten, Gemeindevertreterinnen und -vertretern sowie Bürgerinnen und Bürgern werden Szenarien für die zukünftige Nutzung der Regionsfläche entwickelt. Dabei soll mit Texten, Karten und Bildern veranschaulicht werden, wie die Region 2045 aussehen könnte. Um auf eine möglichst „gute“ Zukunft hinzusteuern, die allen Ansprüchen an die Fläche bestmöglich Rechnung trägt, werden bis Ende 2028 passgenaue Projekte und Maßnahmen entwickelt. Als nächsten Beteiligungsschritt plant der Regionalverband im Winter 2026/2027 in jedem der drei Landkreise Veranstaltungen mit zufallsausgewählten Bürgerräten.
Der Regionalverband führt das Projekt in einer Verbundpartnerschaft mit der Technischen Universität Dortmund (Prof. Stefan Siedentop) durch und wird von der Prozessbegleiterin und Moderatorin Barbara Malburg-Graf (Plan_N – Prozessbegleitung in Planung und nachhaltiger Raumentwicklung) unterstützt. Das Projekt wird gefördert aus dem Programm „RegioStrat – Strategische Regionalentwicklung“ des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.
Der Regionalverband wird über den weiteren Projektverlauf auf der Website informieren: https://www.rvbo.de/Projekte/regiostrat


