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Konjunktur im Gebiet der Handwerkskammer Ulm stagniert weiter

Grafik: www.amh-online.de

Die Vollversammlung der Handwerkskammer Ulm hat in sich in ihrer aktuellen Tagung in Schwäbisch Gmünd mit der Konjunkturlage im regionalen Handwerk beschäftigt. Thema im Gremium war auch der steigende Kostendruck auf die Betriebe zwischen Ostalb und Bodensee. Katja Maier, Präsidentin der Handwerkskammer Ulm, wies in diesem Zuge darauf hin, dass es jetzt entscheidend sei, alles für ein Wiederanspringen des Wirtschaftsmotors zu tun. 

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Die Handwerkskonjunktur in der Region hat zur Jahresmitte keine nennenswerte Verbesserung erlebt und gerät zunehmend unter Druck – das zeigen auch die aktuellen Daten der regelmäßigen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Ulm. Demnach bewerten rund 44 Prozent der Handwerksbetriebe im Kammergebiet die Lage im zweiten Quartal 2026 als gut, während 23 Prozent der Befragten von einem schlechten Geschäftsverlauf berichten. Am vergleichsweise optimistischsten wird die Geschäftslage momentan noch im Gesundheits- und Ausbaugewerbe beurteilt, während das Nahrungsmittelgewerbe die negativsten Signale sendet. Zur Einordnung: Im entsprechenden Vorjahresquartal wurde die Geschäftslage insgesamt noch deutlich positiver eingestuft (61 Prozent „gut“, zehn Prozent „schlecht“). Dazu sagt Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm: „Im regionalen Handwerk gibt es keinerlei Aufschwungbewegung – im Gegenteil. Die bereits schwierige wirtschaftliche Lage hat sich durch die derzeitigen geopolitischen Konflikte und den daraus resultierenden Kostensprüngen für viele unserer Betriebe noch einmal verschärft. Die Stimmung in unseren Betrieben wird jeden Tag schwieriger.“

Auftragsflaute und rückläufige Umsätze – steigende Einkaufspreise belasten Betriebe
In der Region vermeldet jeder fünfte Betrieb einen gestiegenen Auftragseingang in den Monaten April, Mai und Juni. Rund 39 Prozent der Befragten – und damit fast doppelt so viele – berichten hingegen von Auftragsrückgängen gegenüber dem Vorjahresquartal. Auch die Umsatzentwicklung der Betriebe im Ulmer Kammergebiet hat sich im zweiten Quartal verglichen mit dem Vorjahresquartal rückläufig entwickelt: Rund 16 Prozent der Befragten haben Umsatzsteigerungen gemeldet, während 36 Prozent von einem Umsatzminus berichten. Bei der Auslastung ergibt sich ein ähnliches Bild: Der Anteil von Betrieben mit geringer Kapazitätsauslastung ist – verglichen mit dem Vorjahr – von 19 Prozent auf 26 Prozent angestiegen. Eine nahezu volle Auslastung vermelden 27 Prozent der Befragten und 14 Prozent sind über ihre Kapazitätsgrenzen hinaus ausgelastet. Insgesamt pendelt sich der Auslastungsgrad weiterhin auf niedrigem Niveau ein. Ein Anstieg der Einkaufspreise kommt für viele Betriebe erschwerend hinzu. Vier von fünf der Befragten berichten von steigenden Einkaufspreisen, die nicht oder nur zu einem geringen Teil an die Kunden weitergegeben werden können. „Die Materialpreise gehen durch die Decke. Die Margen und damit auch die Liquidität in den Betrieben geraten dadurch zunehmend unter Druck. Das belastet mittlerweile zahlreiche Unternehmerinnen und Unternehmer in unserer Region. Wir sehen hier die Politik in der Pflicht, zügig Abhilfe zu schaffen und eine Trendwende einzuleiten“, so berichtet Mehlich aus der Sitzung der Vollversammlung. „Die Botschaft unserer Betriebe an die Politik lautet: Traut euch endlich was, es muss was passieren.“

Die Beschäftigtenzahl ist zur Jahresmitte ebenfalls rückläufig. So haben sieben Prozent der befragten Betriebe im zweiten Quartal zusätzliches Personal eingestellt, während 15 Prozent – und damit mehr als doppelt so viele – Personal abgebaut haben. 78 Prozent haben angegeben, dass die Zahl ihrer Mitarbeitenden konstant geblieben ist.

 Verhaltener Ausblick Richtung Herbst
Die Erwartungen an das dritte Quartal fallen zurückhaltender aus als im Vorjahreszeitraum: Lediglich rund zwölf Prozent der befragten Betriebe gehen von einer Verbesserung der Geschäftslage aus, rund 27 Prozent rechnen hingegen mit einer Verschlechterung. Auch die Umsatzerwartungen sind gedämpft: Während 18 Prozent von steigenden Umsätzen ausgehen, befürchten 30 Prozent sinkende Umsätze in den Monaten Juli, August und September. Was die Erwartungen an die zukünftige Auftragslage betrifft, so rechnen 15 Prozent mit einem Auftragsplus. Exakt doppelt so viele Betriebe gehen von einer geringeren Nachfrage aus. Bei der Personalplanung beabsichtigen rund 13 Prozent der Betriebe den Mitarbeiterstamm zu reduzieren, während rund sieben Prozent der Befragten die Zahl der Mitarbeitenden erhöhen wollen. Vier von fünf Betrieben gehen von unveränderten Beschäftigtenzahlen aus.

 Konjunktursituation im Landkreis Ravensburg
Im Landkreis Ravensburg beurteilen 39 Prozent der befragten Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut, eine schlechte Geschäftslage geben 29 Prozent an. Rund 14 Prozent der Betriebe rechnen mit einer Verbesserung der Geschäftslage in den nächsten Wochen und Monaten, während 32 Prozent eine Verschlechterung erwarten. Rund 42 Prozent der Befragten haben eine aktuelle Auslastung von 80 Prozent oder höher. 78 Prozent der Betriebe wollen ihre Beschäftigtenanzahl halten; 16 Prozent planen, Personal ab- und sechs Prozent aufzubauen.

Parlament des regionalen Handwerks bereitet umfassende Investitionen in berufliche Bildung vor
Die Handwerkerinnen und Handwerker in der Vollversammlung der Handwerkskammer Ulm haben in ihrer jüngsten Sitzung auch die Modernisierung ihrer Bildungsakademie in Ulm weiter getrieben. Hier betreibt die Handwerkskammer für ihre rund 21.000 Betriebe mit rund 8.000 Auszubildenden die überbetriebliche Ausbildung sowie Berufsorientierung und auch das Meisterstudium. Die Bildungsakademie stammt dabei aus dem Jahr 1975 und befindet sich nicht mehr in einem Zustand, in dem gute Bildung möglich ist. „Wir brauchen gute Bildung für unsere aufstrebenden Handwerksberufe. Das ist in den Räumlichkeiten der 70er Jahre nicht mehr möglich. Unsere Bildungsorte müssen wettbewerbsfähig sein mit den Lernorten an Universitäten und Hochschulen. Dafür werden wir in den nächsten Monaten eine architektonische und Bildungsplanung auflegen und dann darauf bauen, dass die Politik in Bund und Land auch an die Investitionen in unsere berufliche Bildung denkt und uns unterstützt. Ganz allein können unsere Betriebe dieses berufliche Bildungssystem nicht finanzieren und modern halten. Und abgesehen vom Können: es wäre auch nicht gerecht, wenn der Staat bei der beruflichen Bildung nicht mithilft und nur das akademische System baut“, so Mehlich.