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IHK zu Brexit – Wie geht es weiter? 

WEINGARTEN
Der Brexit sorgt weiterhin für Verunsicherung in der deutschen Wirtschaft. Im Fall eines ungeregelten Brexit wird das Vereinigte Königreich handelsrechtlich über Nacht zum Drittstaat. Was bedeutet dies für die deutsche Wirtschaft? Bei einem No-Deal-Brexit kämen nach DIHK-Schätzung für die betroffenen Unternehmen jährlich Zölle in Höhe von mehreren Milliarden Euro sowie Kosten für die Zollbürokratie in Höhe von rund 200 Millionen Euro hinzu. Zusätzliche Brexit-Bürokratie droht beispielsweise in den Bereichen Transport, Steuern, Datenschutz oder Aufenthaltsstatus von Mitarbeitern. Kein Wunder also, dass sich in der Wirtschaft schon seit einiger Zeit Unsicherheit bemerkbar macht.

„Ganz unabhängig vom schlussendlichen Austrittszeitpunkt Großbritanniens aus der EU ist für die Unternehmen der Region Bodensee-Oberschwaben völlig unklar, was genau auf sie zukommen wird. Das ewige Hin und Her macht jede Planung unmöglich und erschwert die Handelsbeziehungen nachhaltig“, so Professor Dr. Peter Jany, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK). So zeigt die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage vom Herbst die düstersten Exporterwartungen der Industriebetriebe für das Vereinigte Königreich seit dem Ausgang des Brexit-Referendums 2016. Jedes zweite Unternehmen geht davon aus, dass die Exporte ins Vereinigte Königreich sinken werden, nur noch jedes zehnte geht noch von gleichbleibenden Exportzahlen aus. Außerdem steigt die Zahl der Industriebetriebe, die gar keine Exporte nach Großbritannien mehr planen.

Trotz dieser Talfahrt bleibt das Königreich aber für die Unternehmen im Südwesten ein wichtiger Wirtschaftspartner vor allem in den Branchen Kraftwagen und Kraftwagenteile, Maschinenbau, pharmazeutische Erzeugnisse sowie elektrische Ausrüstungen und liegt in Baden-Württemberg mit einem Exportanteil von rund fünf Prozent immerhin auf Platz sechs, hinter den Märkten der USA, China, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz.

Und noch immer steht das Schreckgespenst des No-Deal-Bexit im Raum. Laut einer IHK-Umfrage fühlen sich rund 60 Prozent der betroffenen regionalen Unternehmen auf einen harten Brexit und die möglichen Folgen nicht gut vorbereitet. „Ein ungeregelter Brexit würde auch bei uns in der Region über Jahrzehnte gewachsene internationale Wertschöpfungs- und Lieferketten empfindlich stören“, so Jany. Klar ist, dass bei einem harten Brexit mit Großbritannien als Drittland der freie Waren- und Dienstleistungsverkehr eingeschränkt wäre. Unternehmen, die bisher ausschließlich im Binnenmarkt agieren, müssten sich erstmals mit Zollformalitäten und Ausfuhrgenehmigungen auseinandersetzen. Die Zollstellen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben bereits entsprechende Vorkehrungen für einen möglichen ungeregelten Brexit getroffen. Die IHK rät allen betroffenen Unternehmen, nicht abzuwarten, sondern sich über die möglichen Konsequenzen auf dem Laufenden zu halten. Dazu bietet die IHK regelmäßig Informationsveranstaltungen an. Die nächste findet am 19. November statt (siehe INFO).

INFO
Die IHK Bodensee-Oberschwaben informiert in einer kostenfreien Veranstaltung am 19. November, von 9 bis 13 Uhr in der IHK in Weingarten, über den Brexit – mit dem Schwerpunkt der Konsequenzen im Falle einer No-Deal-Szenarios. Experten des Hauptzollamts Ulm informieren zum Beispiel darüber, wie vereinfachte Zollverfahren Unternehmen dann helfen könnten. Weitere Themen der Veranstaltung sind rechtliche und steuerliche Änderungen im Hinblick auf den Waren- und Personenverkehr zwischen der EU und einem Vereinigten Königreich als möglichem Drittland. Darüber sprechen Experten der Germany Trade & Invest und der Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Anmeldung unter www.weingarten.ihk.de, Nr.165129369.

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