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Wirtschaft und Business

Mehr Frauen im regionalen Handwerk tätig

Bild: www.amh-online.de

Über 4.800 Betriebe im Gebiet der Handwerkskammer Ulm werden von Chefinnen geführt – mehr als 1.500 junge Frauen entscheiden sich für Ausbildung im Handwerk – rund jeder fünfte Ausbildungsplatz weiblich besetzt

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Immer mehr Frauen üben im Ulmer Kammergebiet einen handwerklichen Beruf aus. Sei es als Elektronikerin, Malermeisterin oder Schornsteinfegerin – der Anteil weiblicher Handwerkerinnen wächst weiter an. Aktuell sind gut 4.800 der rund 21.000 Handwerksbetriebe zwischen Ostalb und Bodensee von Frauen geführt – das entspricht heute rund 23 Prozent aller Betriebe. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 betrug der Anteil weiblich geführter Betriebe lediglich 18 Prozent.

Im vergangenen Jahr lag der Anteil weiblicher Gründungen bei rund 550 von insgesamt etwa 2.000 neu eingetragenen Betrieben. Besonders häufig haben sich Frauen 2025 in Gewerken wie dem Kosmetiker-, Änderungsschneider-, sowie im Gebäudereinigerhandwerk selbstständig gemacht. Katja Maier, Präsidentin der Handwerkskammer Ulm, sagt dazu: „Das Handwerk mit seinen breitgefächerten Karrierechancen gewinnt auch bei Frauen zunehmend an Attraktivität. Als Gesellin, Meisterin oder Chefin eines eigenen Betriebs tragen sie einen wesentlichen Teil zum Erhalt des regionalen Handwerks bei und gestalten die Zukunft aktiv mit.“

Beschäftigungsverbot und veraltete Rollenbilder
Noch bis Mitte der 90er Jahre war es Frauen in Westdeutschland verboten, einer Beschäftigung im Bauhauptgewerbe nachzugehen. Schwere körperliche Tätigkeit wurde Frauen durch die sogenannte Frauenarbeitsverordnung untersagt. 1994 wurde das Beschäftigungsverbot aufgehoben, seither dürfen weibliche Fachkräfte deshalb auch auf Baustellen arbeiten. „Weibliche Vorbilder können sich auf dem Bau nur langsam etablieren – hier haben wir noch viel vor uns. Doch die derzeitige Entwicklung stimmt mich optimistisch. Es ist an der Zeit, alte Rollenbilder, Klischees und auch alte Gesetzeslagen über Handwerkerinnen aus unseren Köpfen zu verbannen“, so Maier. Und weiter: „Hier ist ein grundsätzliches Umdenken erforderlich – auch bei Eltern, Lehrern und in der Gesellschaft insgesamt.“

Männerdominierte Ausbildungsberufe werden durchlässiger
Auch bei den Auszubildenden steigt der Frauenanteil. Zwischen Ostalb und Bodensee durchlaufen aktuell über alle Lehrjahre hinweg 1.553 junge Frauen eine handwerkliche Lehre. Damit ist rund jeder fünfte Ausbildungsplatz weiblich besetzt. Ebenso in Berufen, die lange Zeit als männerdominiert galten, sind vermehrt Frauen tätig. So sind beispielsweise von den insgesamt 17 Steinmetz-Auszubildenden im Gebiet der Handwerkskammer Ulm 10 weiblich. Bei den Goldschmieden liegt der Frauenanteil bei rund 76 Prozent, 13 der 17 Auszubildenden sind hier Frauen. Gleichzeitig gibt es Berufe, in denen Frauen weiterhin besonders stark vertreten sind: Im Konditorenhandwerk liegt ihr Anteil bei rund 83 Prozent, bei den Augenoptikerinnen bei 80 Prozent und bei den Kauffrauen für Büromanagement bei 78 Prozent.

Mentoring-Angebot erleichtert Einstieg
Um junge Frauen in der Ausbildung gezielt zu unterstützen, bietet die Handwerkskammer Ulm mit dem Mentorinnen-Netzwerk eine weitere Möglichkeit für ein gutes Onboarding im Handwerk: Berufserfahrene Handwerkerinnen begleiten dabei weibliche Auszubildende über einen festgelegten Zeitraum und beraten diese zu Fragen rund um Berufseinstieg, Karriere und Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das Angebot wird im Rahmen des Projekts „Frauen im Handwerk“ vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg gefördert.