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Wenn ein Schloss zum großen Atelier wird 

ACHBERG
Es ist August und die Sonne lacht vom Himmel, als würde sie sich über das fröhliche Leben im idyllischen Schloss Achberg freuen. Neben der Straße vor den Schlosstoren ist ein buntes Zeltlager aufgebaut, Jugendliche sitzen an den im Freien aufgestellten Tischen und Bänken und tauschen sich übermütig aus, während andere mit Fotoapparaten in der Natur unterwegs sind und wieder andere hoch konzentriert Graffiti auf Folien sprühen. Aus den Schlossräumen erklingen Stimmen, Lachen, Klopfen und Hämmern. Und das alles hat so seine Richtigkeit, denn Schloss Achberg fungiert wieder einmal als großes Atelier und Kunstoase: 37 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 21 Jahren sind zum Kunstcamp 2019 gekommen – einem Angebot der Pädagogischen Hochschule Weingarten (PH) und des Landkreises Ravensburg.

Renommierte Profi-Künstlerinnen und Künstler sowie PH-Kunst-Studierende bieten ein tolles Kunstangebot mit sechs Workshops. „Wir haben dieses Mal viele neue Ideen im Programm“, berichtet Christopher Oravec, Kunstpädagoge und Lehrbeauftragter der PH im Fach Kunst, der in diesem Jahr die Leitung des mittlerweile 14. Kunstcamps von PH-Kunstprofessor und Kunstcamp-Initiator Dr. Martin Oswald übernommen hat. Oravec leitete auch das auf das Kunstcamp hinführende Sommersemester-Begleitseminar an der PH, in dem Themen und Workshops erarbeitet und das Programm vorbereitet wurde.

Wir haben dieses Mal sogar Teilnehmer aus Hamburg und Frankfurt an der Oder“, berichtet Valentin Oswald, bei dem seit vier Jahren die Gesamtorganisation des Kunstcamps liegt. Unterstützt wird er von Theresa Gauß, die dafür extra aus Österreich angereist ist. Die beiden waren selbst schon Teilnehmer im Kunstcamp und sind seit vielen Jahren mit dabei. „Die Atmosphäre hier in Achberg ist einmalig und die Stimmung könnte nicht besser sein“, schwärmen sie. Bei dem heißen Sommerwetter sind die Schlossräume angenehm kühl und bieten Raum für ganz unterschiedliche Kunstaktivitäten. Die Workshops finden im Schloss selbst, in einem benachbarten barocken Gebäude und auch draußen statt.

Zum ersten Mal leitet die international bekannte und aus Tettnang stammende Malerin Alex Tennigkeit einen Workshop beim Kunstcamp. In ihrem Kurs „Cut-outs – Malerei im Raum“ beschäftigen sich die Jugendlichen mit einer Malerei, die von den Wänden befreit ist. Aufgegriffen werden beispielsweise popkulturelle Zitate aus Musik und Film oder Modetrends. „Es geht um zeitgemäße Posen, die Coolness, Jugend-Codes und eine Abgrenzung vom Mainstream repräsentieren“, so die Künstlerin. Die Jugendlichen arbeiten mit Feuereifer. Ganz unterschiedliche Cut-outs sind bereits zu sehen und als gemalte Skulpturen im Raum aufgestellt.

Im Kellerraum des Schlosses entstehen aus Holz, Ton, Gips und anderen Materialien fantastische Lebewesen. Die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer lassen ihrer Kreativität freien Lauf. „Zuerst wird vorskizziert, dann geht es an die Umsetzung“, berichten sie. Ihre ersten Fabelwesen haben bereits Gestalt angenommen. Im Schloss-Nebenbau gestalten derweil Kunstjunioren Skulpturen und Abbilder des eigenen Körpers aus Wachs. Arme, Hände, Finger, Beine und Füße sowie eine Büste sind bereits zu bewundern. Dass auch dieser Workshop den Jugendlichen Spaß macht, ist unschwer zu erkennen.

Trends der Street Art setzen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Graffiti-Workshops um. Auch hier werden zuerst Skizzen und Schablonen entworfen, dann geht es zum Sprühen in die freie Natur. Als Leinwand dient den Kunstjunioren eine transparente Stretch-Folie, auf der die unterschiedlichsten Motive bunte Gestalt annehmen. Im barocken Nebengebäude des Schlosses entführt ein Workshop in die Welt der Miniaturen. Dort haben die jungen Teilnehmer mit den unterschiedlichsten Materialien einen originellen Freizeitpark gestaltet: Leere Saft-Tüten und Papierrollen dienen als Türme, auf einem Fluss, über den eine hölzerne Hängebrücke führt, paddeln Miniaturfiguren, an einem aus kleinen Ästen gestalteten Baum hängen kleine Brezeln, es gibt Spielstationen, Steinhügel und vieles mehr.

Seit einigen Jahren beim Kunstcamp mit dabei ist Profifotograf Kees Tillema. Begeistert erfahren seine Workshop-Teilnehmer Wichtiges zu verschiedenen Foto-Techniken und gehen selbständig auf Foto-Tour, um danach mit ihren eigenen digitalen Fotoaufnahmen zu experimentieren. In diesem Jahr hatte Tillema die Idee, sie mit einem Spiegel auszustatten, der beim Fotografieren in Gebäuden oder der Natur aufgestellt wird und faszinierend-verfremdende Effekte auf den Bildern verursacht. Stolz präsentiert er auch Fotos von Paulina Bös. Die junge Kursteilnehmerin habe eigenständig die bislang einmalige Idee gehabt, durch bunte Folien zu fotografieren, um dadurch besondere künstlerische Wirkungen zu erzielen, erzählt er. Und er berichtet, dass er zum letzten Mal beim Kunstcamp mit dabei sei. Mit Fotoprofi Jakob Fahlbusch, der mit ihm gemeinsam den diesjährigen Foto-Workshop durchführt, habe er einen würdigen Nachfolger gefunden.

Doch nicht nur das vielseitige künstlerische Schaffen begeistert die jungen Kunstcamperinnen und -camper. Auch die abendlichen Grillfeste und Lagerfeuer, das gesellige Beisammensein und nicht zuletzt die gute Verpflegung durch die Allgäuer Landfrauen kommen bestens an. „Kunst-Workshops, Schloss und Freizeit – hier passt alles zusammen“, so die einhellige Meinung.

 

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