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Schüler gestalten „Fastentuch“ in der Liebfrauenkirche 

Angst“ ist ein Gefühl, das menschliches Handeln beherrschen und prägen kann. Dass Angst auch Christen nicht fremd ist, thematisiert die Fastenpredigtreihe der katholischen Kernstadtgemeinden von Ravensburg an fünf Sonntagen in der Zeit bis Ostern. Traditionell greift das Fastentuch, mit dem das große Kreuz in der Ravensburger Liebfrauenkirche in den kommenden Wochen verdeckt wird, das Thema der Predigtreihe auf. Zum siebten Mal haben sich Schüler des Kunstprofils am Welfen-Gymnasium mehrere Monate lang mit der künstlerischen Umsetzung des Themas auseinandergesetzt.

Doch wie lässt sich Angst darstellen? Das war die Herausforderung für die vier Elftklässler unter Anleitung ihres Kunstpädagogen Uli Schubert. Das ca. 5,50 Meter breite und 6 Meter hohe Resultat ist seit Aschermittwoch in der zentralen Kirche in der Ravensburger Altstadt zu sehen. Elisabeth Spirindonov, Stella Samarskij, Kamilla Albert und Izak Hochuli haben sich bereits seit Spätherbst mit der Darstellung von Angst befasst. Laut ihrem Lehrer spielt dieses Gefühl eine große Rolle in der jüngeren Kunstgeschichte. Die angehenden Kunstabiturienten konzentrierten sich auf den Aspekt, dass Angst oft auch mit Verunsicherung zusammenhängt, wenn etwas nebulös oder undurchsichtig erscheint – im tatsächlichen und im übertragenen Sinn. „Angst entsteht, wo der Durchblick gestört ist“, formuliert es Uli Schubert. Er bezieht dies auf persönliche und gesellschaftliche Situationen, aber auch auf den christlichen Glauben.

Die Idee umgesetzt haben die jungen Künstler mit von 40 Aluminium-Scheiben im Format 40 mal 40 Zentimeter – ein Symbol für die 40 Tage Fastenzeit bis Ostern. Die Scheiben wurden zu doppelspitzen Ovalen aufgerollt und nehmen Geäst von Obstbäumen und Buchs auf. Einen ganzen Anhänger voll haben die Schüler im Winter geschnitten und nun verarbeitet.

„So entsteht in der Masse ein archaisches Gebilde, das wie ein überdimensionales Gebüsch wirkt, hinter dem etwas lauert“, erklärt der Kunstlehrer. Die metallischen Ovale wirken gleichzeitig wie unheimlich verdeckte Augen, die den Betrachter anstarren. Da läuft es dem Betrachter kalt den Rücken runter. Schubert folgert: „Die Angst verzerrt, sperrt ein und verdeckt uns oft den Blick – auch aufs Kreuz, das im christlichen Glauben letztlich Zeichen der Hoffnung wider alle Ängste ist.“ Doch zunächst sei auch das Kreuz ein Symbol für den Untergang; die Angst gelte es, bis Ostern erst einmal auszuhalten: „Sie ist einfach da.“ Die geflochtenen Äste deuten so auch das Symbol einer überdimensionalen Dornenkrone Christi an.

Für die Schüler ist das Projekt neben der Auseinandersetzung mit Angst und Glaube zum einen die Chance, für ein breites Publikum ein großformatiges künstlerisches Projekt zu realisieren. Zum anderen werden die vielen Stunden Arbeit auch schulisch für den Kunstkurs gewertet als sog. „Gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen“, bekannt unter der Abkürzung GFS. Der Kunstpädagoge ist auch dieses Jahr begeistert, mit welcher Kreativität und Ausdauer sich die jungen Künstler für das Projekt eingesetzt haben. Und ihm selber ist die Freude an der Verwirklichung des Werkes ebenfalls abzuspüren.

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