Im Jahr 1986 richtete die Stadt Ravensburg eine Stelle für einen Ausländerbeauftragten ein. Erster Inhaber war Peter Ederer, der die Aufgabe von 16. Mai 1986 bis zum 30. April 2012 wahrnahm, bevor er in den Ruhestand ging. Bereits 2008 wurde die Bezeichnung in „Integrationsbeauftragter“ geändert. Am 1. April 2012 folgte der aktuelle Stelleninhaber Martin Diez seinem Vorgänger in dieser Funktion.
Im Laufe des Jahres 2015 entwickelte sich die bisherige Integrationsbeauftragten-Stelle zu einer leitenden Position mit weiteren Aufgaben, etwa im Bereich des Sozialen Dienstes. Grund war vor allem der rapide Anstieg der Flüchtlingszuwanderung. Dadurch wurde es notwendig, zusätzliche Stellen für Integrationsbeauftragte und Flüchtlingsaufgaben aufzubauen, die von Landesmitteln gefördert werden.
Ravensburg als Oberzentrum im mittleren Schussental und im Landkreis Ravensburg engagiert sich seit Jahrzehnten für Integrationsarbeit. Von den gut 51.000 Einwohnerinnen und Einwohnern kommen aktuell rund 9.000 aus dem Ausland. Das entspricht einem Ausländeranteil von etwa 17 Prozent. Zusammen mit Aussiedlern, Spätaussiedlern und Eingebürgerten erhöht sich der Anteil der Menschen mit Migrationsgeschichte auf rund 35 Prozent.
Migrantinnen und Migranten haben die Entwicklung Ravensburgs und Baden-Württembergs maßgeblich mitgeprägt. Ziel der Integrationsarbeit ist es, dass sich alle Mitbürgerinnen und Mitbürger aus 129 Nationen willkommen und angenommen fühlen. In den jährlich stattfindenden „Wochen der Internationalen Nachbarschaft“ wird diese Vielfalt seit gut 40 Jahren sichtbar. Die Veranstaltungsreihe fördert Begegnung, Interesse am Anderen und zeigt, welche Chancen die Stadt für alle bietet.
Bereits 1971 richtete Ravensburg einen „Arbeitskreis für Gastarbeiterfragen“ ein. 1979 folgte der „Beirat für die Belange der ausländischen Mitbürger“. 1987 wurde dann der „Ausländerbeirat“ gegründet. Seit 1999 engagieren sich dort auch Vertreter der Aussiedler und Spätaussiedler, weshalb das Gremium in „Beirat für Integrationsfragen“ umbenannt wurde. Hier sprechen Migrantinnen und Migranten gemeinsam mit Gemeinderäten auf Augenhöhe und arbeiten miteinander an Lösungen für stadtgesellschaftliche Entwicklungen.
Im Januar 2015 wurde Ravensburg für das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ ausgewählt. Die Stadt setzt das Programm als „lokale Partnerschaft für Demokratie Stadt Ravensburg“ um. In diesem Rahmen wurden bis heute mehr als 250 Projekte und Aktivitäten durchgeführt, die Demokratie, Zusammenhalt und Zivilcourage stärken.
2008 wurde vom Ravensburger Gemeinderat ein kommunales Integrationskonzept mit dem Titel „Integration in Ravensburg. Ziele und Projekte für die nächsten Jahre“ einstimmig beschlossen. Darin werden Leitziele wie Identifikation mit Land und Leuten, Sprachkompetenz, gleiche Bildungschancen, Nutzung der Vielfalt als Wirtschaftschance, gesundes Wohlbefinden, interkultureller Austausch und politisches Engagement festgelegt. Integration gilt dabei als gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe.
Die kommunale Integrationsarbeit in Ravensburg hat sich in 40 Jahren etabliert und wirkt in alle Bereiche der Stadtgesellschaft hinein: Sie fördert Zusammenhalt, gelebtes Miteinander und Teilhabe. Die Stadt ist überzeugt, dass Integration eine Investition in die Zukunft ist. Gelingende Integration stärkt die Gesellschaft, wirtschaftliche Prosperität und soziale Stabilität – und damit profitieren letztlich alle Menschen in Ravensburg.


