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Deutliche Auswirkungen der Coronakrise auf den Arbeitsmarkt

Bild: Agentur für Arbeit

Die Zahl der Arbeitslosen in der Region Bodensee-Oberschwaben ist im Mai gestiegen. Im Bezirk der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg waren 16.849 Frauen und Männer ohne Beschäftigung gemeldet, 1.778 mehr als im Vormonat (plus 11,8 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr hat die Arbeitslosigkeit um 5.812 Menschen zugenommen. Dies entspricht einer Steigerung von 52,7 Prozent.

Mit Blick auf die aktuelle Lage hält Jutta Driesch, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg, drei Punkte für besonders wichtig: „Ersten haben wir sichergestellt, dass die Abrechnung der Kurzarbeit schnellstmöglich erfolgt. Sobald die vollständigen Unterlagen bei uns eingegangen sind, erhalten die Betriebe innerhalb weniger Tage ihr Geld. Als Nächstes werden wir unsere Anstrengungen in der Arbeitsvermittlung forcieren.

„Die Coronakrise hat den regionalen Arbeitsmarkt auf den Stand von 2009 zurückgeworfen. Damals waren im Mai annähernd gleich viel Menschen ohne Arbeit.”

Jutta Driesch, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg

Der Arbeitsmarkt ist nach wie vor aufnahmefähig, wenn auch nicht im gleichen Maß wie vor der Krise. Dennoch sind gut qualifizierte Mitarbeiter weiterhin gesucht.“ Zu guter Letzt, so die Chefin der Arbeitsagentur, steckt in jeder Krise auch eine Chance. „Nun bietet sich die Möglichkeit, in Weiterbildung und Qualifizierung zu investieren. Wir unterstützen dies mit einer Vielzahl an Fördermöglichkeiten. Weiterbildung ist eine Investition in die eigene Zukunft und in die der Unternehmen.“  Gute Beschäftigungsmöglichkeiten bieten sich derzeit vor allem in Gesundheitsberufen, im Handwerk sowie im Baugewerbe. Die Arbeitslosenquote lag im Mai bei 3,7 Prozent (plus 0,3 Prozentpunkte). Die Quote in Baden-Württemberg betrug 4,3 Prozent.

Im Agenturbezirk Konstanz-Ravensburg waren im Mai 16.849 Menschen ohne Arbeit, 7.317 Frauen und 9.532 Männer. Gegenüber dem Vormonat waren 1.778 Menschen mehr arbeitslos gemeldet. Nach Rechtskreisen gegliedert gehörten 9.795 Menschen zum Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung) und 7.054 Menschen zum Rechtskreis SGB II (Grundsicherung).

Kurzarbeit: Anstieg, aber große Welle läuft aus

Im Mai sind bei der Agentur für Arbeit 738 neue Anzeigen auf Kurzarbeit eingegangen. Davon sind maximal 13.524 Frauen und Männer betroffen. Damit ist erkennbar, dass die ganz große Welle der angezeigten Kurzarbeit allmählich ausläuft.

In der Summe sind somit von März bis Mai insgesamt 8.897 Anzeigen auf Kurzarbeit von Betrieben eingegangen. Darin wurden für 138.163 Menschen Kurzarbeit angezeigt. Besonders betroffen waren Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie, des Einzelhandels sowie des Hotellerie- und Gaststättengewerbes. „Wie viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer tatsächlich in Kurzarbeit waren, wird sich erst mit einer zeitlichen Verzögerung von mehreren Monaten zeigen“, erklärt Jutta Driesch.

Vom Zeitpunkt der Anzeige der Kurzarbeit haben die Betriebe drei Monate Zeit, um dies tatsächlich umzusetzen. Nach jedem abgelaufenen Monat in dem kurzgearbeitet wurde, haben die Betriebe abermals drei Monate Zeit, um die Abrechnung bei der Agentur für Arbeit einzureichen.

Ausbildungsmarkt

Für das neue Ausbildungsjahr haben Unternehmen und Behörden 4.864 Lehrstellen gemeldet. Davon waren Ende Mai noch 2.424 unbesetzt. Gleichzeitig waren noch 1.378 junge Menschen ohne Lehrstelle. „Die Schulabgänger sind in diesem Jahr mehr als üblich gefordert, sich online oder telefonisch über ihre berufliche Zukunft zu informieren und beraten zu lassen. Alternative Online-Angebote wie das Erkundungstool Check-U auf unserer Homepage oder die AzubiWelt-App fürs Smartphone bieten eine gute Orientierung und helfen bei der Berufswahl“, so Jutta Driesch.

Geflüchtete Menschen und Asylbewerber

Im Mai waren insgesamt 5.497 Ausländer arbeitslos gemeldet. 524 (plus 60) * davon stammen aus den Balkan-Ländern Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien und Serbien. 138 (plus 7) * arbeitslose Menschen sind aus der Russischen Föderation und der Ukraine. Die Staaten Afghanistan, Eritrea, Irak, Islamische Republik Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia, Arabische Republik Syrien sind statistisch in der Gruppe „Nicht-Europa“ zusammengefasst. Diese Gruppe umfasst 1.752 (plus 123) * arbeitslose Frauen und Männer.  (* In Klammern ist die Veränderung der absoluten Zahlen zum Vormonat angegeben.)

Entwicklung der Arbeitskräftenachfrage

Unternehmen und Verwaltungen informierten im Mai über 1.042 neue, offene Stellen. Im gesamten Agenturbereich waren insgesamt 5.214 Stellen unbesetzt. Dies waren 3.740 weniger als im Mai 2019.

Die größte Zahl an offenen Stellen nach Berufsfeldern
Produktion, Fertigung, Rohstoffgewinnung: 1.810
Handel, Vertrieb, Tourismus, Kaufm. Dienstleistungen: 795
Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung: 689
Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit: 623 Bau, Architektur, Gebäudetechnik: 506

Nach Landkreisen betrachtet ergibt sich folgendes Bild:

Landkreis Ravensburg
5.693 Arbeitslose (2.417 Frauen, 3.276 Männer), plus 795 zum Vormonat Arbeitslosenquote im Mai: 3,4 Prozent davon SGB II: 2.554 Menschen, plus 448 zum Vormonat

Bodenseekreis
4.056 Arbeitslose (1.823 Frauen, 2.233 Männer), plus 324 zum Vormonat Arbeitslosenquote im Mai: 3,3 Prozent davon SGB II: 1.388 Menschen, plus 128 zum Vormonat

Landkreis Konstanz
7.100 Arbeitslose (3.077 Frauen, 4.023 Männer), plus 659 zum Vormonat Arbeitslosenquote im Mai: 4,4 Prozent davon SGB II: 3.112 Menschen, plus 277 zum Vormonat