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Unternehmen spüren keine Verbesserung der Rahmenbedingungen

Geschäftslage und erwartete Entwicklung im zeitlichen Verlauf seit 2015. Saldo zwischen Anteil der befragten Unternehmen mit Antwort „gut“ und „schlecht“. Grafik: IHK

Aktuell beurteilen noch 33 Prozent der Unternehmen die eigene Geschäftslage als gut, 50 Prozent als befriedigend, und 17 Prozent beurteilen ihre Geschäftslage als schlecht. Damit hat sich die Beurteilung der Geschäftslage laut der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage vom Frühjahr 2024 erneut abgekühlt und erreicht den tiefsten Stand seit der Corona-Krise.

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„Dieses im internationalen Vergleich hohe Kostenniveau entwickelt sich immer mehr zu einem Standortnachteil. Damit können wir vom sich belebenden Weltmarkt nicht ausreichend profitieren.“

Martin Buck, Präsident IHK Bodensee-Oberschwaben
IHK Präsident Martin Buck. Bild: PhotoArt Hund

Hohe Kosten und sinkende Umsätze drücken auf die Ertragslage. Beispielsweise lagen die Arbeitskosten in Deutschland im vergangenen Jahr rund 30 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Das stellt die hiesigen Betriebe vor weitere Herausforderungen, denn die Arbeitskosten sind neben Material- und Energiekosten einer der wesentlichen Kostenblöcke der Unternehmen. Nicht nur wegen der hohen Inflationsraten und des Fachkräftemangels sind die Löhne deutlich gestiegen, auch die hohe Steuer- und Abgabenlast sowie der im internationalen Vergleich hohe Krankenstand verteuern das Personal. „Dieses im internationalen Vergleich hohe Kostenniveau entwickelt sich immer mehr zu einem Standortnachteil. Damit können wir vom sich belebenden Weltmarkt nicht ausreichend profitieren“, so Martin Buck, Präsident der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK). Das zeigen auch die deutlich skeptischeren Exporterwartungen der regionalen Unternehmen, insbesondere der Industrie. Diese ist in der Region nicht nur im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich exportorientiert, sondern in der Region auch für 37 Prozent der Bruttowertschöpfung verantwortlich.

Angesichts hoher Kostenbelastung und unsicherer politischer Rahmenbedingungen hat sich das Investitionsklima in der Wirtschaft der Region deutlich abgekühlt. 18 Prozent der regionalen Unternehmen wollen ihre Investitionen im Vergleich zum Vorjahr erhöhen. Vor zwei Jahren – nach Corona und vor dem Ukraine-Krieg – waren das noch etwa 33 Prozent. 37 Prozent behalten ihre Investitionshöhe bei, 33 Prozent fahren sie herunter (vor zwei Jahren 13 Prozent) und 12 Prozent investieren gar nicht. Dabei sind die Investitionsmotive durchaus positiv: Fast die Hälfte der investitionswilligen Unternehmen möchte Geld für Digitalisierung in die Hand nehmen. 38 Prozent planen Innovationen, 35 Prozent rationalisieren. Da allerdings insgesamt immer weniger Unternehmen aktiv investieren, droht aus Sicht der IHK ein Rückschritt für die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit der Region. Es steht zudem zu befürchten, dass die Situation insbesondere die Industrieunternehmen mit Niederlassungen im Ausland dazu bringen wird, im Ausland zu investieren, auch das schwächt die Innovationskraft der Region und entzieht nachgelagerten Branchen wertvolle Aufträge. In Energieeffizienz und Umweltschutz investieren etwas weniger Unternehmen.

Einen Grund für das zurückhaltende Investitionsklima sieht die IHK bei zunehmend knappen Spielräumen der Unternehmen: Das Geld dafür muss erst verdient werden. Aktuell sind bei hoher Kostenbelastung und Nachfrageausfall Investitionen in vielen Unternehmen kaum zu stemmen. Neben einer steuerlichen Entlastung der Unternehmen sind aus Sicht der IHK die wichtigsten Maßnahmen, um den Standort Deutschland wieder zu stärken, der Abbau bürokratischer Vorschriften, schnellere Genehmigungsverfahren, auch und insbesondere für den Ausbau von erneuerbaren Energien, sowie staatliche Investitionen in die Infrastruktur.

Bei den Erwartungen hinsichtlich der Beschäftigtenzahl vor Ort hat sich seit der vergangenen Umfrage kaum etwas geändert. 13 Prozent der Unternehmen rechnen mit steigenden Personalzahlen, 64 Prozent gehen davon aus, dass sich keine Veränderungen ergeben, 23 Prozent rechnen mit weniger Beschäftigten – ob aus Gründen des Fachkräftemangels oder weil sie Personal entlassen müssen, bleibt offen. Damit dürfte sich die Beschäftigung immer langsamer aufbauen, auch Kurzarbeit wird für immer mehr Unternehmen eine Option.

Die Erwartungen der Wirtschaft insgesamt bleiben skeptisch, eine wesentliche Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen ist nicht spürbar. Dazu Buck: „Wir Unternehmer wollen unternehmen, die Antriebswende und Transformation vorantreiben. Wir benötigen schnelle Genehmigungsverfahren beispielsweise für Elektrolyseure und die Wiederherstellung der Förderkulisse vornehmlich für emissionsneutrale Fahrzeuge und Techniken. Das kürzlich verabschiedete Wachstumschancengesetz muss seinem Namen gerecht werden: Zum Beispiel könnte der Soli, der in der jetzigen Form überwiegend von Unternehmen gezahlt wird, komplett abgeschafft und die schon diskutierte Investitionsprämie für Klimaschutzmaßnahmen eingeführt werden. An konkreten Vorschlägen mangelt es nicht“, so der IHK-Präsident. „Es mangelt an der Umsetzung.“

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