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TWS Geschäftsjahr 2023 von Investitionen in Energiezukunft geprägt

Das Fernwärme-Kraftwerk beim Hallenbad in Ravensburg. Bild: F.Enderle

Die Technischen Werke Schussental (TWS) haben am Montag eine insgesamt zufriedene Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr 2023 gezogen. Dabei standen neben den hohen Investitionskosten für das Voranschreiten der Energiewende in Höhe von rund 30 Mio. auch die Herausforderungen im Blickpunkt, die aufgrund der Energiepreisbremse im Vertrieb einhergingen. Am Ende steht ein Überschuss in Höhe von 8,3 Mio. Euro, wovon 5,35 Mio. Euro den drei Gesellschaftern Stadt Ravensburg, Stadt Weingarten sowie der EnBW zustehen.

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Helmut Hertle und Dr. Andreas Thiel-Böhm. Bild: TWS

Dass Dr. Andreas Thiel-Böhm und Helmut Hertle bei der Bilanz-Pressekonferenz größtenteils zufrieden sein konnten, ist in diesen Zeiten nicht gerade selbstverständlich. Die Energiekrise seit dem Beginn des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine hat für enorme Anstrengungen gesorgt. Zwar haben sich die Märkte wieder stabilisiert und die schlimmste Phase ist überwunden, dafür mussten sich aber nicht nur die Kunden, sondern auch die Versorger strecken. Dr. Andreas Thiel-Böhm blickt da vor allem auf die personellen Anstrengungen der Mitarbeiter im Zuge der Energiepreisbremse. „Da der Staat selbst nicht in der Lage ist, seinen Bürgern selbst Geld zu überweisen, hat er sich jemanden Kompetenten gesucht, der das für ihn macht“, so Thiel-Böhm plastisch. Noch bis ins Jahr 2025 hinein müssen die Mitarbeiter die Verrechnungen, oft in reiner Handarbeit, in den Kundenabrechnungen vornehmen. „Immerhin hat sich der Aufwand letztlich gelohnt, der positive Effekt ist letztlich auch für den Kunden eingetreten“, ergänzt der TWS-Chef. Die Befürchtungen, dass die massiven Preissteigerungen so manchen Kunden vor eine Zahlungsunfähigkeit stellen könnten, trafen erfreulicherweise nicht ein.

Ein besonders bedeutendes Kernthema der TWS für die Geschäftsentwicklung im vergangenen Jahr waren die Investitionen. Rund 30 Mio. Euro wurden in eine Vielzahl von Projekten wie den Ausbau der Netzinfrastruktur sowie den Erweiterungsbau investiert, das Augenmerk galt dabei dem Ausbau der Fernwärmeversorgung in Ravensburg. Hier sieht sich die TWS auf einem sehr guten Weg. „Andere Kommunen nehmen sich da mehr Zeit“, betont Helmut Hertle, Geschäftsführer der TWS-Netz GmbH. Der Ausbau hat freilich auch seinen Preis, denn viele Anwohner und Händler stöhnen unter den vielen Baustellen. Letztlich wird die Fernwärme im Rahmen der Energiewende aber eine enorm wichtige Rolle spielen. Die beiden Heizkraftwerke beim Parkhaus Rauenegg (Biomethan) sowie beim Hallenbad (Hack-schnitzel/Pellets) liefern derzeit die Energie. Das Kraftwerk beim Hallenbad ist temporär, die industrielle Abwärme des angrenzenden Milchverarbeitungsbetriebs ist zu einem späteren Zeitpunkt angedacht.

Auf die Frage, wie hoch die Quote der Anwohner ist, die sich auch tatsächlich einen Fernwärmeanschluss direkt ins Haus legen lassen, antwortet TWS-Geschäftsführer Thiel-Böhm etwas zurückhaltend: „Die Nachfrage ist divers. Teils konnten wir ganze Straßenzüge gewinnen, manchen Haus- oder Gebäudeinhabern sind die Anschlusskosten aber zu hoch.“ Hier verweist Thiel-Böhm darauf, dass es zu Beginn erfreulich umfangreiche Förderprogramme von Bund und Land gab, die an die Kunden weitergegeben werden konnten. Diese Zuschüsse sind inzwischen ausgelaufen und werden in Zeiten leerer Staats- und Landeskassen wohl so schnell auch nicht wieder kommen. Zu bedenken geben die beiden TWS-Geschäftsführer, dass es ziemlich schwierig sein wird, sich in späteren Zeiten nachträglich an das Fernwärmenetz anschließen zu lassen.

Erneuerbare Energien auf dem Vormarsch
Zufrieden ist die TWS mit dem Ausbau erneuerbarer Energien. Ziel ist es schon seit geraumer Zeit, jedem Kunden Strom zur Verfügung zu stellen, der auch selbst nachhaltig produziert wurde. In der Region Ravensburg gelingt dies durch die Photovoltaikanlagen, beim Wind haben die TWS inzwischen 7 eigene Windparks mit 18 Anlagen am Netz, zudem ist man über das gesamte Bundesgebiet an On- und Offshore-Windparks beteiligt. Wie Helmut Hertle betonte, war das Jahr 2023 ein gutes für die Effektivität der Anlagen. Nicht ganz einfach ist es für die TWS, das Tempo beim Ausbau der Anlagen aufrechtzuerhalten. Die Bürokratiehürden sind immer noch hoch, problematischer sind allerdings die deutlichen Preissteigerungen bei Planung und Bau. „So manches neue Projekt muss da infrage gestellt werden“, ergänzt Hertle.
Um weiterhin bei der Energiewende zukunftsträchtige Investitionen tätigen zu können, planen die TWS eine weitere Ausgabe von Genussrechten. Damit fuhr man schon in drei Fällen zuvor sehr gut, inzwischen liegen die Verzinsungen auch äußerst attraktiv bei knapp über 4 Prozent. Die neue Auflage befindet sich seit geraumer Zeit für die Zertifizierung beim Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Wie die TWS bei der Bilanz-Pressekonferenz berichtete, wurden und werden ständig neue Regeln eingeführt oder andere verschärft. „Wir müssen ständig nochmal etwas nachreichen, das machen wir natürlich gerne. Hoffentlich erleben wir es noch, die Genehmigung zu bekommen“, so Thiel-Böhm mit dezenter Ironie und dem Nachtrag: „Hätten die BAFIN mal bei Wirecard genauso streng hingeschaut.“ Höherer Gewinn durch Sondereffekte Dass der Gewinn mit 8,3 Mio. Euro erfreulich höher ausfällt als im Vorjahr (5,9 Mio.) ausfällt, haben die TWS der Auflösung von nicht benötigten Rückstellungen zu verdanken, zudem brachte die Beteiligung an der Trianel GmbH, einem Zusammenschluss großer Startwerke mit hoher Innovationskraft im Raum Aachen deutlich besser als geplant. Auch haben die drei TWS-Gesellschafter zuletzt auf einen Teil des Gewinns verzichtet und stattdessen in das Unternehmen investiert.

Gut für Umsatz und Ertrag sind auch die Beschaffungsdienstleistungen. Kommunen profitieren von TWS-Dienstleistungen Inzwischen vertrauen einige regionale Kommunen den TWS-Dienstleistungen an, die sie selbst nur mit hohem Personalaufwand aufbringen könnten. Dazu zählt auch die Beschaffung von Strom und Gas, dadurch blieben sie von Preisexplosionen zulasten der Stadtsäckel verschont. Auch übernimmt die TWS die Betreuung von Versorgungsnetzen, dazu zählen auch technische Bereitschaftsdienste, welche insbesondere kleinere Gemeinden immer schwerer selbst leisten können. Der Umsatz bei den Dienstleistungen für Kommunen ist um rund 11,2 Prozent und rund 3 Mio. Euro gestiegen.

Fachpersonal dringend gesucht
Nicht nur Industrie und Mittelstand, sondern auch Versorgungsdienstleister wie die TWS sind vom Fachkräftemangel gebeutelt. Zum Problem geworden ist der Umstand, dass viele Fachhandwerker aus den Babyboomer-Jahrgängen in Rente gehen. „Im kaufmännischen Bereich kann man es derzeit meist noch auffangen, aber im technischen Bereich ist es schwer“, so Helmut Hertle. Eine Teillösung ist, den Nachwuchs mit einer attraktiven Ausbildung selbst zu generieren. Aktuell sind 24 junge Menschen in einer Ausbildung bei der TWS. Die gemeinsam mit der Firma Lohr gegründete Gesellschaft „Ausbildungszentrum Schussental“ konnte mit der Unterstützung weiterer Partner erste Erfolge verzeichnen. Helmut Hertle beklagt allerdings bei noch zu vielen bürokratischen Hürden bei der gezielten Zuwanderung von Fachkräften.

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