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Konjunktur verliert an Fahrt: IHK fordert Reformen 

Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben veröffentlicht Konjunkturbericht zur regionalen Wirtschaft: Die aktuelle Geschäftslagebeurteilung der Unternehmen verbleibt auf hohem Niveau. Dennoch: Die Erwartungen fallen insgesamt vorsichtiger aus und das anhaltende Störfeuer im Außenhandel sorgt für erste sichtbare Bremsspuren in der regionalen Wirtschaft. Die IHK mahnt dringende Reformen an.

Weingarten – Die Unternehmen der Region Bodensee-Oberschwaben haben sich lange gegen die außenwirtschaftlichen Unsicherheiten und Krisen behauptet. Die regionale Wirtschaftslage blieb stabil auf hohem Niveau. Die Ergebnisse der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage zeichnen nun ein differenzierteres Bild. Während die aktuelle Geschäftslage noch komfortabel ist, fallen die Zukunftsaussichten verhaltener aus. „Wenn insgesamt 96 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend bewerten, dann möchte man nicht von Abschwung sprechen, aber unsere regionale Konjunktur verliert trotzdem an Fahrt. Das zeigt die Zurückhaltung der Unternehmen, wenn es um die Einschätzung der künftigen Auftragslage geht. Die Unternehmen benötigen jetzt dringend wirtschaftspolitische Impulse, die Politik hat sich viel zu lange zurückgehalten“, so Martin Buck, Präsident der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK), zu den Umfrageergebnissen.

In den vergangenen vier Monaten hat der Schwung deutlich nachgelassen. Gut jedes fünfte Unternehmen musste Umsatzrückgänge hinnehmen, allerdings konnte auch noch mehr als ein Drittel der Betriebe Umsatzsteigerungen erzielen. An der Geschäftslage hat sich damit trotzdem noch nicht viel geändert: Mehr als jedes zweite regionale Unternehmen beurteilt seine Geschäftslage als gut, 42 Prozent sind zufrieden. Als schlecht beurteilen unverändert nur 4 Prozent ihre Geschäftslage. Die Ertragslage bleibt ebenfalls annähernd unverändert auf hohem Niveau. Auch die Personalpläne der Unternehmen deuten darauf hin, dass der Beschäftigungszuwachs weiter gehen wird.

In den Erwartungen dagegen drückt sich mittlerweile mehr Skepsis aus. Der Auftragseingang gilt als ein wichtiger Frühindikator der Konjunkturentwicklung und dieser hat schon zu Jahresbeginn nachgegeben und geht aktuell weiter zurück. Nur noch jedes vierte Unternehmen erwartet eine bessere Geschäftsentwicklung. Das ist deutlich weniger als bei der vergangenen IHK-Umfrage oder noch vor einem Jahr (35 Prozent).15 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer schlechteren Entwicklung. Trotzdem gehen noch 85 Prozent der Unternehmen davon aus, dass sich die Geschäfte zumindest gleichbleibend entwickeln werden.

Die Unternehmen spüren den Gegenwind der außenwirtschaftlichen Unsicherheiten und Handelshemmnisse immer deutlicher und sind nun umso mehr auf Rückenwind aus dem Inland angewiesen. „Vom Export können wir derzeit keine neuen Impulse erwarten. Die weltweit schwelenden Handelskonflikte, die US-Sanktionen sowie das Hin und Her beim Brexit belasteten das Auslandsgeschäft. Das trifft besonders die Industrie, das Zugpferd der regionalen Konjunktur“, so IHK-Präsident Martin Buck. Damit werde nach Einschätzung der IHK die Stabilität der Inlandsnachfrage mit Blick auf den deutschen Binnenmarkt und die Geschäftsrisiken der Unternehmen ein immer wichtiger werdender Faktor. Dort hätten sich merkliche Verschiebungen ergeben: Zwar bleibt der Fachkräftemangel Risiko Nummer 1 in der Einschätzung der Befragten, die Sorge um die Inlandsnachfrage nimmt aber zu, ebenso wie die um die Auslandsnachfrage und die Wirtschaftspolitik.

Die Diskussion über die Standortfaktoren in Deutschland ist längst überfällig”, mahnt deshalb der IHK-Präsident. „Was wir brauchen sind weniger Bürokratie, niedrigere Steuern, wettbewerbsfähige Energiepreise sowie eine bessere Versorgung mit digitalen Netzen“, so Buck. Deutschland liege in puncto Steuerbelastung der Unternehmen schon heute in der Spitzengruppe der Industriestaaten. Ohne Reformen dürfte man 2022 innerhalb der OECD sogar den ersten Platz einnehmen, warnt der IHK-Präsident. „Wenn wir hier nicht schnell gegensteuern, fällt die deutsche Wirtschaft weiter zurück“, zeigt sich Buck überzeugt.

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