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Gemeinderat beschließt den “Ravensburger Klimakonsens”

Symbolbild: F.Enderle

Ein deutschlandweit bisher einmaliges Projekt beim lokalen Klimaschutz hat in Ravensburg am Montag, 27. Juli ein wichtiges Etappenziel erreicht. Einstimmig beschloss der Gemeinderat den sogenannten “Klimakonsens” – ein Papier mit überaus ambitionierten Maßnahmen und Zielvorgaben, mit denen man für die Stadt bis spätestens im Jahr 2040 die Klimaneutralität erreichen will.

Was ist das Besondere, das Einmalige daran? Erarbeitet wurde der Klimakonsens von einem, wie Oberbürgermeister Daniel Rapp es nennt, “Projektparlament auf Zeit”. Die Zusammensetzung dieses Parlaments ist dabei besonders interessant. Darin trafen sich 35 engagierte Frauen und Männer aus der Bürgerschaft, aus Umwelt- und Nachhaltigkeitsverbänden, aus Wirtschaft und Handel, aus Lehre und Wissenschaft, aus Kommunalpolitik und Verwaltung, um über mehrere Monate hinweg in teils mehrtägigen Sitzungen und Exkursionen sehr konkret über lokale Klimaschutzziele und deren Verwirklichung zu sprechen.

Sehr detailliert ging es um die großen Bereiche Mobilität und Verkehr, um Gebäude und Energie, um Ausgleichsmaßnahmen und um verstärkte Bewusstseinsbildung bei den Menschen für nachhaltigeres Leben und Wirtschaften.

Die Herausforderung war klar: in so einer bewusst heterogenen Gruppe mit sehr unterschiedlichen und gleichzeitig engagierten Meinungen zum Klimaschutz würde es nicht leicht sein, einen Konsens zu erzielen. “Aber genau das wollten wir so, denn das sollte die große Stärke dieser Vorgehensweise sein”, sagt OB Daniel Rapp. “Wenn Fridays for Future und Wirtschaftsvertreter einen Kompromiss und einen gemeinsamen Weg finden, ist das auch für die Bürger glaubwürdig, nachvollziehbar und hoffentlich auch Ansporn”. Denn am Ende muss auch jede und jeder Einzelne mitmachen und einen Beitrag leisten. Der Blick auf den eigenen ökologischen Fußabdruck bleibt niemandem erspart”.

Ende März folgte eine öffentliche Online-Befragung zu den bisher erarbeiteten Ergebnissen, bei der 1.233 umfangreiche Fragebögen ausgefüllt wurden. Alle von der Kommission vorgeschlagenen Maßnahmen für den Klimakonsens hatten bei der Online-Umfrage sehr hohe Zustimmungswerte erzielt.

Die ausgefüllten Fragebögen haben eine sensationell hohe Zahl, die zeigt, wie groß das Thema im Bewusstsein der Ravensburgerinnen und Ravensburger ist.”

Veerle Buytaert, Projektmanagerin und Leiterin des Umweltamtes der Stadt Ravensburg

Der Ravensburger Klimakonsens formuliert zahlreiche konkrete Aufgaben, wie etwa die deutliche Erhöhung des ÖPNV-, Fußgänger- und Fahrradanteils am Gesamtverkehr, mehr Förderung klimafreundlicher Verkehrsmittel, deutliche Reduzierungen der CO2-Emmissionen an Gebäuden und die Einrichtung eines lokalen Klimafonds. Alle Ziele und Maßnahmen, sowie eine Beschreibung der komplexen Arbeit der Klimakommission auf ihrem Weg bis hin zum Beschluss am Montag im Gemeinderat kann man im Ergebnisbericht online nachlesen.

Eine Ausstellung mit erklärenden Schautafeln direkt auf dem Marienplatz vor dem Waaghaus ergänzt die breite Öffentlichkeitsarbeit der Stadt zu diesem wichtigen Thema.