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Ravensburg

Antonia Schütterle aus Untereschach ist eine der ersten offiziellen Blutreiterinnen

Antonia Schütterle mit Familienpferd Pleasure Bild: Valerie Schütterle)

Antonia Schütterle ist ein ganz normaler Teenager. Sie unternimmt am Wochenende was mit Freunden oder mit der Familie, fährt im Winter Ski und wechselte vor knapp einem Jahr mit ihrer Klarinette im Musikverein Obereschach von der Jugendkapelle zu den „Großen“. Als Musikantin hätte die 18-Jährige in diesem Jahr somit erstmals am Weingartener Blutritt mitwirken können. „Aber für mich war klar, dass ich bei denBlutreitern mitgehe“, erklärt die junge Frau entschlossen.

Im November 2020 machte die Weingartener Kirchengemeinde St. Martin den Weg grundsätzlich frei für
die Teilnahme von erwachsenen Frauen am Blutritt – bisher eine Männerdomäne. Jede Gruppe sollte aber
selbst darüber entscheiden können. In Eschach sei das kein Thema gewesen. „Die fanden das okay, dass
wir mitreiten dürfen“, weiß Antonia von ihrem Vater. Somit gehört sie, nachdem 2021 wegen Corona
keine Teilnahme möglich war, nun zu den ersten offiziellen Blutreiterinnen in der über 500-jährigen
Geschichte der Weingartener Wallfahrt hoch zu Ross.

Ihr erster Blutritt ist das jedoch nicht. Premiere hatte Antonia Schütterle bereits vor zehn Jahren auf einem
Pony. Seither war sie jedes Jahr im roten Gewand mit weißem Hemd dabei. Ministrantinnen sind nämlich
schon seit einigen Jahren erlaubt. Die Blutfreitagstradition kennt Antonia von klein auf. „Für meinen Opa
war es immer ein großer Tag und für meinen Papa auch“, erzählt sie. Der eine war jahrzehntelang
Fahnenträger, der andere ist aktuell Gruppenführer der Eschacher Blutreiter. „Da hat man das intensiv
mitgelebt“, ergänzt die Auszubildende zur Industriekauffrau in einem Tettnanger Textilunternehmen.

Wobei sie als Kind richtig Respekt vor großen Pferden hatte. Das Reiten als Hobby habe sie erst entdeckt,
als vor vier Jahren eine Fuchsstute bei ihrer Familie ein neues Zuhause bekam. Seither trainiert Antonia
auch im Reitverein. „Da habe ich meine Angst verloren“, gesteht sie. Als sich 2019 altersbedingt das Ende
ihrer Ministrantinnenzeit bei den Blutreitern abzeichnete, machte sich die Jugendliche schon so ihre
Gedanken. „Wird das wohl das letzte Mal sein?“, überlegte sie sich und genoss nochmals das besondere
Feeling, die vielen Pferde und auch das gemeinsame Beten auf den Fluren.

Ihre künftige Rolle sah Antonia schon „unten“ bei denen, die alles für die Reiter vorbereiten. Nun freut sie
sich sehr über die geänderten Bedingungen. „Wenn ich schon ein Pferd habe, dann möchte ich es auch
selber reiten“, betont sie. Gelegenheit dazu hatte die junge Frau bereits beim Georgifest in ihrem
Heimatort am 8. Mai. Dort ritt sie mit Rennschnepfe – den Namen hatte der Vorbesitzer ausgesucht –
bereits an der Seite ihres Vaters, damals noch mit Helm, schwarzem Jackett und weißer Reiterhose sowie
mit der für die Eschacher typischen gelb-weißen Schärpe.

Den Zylinder hat sie schon. Nun wartet Antonia darauf, dass ihr neuer Gehrock bald geliefert wird. „Ich
hoffe, dass er dann auch passt“, sagt sie. Denn auf das äußere Erscheinungsbild legen ihr Vater und die
Blutreiterkollegen großen Wert. „Ordentlich gekleidet, nicht fünf Tonnen Makeup im Gesicht und die
Haare zusammen“, nennt die zierliche junge Frau mit einem Augenzwinkern die gestellten Bedingungen.
„Das kriegt man schon hin“, ist sie überzeugt.

Was sie noch etwas üben muss, ist das Rosenkranzbeten. „So oft macht man das ja nicht“, gesteht
Antonia, die auch „zu Fuß“ viele Jahre als Ministrantin in der Obereschacher Kirche diente und bis heute
im Leitungsteam mitarbeitet. Der religiöse Aspekt der Wallfahrt zu Pferd ist ihr sehr wichtig. Ob es ein
anderes Erlebnis ist als Ministrantin oder als Blutreiterin? „Ich glaube es nicht“, hofft Antonia Schütterle.
„Ich freue mich jedenfalls darauf, das wieder alles so zu spüren.“

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