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Industrie stabilisiert Region, Politik muss jetzt Zukunftsinvestitionen sichern

Geschäftslage und -entwicklung Frühjahr 2026 Grafik: IHK

Die Wirtschaft in der Region Bodensee-Oberschwaben zeigt erste Stabilisierungstendenzen und entwickelt sich damit besser als der landesweite Trend in Baden-Württemberg. Während die Geschäftserwartungen im Land insgesamt abnehmen, gibt es eine Aufwärtsbewegung in der Region – getragen vor allem von einer robusten Industrie. Gleichzeitig bleibt das wirtschaftliche Umfeld für viele Unternehmen angesichts hoher Kosten, geopolitischer Unsicherheiten und struktureller Risiken weiterhin angespannt. Das ist das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Bodensee-Oberschwaben unter regionalen Unternehmen aller Branchen.

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Leichte Stabilisierung – keine konjunkturelle Entwarnung
Die Geschäftslage verbessert sich gegenüber dem Jahresbeginn leicht. Vor allem sinkt der Anteil der Unternehmen mit schlechter Lageeinschätzung, während mehr Betriebe ihre Situation als befriedigend bewerten. Umsatz- und Auftragseingänge stabilisieren sich ebenfalls. Insbesondere durch hohe Energie-, Rohstoff- und Arbeitskosten bleibt die Ertragslage dagegen unter Druck. „Wir sehen keine echte konjunkturelle Erholung, sondern allenfalls eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau“, sagt Martin Buck, Präsident der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK). Die angespannte konjunkturelle Lage sieht man sehr deutlich im Einzelhandel und in der Gastronomie. Hier reißen die negativen Zahlen durch Konsumzurückhaltung nicht ab.

Auch die Finanzlage bleibt insgesamt angespannt: Nur noch 46 Prozent der Unternehmen bewerten sie als unproblematisch (bei der Januarumfrage waren es noch 57 Prozent). Mehr als die Hälfte berichtet von Liquiditätsengpässen oder eingeschränktem Finanzierungsspielraum.

Industrie stabilisiert die Region
Besonders die Industrie trägt zur Stabilisierung bei: Hier bewerten 29 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, 51 Prozent als befriedigend und 20 Prozent als schlecht. Auch verbessern sich die Exportaussichten leicht: Die Euro-Zone, ausgewählte asiatische Märkte, das Vereinigte Königreich und sogar die Chancen für Exporte in die USA werden wieder besser beurteilt. Die Investitionsbereitschaft der Industrie nimmt auf niedrigem Niveau ebenfalls zu: Hier steigt der Anteil der Unternehmen mit höheren Investitionsplänen auf 29 Prozent (Jahresbeginn: 25 Prozent). Besonders deutlich ist der Zuwachs bei Digitalisierung (58 nach 50 Prozent) und Kapazitätserweiterungen (24 nach 17 Prozent). Dazu Buck: „Einzelne Branchen – insbesondere die Industrie – zeigen trotz enormer Belastungen eine bemerkenswerte Stärke und Investitionsbereitschaft und sind bereit, in Modernisierung und Transformation zu investieren. Das ist ein wichtiges Signal in einer weiterhin sehr unsicheren Lage. Jetzt kommt es darauf an, dass die Politik diese Dynamik nicht ausbremst, sondern gezielt verstärkt und die Wirtschaft durch kurzfristige und weitreichende Deregulierung entlastet.“

Risiken springen auf Rekordniveau
Die wirtschaftlichen Risiken bleiben außergewöhnlich hoch. Sprunghaft angestiegen in der Risikoeinschätzung der Unternehmen sind die Energiepreise. Für 64 Prozent der Unternehmen sind sie das belastendste Geschäftsrisiko (zuvor 39 Prozent). Auch die fehlende Inlandsnachfrage bleibt belastend (61 Prozent). Auf Platz drei folgen geopolitische Spannungen (58 nach 40 Prozent). Die Arbeitskosten liegen mit 55 Prozent weiter auf hohem Niveau. Stark angestiegen sind die Rohstoffpreise (47 nach 22 Prozent). Die Lieferkettenprobleme rücken durch internationale Krisen und zum Beispiel eine massiv gestiegene Nachfrage nach Halbleiter-Bausteinen verstärkt in den Blickpunkt und stellen mittlerweile für 28 Prozent (vorher 10 Prozent) aller Unternehmen ein Risiko dar – sie gewinnen vor allem in der Industrie wieder an zentraler Bedeutung. In der Industrie schlagen sich die Folgen des Iran-Krieges besonders nieder: Energiepreise (71 Prozent), geopolitische Risiken (68 Prozent) und Rohstoffkosten (66 Prozent).

Strukturelle Risiken nehmen zu
Neben der aktuellen Konjunktur verschärfen sich strukturelle Probleme. Nach Einschätzung führender Wirtschaftsforschungsinstitute droht das Wachstum des Produktionspotenzials in Deutschland mittelfristig nahezu zum Erliegen zu kommen. Damit wächst die Gefahr, dass sich Investitionen, Produktionskapazitäten und Wertschöpfung dauerhaft in andere Regionen verlagern. Unternehmen warten die aktuellen Debatten oft nicht mehr ab, sondern orientieren sich an guten Standortbedingungen andernorts: Investitionen, Produktion und Qualifizierung erfolgen dort, wo die Rahmenbedingungen besser sind. „Wenn wir diese entscheidende Phase nicht nutzen, um den Standort konsequent zu modernisieren, verlieren wir nicht nur Wachstum, sondern auch industrielle Substanz und Know-how – unwiederbringlich“, warnt IHK-Präsident Buck.

Politischer Appell: Zukunftsinvestitionen konsequent umsetzen
Vor diesem Hintergrund fordert die IHK eine klare wirtschaftspolitische Prioritätensetzung. Zwar stehen erhebliche öffentliche Mittel für Infrastruktur und Transformation durch das sogenannte Sondervermögen bereit. Entscheidend wird nun jedoch sein, dass diese Investitionen tatsächlich schnell und wirksam umgesetzt werden.

Im neuen Koalitionsvertrag der Landesregierung sieht die IHK dabei durchaus positive Signale – insbesondere bei Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung, Verwaltungsmodernisierung und Bürokratieabbau. Buck fordert eine konsequente Umsetzung dieser Maßnahmen: „Es reicht nicht, Investitionen anzukündigen – sie müssen schnell, wirksam und wachstumsorientiert umgesetzt werden“, appelliert IHK-Präsident Martin Buck und ergänzt: „Die Unternehmen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen, zu investieren und den Strukturwandel mitzutragen. Jetzt muss die Politik die Voraussetzungen schaffen, damit Wachstum, Innovation und industrielle Wertschöpfung auch künftig in Deutschland stattfinden. Gerade bei Bürokratieabbau, Infrastruktur, Energieversorgung, Digitalisierung sowie Planungs- und Genehmigungsprozessen braucht unser Land endlich mehr Tempo.“

 

Grafiken:

Grafik 1: Geschäftslage und -entwicklung Frühjahr 2026

Grafik 2: Beschäftigung und Investitionen Frühjahr 2026

Grafik 3: Top 10 der Entwicklungsrisiken Frühjahr 2026

Grafik 4: Geschäftslage und -entwicklung INDUSTRIE Frühjahr 2026

Grafik 5: Investitionen INDUSTRIE Frühjahr 2026

 

Weitere Informationen gibt es auch über das IHK Konjunkturboard Baden-Württemberg

unter: www.konjunkturboard-bw.de.

 

Hintergrundinfo: An der IHK-Konjunkturumfrage Frühjahr 2026 haben sich 281 Unternehmen aus Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen beteiligt. Die Befragung fand vom 13. April bis 4. Mai 2026 statt. Die IHK Bodensee-Oberschwaben erhebt als einzige Organisation in der Region regelmäßig eine umfassende Konjunkturbeobachtung auf Basis eigener Unternehmensbefragungen.