Oliver Kohl-Frey ist der neue Kanzler der Pädagogischen Hochschule Weingarten (PH). Er war zuletzt Leitender Direktor des Kommunikations-, Informations- und Medienzentrums der Universität Konstanz und hat sein Amt an der PH zum 1. Januar angetreten. Am 7. Mai fand nun seine feierliche Amtseinführung statt.
Schon am Vormittag gab es verschiedene Veranstaltungen, Führungen und Erkundungen zu Digitalthemen an der PH. Am Nachmittag bei der Feier in der PH-Aula konnte Rektorin Professorin Dr. Karin Schweizer dann zahlreiche Gäste aus Wissenschaft, Bildung, Wirtschaft, Politik und Verwaltung aus der Region, dem Umland und darüber hinaus begrüßen. Die große Gästeliste zeige, so die Rektorin, dass die PH in der Region fest verankert sei und über ein tragfähiges Netzwerk verfüge. Moderiert wurde die Veranstaltung von Christian Gras, dem stellvertretenden Kanzler der PH. Die studentische Band „initiatiPH“ des Fachs Musik sorgte mit ihren musikalischen Zwischeneinlagen für Begeisterung.
Die Amtseinführung sei ein besonderer Tag, da ein neuer Kanzler Aufbruch und Weichenstellung für die Entwicklung der Hochschule bedeute, so die Rektorin. In der bisherigen Zusammenarbeit habe sich gezeigt, dass Oliver Kohl-Frey ein Mensch mit klaren Vorstellungen sei – und dazu entschlossen, Dinge anzupacken und weiterzuentwickeln, aber stets mit einem offenen Ohr für alle Positionen. Er sei angetreten, wichtige Zukunftsthemen voranzutreiben – unter anderem in den Bereichen Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung – und damit die Entwicklung der Hochschule zu fördern sowie die Zukunft von Forschung, Lehre und Studium mitzugestalten. Dies sei eine echte Gemeinschaftsaufgabe. Der neue Kanzler zeige Energie und Umsicht und stehe für Transparenz, Kommunikation auf Augenhöhe und einen kooperativen Führungsstil. Der neue Kanzler suche „den Dialog mit den verschiedenen Statusgruppen“, betonte die Rektorin. Das Verständnis eines Kanzlers für die Belange aller Statusgruppen sei wichtig für eine nachhaltige Entwicklung der Hochschule.
Auch die weiteren Grußworte zeigten Verbundenheit und Wertschätzung für die PH. Professor Dr. Dr. h. c. Hans Gruber, Vorsitzender des Hochschulrats der PH Weingarten, wies darauf hin, dass es nicht einfach sei, akademische und organisatorische Zielsetzungen umzusetzen. Es erfordere ein Zusammenspiel aller Akteure und den Mut, Herausforderungen anzunehmen. „Lassen Sie uns diese Herausforderungen gemeinsam angehen“, so Gruber.
Kohl-Frey habe sein Amt als Kanzler in unruhigen Zeiten angetreten, sagte Martina Oesterle, Leitende Ministerialrätin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Nicht zuletzt wirke sich die allgemeine Wirtschaftslage auch auf die Hochschulfinanzierung aus. Die Hochschulfinanzierungsvereinbarung für die Jahre 2026 bis 2030 gewährleiste aktuell Verlässlichkeit und Autonomie für die nächsten fünf Jahre. Dennoch gelte es, die PH kontinuierlich strukturell und zukunftsfähig weiterzuentwickeln. „Dafür wünsche ich Ihnen viel Erfolg und eine glückliche Hand“, so die Ministerialrätin.
Vera Brüggemann, Kanzlerin der PH Ludwigsburg und Sprecherin des Kanzler-Arbeitskreises der PHs, begrüßte Oliver Kohl-Frey als neues Mitglied im Arbeitskreis. Heutzutage sei ein Kanzler in alle strategischen und akademischen Entscheidungen des Rektorats mit eingebunden, sagte sie. Er sei Teil einer kollegialen Hochschulleitung, verwalte Haushalt und Personal der Hochschule, müsse sich gegenüber dem Ministerium verantworten und politische Vorgaben umsetzen. Rollenkonflikte seien daher nicht vermeidbar, Interessenausgleiche und Kompromisse unabdingbar, so Vera Brüggemann. Das Amt eines Kanzlers erfordere gute Kommunikation, Know-how, Rückgrat, Flexibilität sowie Bereitschaft zur kollegialen Zusammenarbeit. Der neue Kanzler der PH Weingarten sei dafür gut gerüstet.
Kohl-Frey dankte abschließend allen Rednerinnen und Rednern für die „klugen und wertschätzenden Worte“, die eine große Verbundenheit zur PH gezeigt hätten. Sein Dank galt auch „InitiatiPH“ – „sie waren ein musikalischer Genuss“ –, den vielen Programmbeteiligten, die am Vormittag digitale Themen der PH erfolgreich nach innen und außen sichtbar gemacht hätten, sowie allen Helfern im Hintergrund. Er habe mit dem Kanzleramt ein gut bestelltes Feld übernommen, sei offen aufgenommen worden, habe in der Einarbeitungsphase viel Unterstützung erfahren und gute Einblicke in sein Aufgabenspektrum erhalten. Er werde die künftige Entwicklung der PH gerne mitgestalten und ihre weitere Professionalisierung unterstützen. Sein Dank galt dabei auch allen Hochschul-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern: „Ohne Sie alle könnte ich den Job nicht machen.“
Keynote zur Flexibilisierung von Lernprozessen
Mit der Keynote „Flexibilisierung von Lernprozessen am Beispiel einer Programmieren-Vorlesung“ von Professorin Dr. Melanie Baur von der Hochschule für Technik in Stuttgart habe der neue Kanzler für seine Amtseinführung ein Thema gewählt, das sehr gut zum digitalen Weg der PH passe, sagte Professor Dr. Bernd Reinhoffer, Prorektor für Lehre und Studium der PH Weingarten, in seiner Einführung und Laudatio. Professorin Baur sei eine ausgewiesene Informatik- und Didaktik-Expertin. Die Trägerin des Landeslehrpreises Baden-Württemberg 2025 habe sich durch innovative Lehransätze und ihre Beiträge zur Flexibilisierung von Lernprozessen in der Programmierung einen Namen gemacht.
Mit Blick auf den digitalen Weg der PH berichtete Reinhoffer, dass die Hochschule schon vor einiger Zeit wichtige Weichen gestellt habe, unter anderem im Rahmen des Projekts „Teacher Education goes Digital“ (TEgoDi). So würden PH-Lehramtsstudierende mittlerweile verpflichtend ein digitalisierungsbezogenes und ein Medienentwicklungsprojekt absolvieren – dies sei ein Alleinstellungsmerkmal der PH Weingarten. „Traditionelle Lernformate genügen dem derzeit stattfinden Wandel an den Hochschulen nicht mehr“, bestätigte Professorin Baur in ihrer Keynote. Die Antwort auf aktuelle Herausforderungen in der Hochschullehre liege in mehr Flexibilisierung, sagte sie und nannte als Beispiele Lern-Flexibilität, Raum-Flexibilität und didaktische Flexibilität – bis hin zu flexiblen, an individuelle Lerngeschwindigkeiten angepasste Prüfungen. Aufgabe der Hochschulen sei es jetzt, Freiräume für Lehrinnovationen zu schaffen, den kulturellen Wandel zu fördern, Strukturveränderungen zu ermöglichen sowie Infrastruktur und Ressourcen entsprechend anzupassen.


