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Ravensburg

Angiographie am EK: 350 000 Euro für Gerät der neuesten Generation

Bild: OSK

Große Reichweite, beste Handhabbarkeit, niedrige Strahlendosis. Chefarzt Prof. Dr. Martin Heuschmid ist vom neuen Angiographiegerät am St. Elisabethen-Klinikum in Ravensburg begeistert. 350 000 Euro hat die Oberschwabenklinik in den Austausch des 14 Jahre alten bisherigen Gerätes investiert. Eine Investition, von der sowohl die Patienten als auch die behandelnden Ärzte profitieren.

„Diagnostische und Interventionelle Radiologie“ heißt die Klinik, die Prof. Heuschmid leitet. Die Radiologen fertigen mit ihren Geräten nicht nur Aufnahmen vom Körperinneren für eine exakte Diagnostik an. Sie therapieren darüber hinaus durch Interventionen, die eine Operation ersetzen können, auch selbst Erkrankungen. Die Angiographie, bei der vorzugsweise über die Leiste oder den Ellenbogen ein Katheter in die Arterie eingeführt wird, ist technische Voraussetzung dafür. Sie ermöglicht die Darstellung der Gefäße mittels eines Kontrastmittels und Röntgen sowie das Verschließen oder Weiten erkrankter Gefäße.

Die Angiographie ist ein wesentliches Merkmal eines Klinikums der Zentralversorgung wie dem EK. Erneuert worden ist am EK das monoplane Aufnahmesystem mit einer Aufnahmeebene. Im Nachbarraum steht darüber hinaus ein biplanes Gerät, das eine Gefäßdarstellung auf zwei Ebenen ermöglicht. Diese  wird vor allem von den Neuroradiologen genutzt. „Wir sind auf alle Arten radiologischer Untersuchungen und Interventionen eingerichtet“, betont Prof. Heuschmid.

Die neue Angiographie deckt einen Radius von 2,10 Meter ab. Für ein Gerät, das am Boden und nicht an der Decke befestigt ist, eine große Reichweite. „Es ist ein System, das alles erfasst“, freut sich der Chefarzt. Gerade bei den häufig vorkommenden Becken-Bein-Angiografien ist ein großer Radius von Vorteil. In dem Gerät sind Dosierungsprotokolle hinterlegt. Begonnen wird immer mit der niedrigsten Dosis, erläutert Prof. Heuschmid. Geräte dieser neuesten Generation würden für den Patienten eine wesentlich geringere Strahlenbelastung als ältere Apparate verursachen.

Ein weiteres Merkmal ist der „schwimmende Tisch“. Mit dieser Technik kann er den Tisch rasch während der Untersuchung per Hand bewegen, der Tisch lässt sich bei Bedarf flexibel drehen. „Wir können Positionen einstellen, die sowohl die Lagerung für den Patienten als auch die Untersuchung für den Arzt erleichtern“, erläutert Prof. Heuschmid. Der C-Bogen der neuen Apparatur erlaubt parallele Bewegungen in die Tiefe, so dass das Gerät in Position gebracht werden kann, ohne den Tisch zu berühren.

Die Angiographie ist an das Bildsystem PACS der Oberschwabenklinik angeschlossen. Damit können auf dem Doppel-Monitor der Anlage auch Bilder aus früheren Untersuchungen des Patienten aus dem digitalen Archiv eingespielt werden. Die Ärzte können noch während der Untersuchung die Informationen von Voraufnahme im Untersuchungsraum berücksichtigen, was u.a. bei onkologischen Eingriffen an der Leber oder bei aktiv blutenden Gefäßen wichtige Erkenntnisse bringen kann.

An der Leber sind mittels der Angiographie auch onkologische Interventionen zur Behandlung von Tumoren oder Metastasen möglich. Bei einem Tumor lässt sich die Blutversorgung unterbinden, so dass er schrumpft. Gleichzeitig lässt sich über Katheter eine lokale Chemotherapie einbringen. Die Nebenwirkungen für den Patienten seien dabei äußerst gering, sagt der Chefarzt.

„Extrem schnell“, so Prof. Heuschmid, ist die Angiographie mit  ihren Schlüsselloch-Interventionen beim Verschluss blutender Gefäße zum Beispiel nach einem Autounfall oder nach dem Sturz. Bei Blutungen aus Arterien ist es möglich, mittels der Angiographie die Blutungsquelle darzustellen und das Gefäß wieder zu verschließen. Eine herkömmliche OP würde ungleich länger dauern und wäre für den Patienten zudem wesentlich belastender.

Die Angiographie hilft auch Patienten, die an einer Verengung der Darmarterie leidet. Diese geht nach Mahlzeiten mit krampfartigen Bauchschmerzen einher. „Diese Patienten erleben eine schlimme Einschränkung der Lebensqualität“, sagt Prof. Heuschmid. Die Arterie wieder zu weiten, damit der Darm durchblutet ist, dauert eine halbe bis eine dreiviertel Stunde und befreit die Patienten von ihrem Leiden.

Zusammen mit der neuen Angiographie ist ein WLAN-gesteuerter Ultraschallkopf angeschafft worden. In Sekundenschnelle kann der Arzt zum Beispiel im Halsbereich erkennen, wo die Arterie verläuft und wo die Venen sind, die er beim Einstich treffen möchte. Ein Stück zusätzlicher Sicherheit für den Patienten, sagt Prof. Heuschmid.