Die Schützen und Zuschauer beim Bogenschießen der ehemaligen Realschüler wurden – wie schon bei der letzten Auflage vor drei Jahren – auf eine besonders harte Geduldsprobe gestellt. Die Entscheidung um die Ehre des Schützenkönigs fiel erst nach fast viereinhalb Stunden. Dann sicherte sich David Meßmer (Jahrgang 1990) den goldenen Mehlsack – beziehungsweise das, was von ihm noch übrig war.
Rund 800 Schützinnen und Schützen waren beim Ehemaligenschießen der Ravensburger Realschulen am Start. Schon nach wenigen Minuten kam der eine oder andere Pfeil dem Mehlsack gefährlich nahe. Einmal wurde er sogar frontal getroffen. Abgesehen von einem kurzen Wackeln blieb es allerdings bei einem Raunen auf den Rängen. Es sollte sich letztlich als Vorgeschmack auf das Drama erweisen, das danach folgen sollte. Dutzendweise flogen Pfeile in Richtung der Schützenplatte. Hauptpreise, Wehrtürme und Mauerstücke wurden kontinuierlich von der Platte geholt. Nicht in Worte zu fassen war dann eine Szene, die sich um 15 Uhr abspielte. Auf dem Schießstand stand der Jahrgang 1979. Manuel Mayer zog die Sehne durch, ließ los und Sekundenbruchteile später flog der Mehlsack durch die Luft. Jubel brach aus, der Schütze riss die Arme nach oben. Doch der genaue Blick auf die Schützenplatte ließ Fragen offen. Warum fiel nicht der ganze Teil des aus Pressspan gefertigten Turms? Und was passiert nun mit dem Rest?
Sprecher Jens Mayfarth schob umgehend die Regularien nach: „Entscheidend ist, ob auf dem heruntergefallenen Teil die Nummer zu sehen ist.“ Bei der Begutachtung des Holzteils durch den Schützen machte sich dann schnell Ernüchterung breit. Manuel Mayer hatte lediglich etwa das obere Drittel des Mehlsacks getroffen – ohne die erforderliche Nummer auf der Rückseite. Die physikalische Hebelwirkung schien förmlich außer Kraft gesetzt. Nicht wenige Zuschauer forderten augenzwinkernd das Einschreiten des „VAR“. Doch der Kuppelnau-Keller griff nicht ein, und das Schießen wurde fortgesetzt.
Hochspannend ging es weiter, zumal mehrere Pfeile den verbliebenen Rest des Mehlsacks streiften. Um 16.15 Uhr, also viereinhalb Stunden nach dem ersten Schuss, setzte David Meßmer (Jahrgang 1990) dem Drama schließlich ein Ende: Sein Schuss brachte den Mehlsack vollends zu Fall und die Ehre des Schützenkönigs war entschieden. Nach der Ehrung und Preisübergabe ging es gemeinsam mit dem Trommlercorps aller ehemaligen Realschüler zu einer Runde über das Festgelände.


