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Mit diesen Maßnahmen reagiert Weingarten auf die Energiemangellage

Symbolbild: KIm Enderle

Bereits am 1. September 2022 traten mit der Energieeinsparverordnung des Bundes die ersten Maßnahmen zur Einsparung von Gas und Strom in Kraft. Darüber hinaus hat die Stadt Weingarten im Rahmen ihres gestrigen Koordinierungs- und Krisenstab „Energiemangel“ folgende Sofortmaßnahmen beschlossen, die ab der kommenden Woche sukzessive umgesetzt werden sollen.

Die Gas- und Energieversorgungslage in Deutschland bleibt angespannt. Im Zuge der durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz ausgerufenen Alarmstufe, sind alle aufgefordert, mögliche Energiesparpotentiale zu identifizieren und auszuschöpfen. Auch die Stadt Weingarten hat schnell reagiert und auf Initiative von Oberbürgermeister Clemens Moll bereits im Frühsommer einen verwaltungsübergreifenden Koordinierungs- und Krisenstab „Energiemangel“ ins Leben gerufen.

„Es gibt keine Blaupause“
„In der jetzigen Situation gibt es keine Blaupause, die wir als Kommune Regionen-übergreifend anwenden können“, so Oberbürgermeister Clemens Moll. „Jede Stadt ist mit anderen Effizienzstandards ihrer jeweiligen Anlagen konfrontiert und muss so individuell eigene Großverbraucher im Bereich Strom, Gas und Wasser identifizieren. So bitte ich bereits heute die Bürgerschaft um Verständnis und Nachsicht, dass die eine oder andere Maßnahme in der Nachbarschaft eventuell bei uns nicht zum Greifen kommt und umgekehrt.“

Mehrkosten von mindestens 1,3 Millionen
Der Koordinierungs- und Krisenstab „Energiemangel“ ist verwaltungsübergreifend besetzt. Alle 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung waren in den Sommermonaten aufgerufen, in den jeweiligen Abteilungen und Fachbereichen Bereiche ausfindig zu machen, bei denen bereits geringe Einsparungen große Wirkungen im Verbrauch erzielen. Denn die derzeitige Mangellage und die damit gestiegenen Preise könnte auch die Stadt Weingarten – ohne weitreichende Sparmaßnahmen – teuer zu stehen kommen. Die meisten städtischen Gebäude werden noch mit Gas beheizt. Hochrechnungen zufolge kämen auf die Stadt – bei gleichbleibendem Verbrauch – Mehrkosten bei Strom und Gas in Höhe von mindestens 1,3 Millionen Euro zu. Ein Betrag, der vor dem Hintergrund der zahlreichen großen Investitionsprojekte, zwingend zu Einsparmaßnahmen bei anderen Projekten führen würde.

Vor diesem Hintergrund wurden in der gestrigen Sitzung des Koordinierungs- und Krisenstabs folgende Sofortmaßnahmen verabschiedet, die, je nach Lage, weiter ausgebaut werden können:

Straßenbeleuchtung
Ab der kommenden Woche soll die Straßenbeleuchtung während der gesamten Beleuchtungsdauer auf Halbnachtbetrieb umgestellt werden. Dieser sah bislang eine Drosselung des Lichts nur in den Zeiten von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens vor. Mit der Ausweitung der Sparbeleuchtung können circa 150.000 Kilowattstunden eingespart werden. Große Durchgangsstraßen sowie sicherheitsrelevante Bereiche wie Fußgängerübergänge und Zebrastreifen sind von der Maßnahme ausgenommen. Dieser sah bislang eine Drosselung des Lichts in den Zeiten von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens vor. Mit der Ausweitung der Sparbeleuchtung können knapp 150.000 Kilowattstunden eingespart werden. Große Durchgangsstraßen sowie sicherheitsrelevante Bereiche wie Fußgängerübergänge und Zebrastreifen sind von der Maßnahme ausgenommen.

Weihnachtsbeleuchtung
Erheblichen Sparmaßnahmen unterliegt auch die innerstädtische Weihnachtsbeleuchtung. So sollen in diesem Jahr nur effiziente Leuchtmittel die Innenstadt in vorweihnachtliche Atmosphäre versetzen. Die Einsparungen betreffen speziell die Giebelbeleuchtung entlang der innerstädtischen Häuserzeilen. Die fünf Christbäume, die mit LED-Lichterketten beleuchtet werden sowie die neuen Straßenlaternenaufsätze, die mit moderner LED-Technik ausgestattet sind, sind aufgrund ihres geringen Verbrauchs von den Sparmaßnahmen nicht betroffen. Die Stadt wird hier zeitnah in detaillierte Abstimmung mit den örtlichen Einzelhändlern und Gastronomen gehen.

Hallenbad
Das Weingartener Hallenbad wird zum 23. September 2022 in Betrieb gehen. Wurde bereits in diesem Frühjahr in Folge eines Gemeinderatsbeschlusses die Temperatur des Schwimmbeckens von 28 Grad auf 27 Grad reduziert, wird in Folge der aktuellen Situation die Temperatur erneut um ein Grad abgesenkt. Von dieser Maßnahme ist der Kinderbereich ausgenommen. Der Gemeinderat wird in seiner Sitzung am 26. September darüber entscheiden, inwieweit auch die Saunalandschaft ihren Betrieb in diesem Winter aufnehmen wird. Denkbar wäre eine Reduktion der Anzahl an Saunen, die in Betrieb gehen bzw. eine generelle Reduktion der Öffnungs- und Betriebszeiten.

Gebäude
In sämtlichen städtischen und öffentlichen Gebäuden greifen die Maßnahmen der Bundesenergieverordnung. Neben der Nachtabschaltung zwischen 18 Uhr und 6 Uhr morgens, bei der die Temperaturen auf 13 bis 14 Grad herabgesenkt werden, wird tagsüber eine reduzierte Temperatur von 19 Grad angestrebt. Bei den Schulen gibt es Seitens der Landesregierung und des Kultusministeriums klare Vorgaben: In Schulen (Primar- und Sekundarstufe) wird in den Klassen- und Betreuungsräumen eine Absenkung der Temperatur auf 20 Grad angestrebt. Auch bei den Sporthallen folgt die Stadt den gängigen Einsparempfehlungen einer Absenkung auf 19 Grad.

Brunnen
Auch bei den Brunnen im Stadtgebiet greift die Stadt auf die Einsparverordnung der Bundesregierung zurück: sämtliche Brunnen werden vorzeitig aus dem Betrieb genommen.

Schrittweise Umrüstung auf LED
Im Zuge der aktuellen Haushaltsplanungen für 2023 soll die Umrüstung auf moderne LED-Technik mehr in den Fokus genommen werden. So gibt es erhebliche Einsparpotentiale bei der Flutlichtanlage im Lindenhofstadion sowie der Sportanlage am Schulzentrum. Darüber hinaus wurden Haushaltsmittel angemeldet für die LED-Umrüstung beim Schlössle und zwei städtischen Turnhallen. Auch bei den städtischen Tiefgaragen gibt es aus Sicht der Verwaltung mittelfristig ein großes Optimierungspotential: Moderne Bewegungssensoren könnten die derzeitige nächtliche Dauerschaltung ablösen und so mehrere tausend Kilowattstunden einsparen.

Der Koordinierungs- und Krisenstab wird in den kommenden Wochen noch häufiger zusammentreffen und weitere Maßnahmen definieren, über die zeitnah im Rahmen der städtischen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit informiert werden soll.