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Wirtschaft startet trotz Sorge um Europa gut ins neue Jahr 

WEINGARTEN
„Mit Spannung haben wir die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2019 erwartet, denn gegen Ende des Jahres mehrten sich in den Wirtschaftsinstituten doch die kritischen Stimmen hinsichtlich der weiteren Wirtschaftsentwicklung“, so Martin Buck, Präsident der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK). „Umso erfreulicher ist es, dass unsere aktuellen Umfrageergebnisse für die Region Entwarnung geben. Der Aufschwung hält an. Unsere Wirtschaft ist solide aufgestellt und schaut zuversichtlich nach vorn: Mehr als jedes zweite regionale Unternehmen (57 Prozent) beurteilt seine aktuelle Geschäftslage als ‚gut‘, rund ein weiteres Drittel (37 Prozent) sieht sich in einer ‚befriedigenden‘ Geschäftslage.“

Die IHK-Konjunkturumfrage, die dreimal im Jahr bei den Unternehmen der Region Bodensee-Oberschwaben durchgeführt wird, zeigt, dass die Umsätze der Unternehmen in den vergangenen Monaten stabil geblieben sind und auch die aktuelle Ertragslage mehrheitlich als gut bis befriedigend beurteilt wird. Gefragt nach den Erwartungen zeigen sich unverändert gut neun von zehn Unternehmen (91 Prozent) zuversichtlich für die Entwicklung in den nächsten Monaten. „Wir gehen davon aus, dass sich die Wirtschaft weiterhin positiv entwickelt, nur nicht mehr in dem rasanten Tempo wie zuletzt“, so IHK-Präsident Buck.

Die Unternehmen behalten zu Jahresbeginn ihre Zuversicht. Nachdem die Investitionsabsichten im Herbst etwas heruntergefahren wurden, lassen sich weitere Investitionsrückgänge aktuell nicht ablesen. Jedes vierte Unternehmen plant höhere Investitionen, jedes zweite behält das Niveau bei. Wenn es nach den Unternehmen geht, hält auch der Beschäftigungsaufbau an, denn jedes vierte Unternehmen möchte das Personal aufstocken, fast zwei Drittel wollen am Personalbestand nichts ändern. Der Arbeitsmarkt bleibt also aus Unternehmersicht angespannt. Mittlerweile halten schon zwei Drittel der Unternehmen den Fachkräftemangel für das Risiko Nummer 1 für die eigene Geschäftsentwicklung.

Hier sieht die IHK die Politik in der Pflicht: „Dem Fachkräftemangel, muss endlich entschieden entgegengewirkt werden. Das neue Fachkräftezuwanderungsgesetz trägt dabei kaum zur Lösung bei, denn es hält an den Regelungen des deutschen Einwanderungsrechts grundsätzlich fest“, so Buck. Im neuen Gesetz gibt es laut IHK in folgenden Bereichen größeren Handlungsbedarf: bei der Gleichwertigkeit beziehungsweise Anerkennung beruflicher Abschlüsse, beim Zeitpunkt der Ausbildungsduldung sowie bei der Ausnahmeregelung und der Vorrangprüfung bei Ausbildung sowie der Altersbeschränkung auf 25 Jahre. „Auch muss die Politik insgesamt für günstige Rahmenbedingungen sorgen, wenn Deutschland als Wirtschaftsstandort für die Zukunft fit und wettbewerbsfähig sein soll“, mahnt Buck. Dazu gehöre auch eine längst überfällige Steuerreform. Buck fordert: „Eine komplette Abschaffung des Solidaritätszuschlages wäre ein erster Schritt und ein wichtiges Signal.“

Hinzu kommen die bestehenden Handelskonflikte, zunehmender Protektionismus und die Hängepartie beim Brexit. Alles belastende und verunsichernde Faktoren für das so wichtige Exportgeschäft der regionalen Betriebe. Denn jeden zweiten Euro verdienen die hiesigen Industriebetriebe mit dem Ausland. Die Bedeutung eines stabilen EU-Binnenmarktes wird deshalb immer wichtiger, auch für Bodensee-Oberschwaben. Durch den Austritt von Großbritannien, der zweitgrößten Volkswirtschaft in Europa, würde sich der EU-Binnenmarkt stark verkleinern. „Gemessen an der Wirtschaftskraft ist der Brexit gleichbedeutend mit dem Austritt der 19 kleinsten der 28 EU-Länder“, warnt Buck und erläutert: „Das ist auch deshalb ein großer Verlust, weil die EU als zusammenhängender Wirtschaftsraum auch ein Testmarkt für neue Produkte oder Geschäftsmodelle ist. Je größer dieser Testmarkt bleibt, desto größer sind die Chancen, dass diese eine wirtschaftliche Stärke erreichen, bevor sie im Weltmarkt platziert und expandiert werden.“ Und auch die Exporterwartungen der Industrie für das Vereinigte Königreich sind bei der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage weiter in den Keller gerauscht. Die Exportaussichten insgesamt bleiben fast stabil. Dennoch: „Die Sorge in der Industrie um die Auslandsnachfrage hat deutlich zugenommen“, so Buck.

Die Entwicklungen Europas haben unmittelbare Auswirkungen auf die Wirtschaft und damit den Wohlstand in unserer Region. „Wir können und müssen bei der diesjährigen Europawahl ein Zeichen setzen. Ein Zeichen für ein starkes, gemeinsames Europa, für offene Märkte und freien Handel. Dafür ist jede Stimme wichtig!“, appelliert Buck.

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