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Weingarten

Lehrerbildung im Zeichen der Digitalisierung

v.l. Staatssekretär Rachel, Prorektor Prof. Dr. Müller, Rektorin Prof. Dr. Schweizer, MdL Schuler, MdB Müller. Bild: PH Weingarten

Die Corona-Pandemie hat den Lehr-, Lern- und Schulbetrieb in Deutschland gründlich auf den Kopf gestellt und den Erfordernissen einer Digitalisierung in diesen Bereichen ungeahnten Nachdruck verliehen. Konzepte zur Förderung von Kompetenzen bei Lehrkräften, digitale Medien gezielt und lernwirksam im Unterricht einzusetzen, sind unabdingbar geworden. Mit dem Projekt TEgoDi (Teacher Education goes digital) hat sich die Pädagogische Hochschule Weingarten (PH) im April auf den Weg gemacht, ein Konzept zu entwickeln und umzusetzen, wie die Lehrkräfte von morgen fit für die Zukunft gemacht werden können.

Das Projekt läuft bis 31. Dezember 2023 und wird mit 1,9 Millionen Euro im Rahmen der von Bund und Ländern 2015 gestarteten und 2020 mit einer neuen Förderrichtlinie ergänzten „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Am vergangenen Freitag besuchte der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel aus dem BMBF zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten Axel Müller (CDU) die Hochschule auf dem Martinsberg, um sich über die Entwicklung und Umsetzung des Projekts TEgoDi vor Ort zu informieren. Der politischen Besucherdelegation schloss sich auch der lokale CDU-Landtagsabgeordnete August Schuler an.

Sie freue sich sehr über den Besuch des Staatssekretärs aus Berlin und das Interesse seitens der Politik, sagte PH-Rektorin Professorin Dr. Karin Schweizer in ihrer Begrüßung. In einem Kurzporträt stellte sie den Gästen Portfolio und Leistungsspektrum der PH sowie die vielfältigen Studienmöglichkeiten mit Lehramts-, Bachelor- sowie Masterstudiengängen und Promotionsmöglichkeit vor. Das Thema Digitalisierung in der Lehrerbildung bilde einen Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt an der PH, berichtete Professor Dr. Wolfgang Müller, PH-Prorektor für Forschung, Transfer und Internationalisierung und Projektleiter von TEgoDi, der die Gäste gleichfalls auf dem Martinsberg willkommen hieß. Die PH engagiere sich auch international, betonte er, beispielsweise im Rahmen des ERASMUS-Programms oder in Hochschulpartnerschaften, und agiere in effektiven Netzwerken wie der Internationalen Bodenseehochschule.

Aktuelle Projektinputs

Aktuelle Inputs zu TEgoDi gaben Professorin Dr. Stefanie Schnebel (Erziehungswissenschaft) und Professor Dr. Robert Grassinger (Pädagogische Psychologie) den Gästen. Das Projekt ziele darauf ab, die Lehramtsausbildung weiter zu verbessern, indem verpflichtende Lehranteile in Bezug auf den Erwerb mediendidaktischer, medienfachdidaktischer und grundlegender medienpädagogischer Kompetenzen mit dem Fokus auf eine digitale Unterrichtsgestaltung in das Studium integriert werden, berichtete Professorin Dr. Schnebel. Auch die Weiterentwicklung digitalisierungsbezogener Kompetenzen von Lehrkräften und Hochschullehrenden stehe auf der Projektagenda. Durch eine nachhaltige Schaffung der dafür notwendigen Strukturen an der PH – beispielsweise Medienlabore und Medienausstattung, Supportstrukturen für Lehrende, Selbstlernmaterialien oder Feedback-Mechanismen – leiste TEgoDi zudem einen elementaren Beitrag zur Digitalisierung der gesamten Hochschule. Wichtige Bausteine des Projekts, so Professor Dr. Grassinger, seien dessen verbindliche Integration in die Lehramtsausbildung unter Einbeziehung aller Fächer, ein projektbasierter Ansatz mit verpflichtenden Projekten für die Studierenden – für alle Lehramtsstudierende beispielsweise in Form eines Lehrprojekts (Entwicklung eines medienbasierten Lehr-Lern-Konzepts) und eines Medienentwicklungsprojekts (Erstellung von medialem Lehr-Lernmaterial) – sowie der Aufbau eines Unterstützungs- und Betreuungskonzepts für Studierende. Im Fokus stünden darüber hinaus der Ausbau von Anreizsystemen, Qualifizierungs- und Coaching-Maßnahmen für Hochschullehrende sowie die Entwicklung eines Transferkonzepts und der Ausbau der Vernetzung für die Weiterbildung von Lehrkräften. Weitere Projektbausteine seien Evaluation und Begleitforschung. „Wir möchten mit TEgoDi unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen“, so die Professoren weiter. Eine interne Vernetzung zu weiteren Forschungs- und Entwicklungsprojekten sowie Service-Einrichtungen der Hochschule sei dafür genauso erforderlich wie die externe Vernetzung mit anderen Universitäten in der Förderlinie der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“, mit Einrichtungen und Schulen.

Einblick in die Abläufe von TEgoDi erhielten die Gäste aus der Politik von den Akademischen Projektmitarbeitenden Jennifer Widmann, Leonie Heiberger und Marcus Gaidetzka. Diese stellten anhand von anschaulich gestalteten Erklärungstafeln die „TEgoDi-Customer Journey“ vor, informierten über Szenarien, Online-Kurse, Projektbeteiligte sowie Hintergründe und zeigten auf, wer mit auf die Projektreise geht und wie die Digitalisierung der Lehre aus Sicht der Studierenden und Lehrenden umgesetzt werden kann.

Staatssekretär Rachel zeigte sich beeindruckt von den TEgoDi-Projektaktivitäten der PH, die alle „mit Elan bei laufendem Hochschulbetrieb“ stattfinden, und bedankte sich für die detaillierten Darstellungen und Projekteinsichten. Die Hochschule auf dem Martinsberg stelle vorbildlich Wissenschaft und Know-how zur Verfügung, um – wie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung durch die Förderung beauftragt – die Lehrkräfte von morgen fit für die Zukunft zu machen. Dies genau sei das Ziel der vor fünf Jahren gestarteten „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“, die Bund und Länder mit Blick auf Veränderungen im Bildungsbereich sehr früh auf den Weg gebracht hätten. Eine Verbesserung der Bildung bleibe auch künftig im Fokus der Politik, versprach er. Rachel lobte insbesondere die internationalen und nationalen Vernetzungsaktivitäten sowie die Einrichtung von Feedback-Mechanismen an der PH. Eine Beurteilung von Mensch zu Mensch sei und bleibe wichtig, auch in der Lehre. Bei einem anschließenden Besuch des CoLiLab der PH im Naturwissenschaftlichen Zentrum erhielten Staatssekretär Rachel und die Abgeordneten Müller und Schuler Einblicke in digitale Unterrichtsmöglichkeiten und die hochwertige technische Ausstattung des Lehr-Lern-Labors. Den Studierenden und Projektbeteiligten stehen dort sowohl traditionelle als auch digitale Medien zur Verfügung, wie beispielsweise ein 3D-Scanner, 3D-Drucker, Schneideplotter, Greenscreen, Kamera, programmierbare Kleincomputer und klassische Werkzeuge.