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Gemeinderat hat entschieden: Oberschwabenhalle wird zur Sporthalle, Kino wird zum Kulturhaus

Archivbild: F.Enderle

Die Stadt Ravensburg steht vor einer weitreichenden Veränderung im Kultur- und Schulbereich. Vor dem Hintergrund steigender Schülerzahlen und gleichzeitig beschränkter finanzieller Mittel hat die Stadt unter dem Leitmotiv „Kooperation und Konzentration“ einen Weg gefunden, wie Kultur- und Schulsportbedarfe organisiert und dauerhaft dargestellt werden können. In einem umfangreichen Gesamtkonzept löst die Stadt damit gleich mehrere Problemfelder und sichert den Fortbestand von attraktiven Kulturangeboten, den Kinostandort in der Innenstadt und den zusätzlichen Bedarf an Hallenflächen für den Schulsport, eine Pflichtaufgabe der Stadt. Der Gemeinderat hat dies in seiner Sitzung am 13. Juli auf den Weg gebracht.

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 Raum für Kultur – Städtische Bühnen am Frauentor

 Das Theater Ravensburg muss seinen aktuellen Standort in der Zeppelinstraße Mitte des Jahres 2027 verlassen. Die Räume sind derzeit privat angemietet. Die Lösung: Das Frauentorkino wird von einem Investor saniert und durch die Stadt angemietet, der das Gebäude umbaut So entstehen die „Städtischen Bühnen am Frauentor“. Hauptnutzer wird das Theater Ravensburg. Aber auch andere Kulturangebote soll es dort geben, wie zum Beispiel Lesungen, Konzerte, Firmenveranstaltungen und weitere Veranstaltungsformate. Zwei Bühnen mit einer Kapazität von 250 bzw. 90 Personen wird es dort geben. Voraussichtlich ab Mitte 2029 könnte der Umbau abgeschlossen sein. Es entsteht damit ein attraktiver, innenstadtnaher Standort für kulturelle Nutzungen und Begegnungen mit einem Theatercafé. Die Stadt mietet das Gebäude an und vergibt Nutzungen in eigener Verwaltung durch das Kulturamt an die Kulturakteure für ihre Veranstaltungen. 

 Kinobetrieb in der Innenstadt wird gesichert

 Der Eigentümer des Frauentorkinos möchte das Gebäude verkaufen und die Einnahmen in seinen Kinostandort „Die Burg“ am Marienplatz investieren. Denn auch dort muss zum Erhalt des Kinos investiert werden. Das sichert die Existenz eines Kinos in der Innenstadt.

 Finanzierung Sanierung Konzerthaus muss schon mitgedacht werden

 Die Stadt denkt bereits heute an die perspektivisch anstehende Sanierung des Konzerthauses, das ein Kulturdenkmal ist, und in jedem Fall als Veranstaltungshaus beibehalten werden soll. Auch vor diesem Hintergrund möchte die Stadt ihre finanziellen Möglichkeiten bündeln.  Während einer solchen Sanierung könnten im Konzerthaus so lange keine Veranstaltungen mehr stattfinden. Auch deshalb wäre ein dann etablierter Standort am Frauentorkino als eine Art vorübergehende Ersatzbühne hilfreich, in der immerhin einzelne, ausgewählte Veranstaltungen stattfinden könnten.

Oberschwabenhalle wird zur Großsporthalle umgebaut

Neben den Überlegungen im Bereich der kulturellen Bühnen besteht gesamtstädtisch der Bedarf nach einer neuen Sporthalle. Insbesondere für den Schulsport werden diese zusätzlichen Hallenkapazitäten für den Pflichtunterricht benötigt. Denn die Schülerzahlen steigen in Ravensburg. Das hat demografische Gründe und etwas mit der Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums (G9) zu tun. Der Neubau einer Sporthalle würde hohe Kosten verursachen. Daher wird künftig die Oberschwabenhalle als Großsporthalle genutzt werden. Dort werden Schulsport und sportliche Wettkämpfe, wie zum Beispiel Meisterschaften, stattfinden. Die Halle befindet sich im Eigentum der Stadt und muss ohnehin dringend umfassend saniert werden. Die Halle stammt aus dem Jahr 1959. Das Foyer und der Backstagebereich wurden 2003 gebaut. Durch die Umnutzung der Oberschwabenhalle wird ein Sporthallenneubau nicht notwendig, das spart Kosten. Die Oberschwabenhalle ist gut für eine sportliche Nutzung geeignet. Der Landkreis benötigt für seine Schulen ebenfalls mehr Sportflächen und könnte in der Halle Kapazitäten nutzen. Auch Tanzen – Spielen – Musizieren beim Rutenfest oder die Turngala des Schwäbischen und Badischen Turnerbundes werden weiterhin in der Oberschwabenhalle stattfinden.

Durch die Konzentration auf den Bereich Sport entfällt die Nutzung für Comedy-, Konzert- und Messeformate in der Oberschwabenhalle. Dies ist zweifelsfrei ein Verlust für Ravensburg, den der Gemeinderat mehrheitlich vor dem Hintergrund der finanzierbaren Gesamtlösung schweren Herzens in Kauf nimmt. Aktuell macht die Oberschwabenhalle als Veranstaltungsort inklusive der Gebäude- und Personalkosten jedoch jedes Jahr einen Verlust im laufenden Betrieb von ca. 1,1 Mio. Euro. Besonders attraktive Großveranstaltungen wie „Wetten, dass…“ oder „Verstehen Sie Spaß“ finden hier schon seit Jahren nicht mehr statt. Die Oberschwabenhalle ist dafür schlicht zu klein. Die Kulturarbeit wird durch den Wegfall der Oberschwabenhalle trotz der Anmietung des Frauentorkinos jährlich Einsparungen erzielen.

 Oberschwabenhallenplatz wird begrünt, Veranstaltungen können stattfinden

 Auf einem Teil des Oberschwabenhallengeländes sollen schattenspendende Bäume gepflanzt werden. An Hitzetagen erwärmt der Platz stark und gibt diese Hitze am Abend und in der Nacht an seine Umgebung weiter. Im Rahmen der Freiflächenkonzeption der Stadt soll durch eine Begrünung Abkühlung und ein besseres Starkregenmanagement erfolgen. Dabei steht der Oberschwabenhallenparkplatz nach wie vor als kostenloser Parkplatz und für Freiluftnutzungen weiter zur Verfügung. 

 Für zukünftige Messen und andere Veranstaltungen hat der Gemeinderat eine Konzeptausschreibung auf den Weg gebracht. Ein Veranstalter kann hierbei ein Konzept unter Nutzung einer für einen beschränkten Zeitraum bestehenden Leichtbauhalle oder einer sonstigen Nutzung auf dem Oberschwabenhallengelände vorlegen. So könnten Messeveranstaltungen und andere Events stattfinden – neben dem Weihnachtszirkus als überregionale Traditionsveranstaltung, der weiterhin Platz finden wird. Auch für die Oberschwabenschau ist dies ein Weg, um mit neuer Konzeption weitermachen zu können.

 Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp: „Wir haben Aufgaben, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, zusammengedacht und ein machbares und wirtschaftlich sinnvolles Gesamtkonzept erarbeitet. Leider können wir nicht alles Wünschenswerte machen, aber auch für Ravensburg gilt: Geld ist endlich. Wir haben eine gute Lösung gefunden, auch wenn sie natürlich nicht für jeden optimal ist. Die Lage der Oberschwabenhalle ist natürlich nicht ideal für den Schulsport. Aber machbar. Die Aufgabe der Oberschwabenhalle für Großveranstaltungen ist bedauerlich, aber in der Gesamtabwägung vertretbar. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir mit den neuen „Städtischen Bühnen am Frauentor“ für die Kultur und die Bürgerschaft einen hohen Mehrwert erreichen können. Wir können froh sein, dass wir diesen Gestaltungsspielraum so haben. Das ist für viele Städte inzwischen nicht mehr selbstverständlich.“