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Ravensburg

Nachfahren der jüdischen Familie Adler zu Besuch in Ravensburg

Deborah Stillmann und Steve Markey besuchten auch das Stadtarchiv. Bild: Stadt Ravensburg

Ravensburg hat am 5. Mai 2026 Besuch aus den USA empfangen: Deborah Stillmann aus Durham (North Carolina), Enkelin von Gustav und Lotte Adler, kam gemeinsam mit ihrem Partner Steve Markey in die Stadt. Im Stadtarchiv rekonstruierte sie zusammen mit Stadtarchivarin Dr. Silke Schöttle das Leben ihrer jüdischen Familie in Ravensburg zwischen 1924 und 1939.

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Grundlage waren Standesregister, Akten, Zeitungsartikel, Briefe, Protokollbände und Fotos. Die Großeltern hätten später in New Orleans nicht mehr über ihre Zeit in Ravensburg gesprochen, berichtete Stillmann. Während ihre Tante Hannelore 1998 noch einmal in die Stadt gereist war, habe ihre Mutter Brigitte kein Interesse an einer Rückkehr gehabt.

Gustav Adler, geboren 1890 in Speyer, zog am 1. Oktober 1924 mit seiner späteren Frau Lotte Stern (geb. 1904 in Barmen) von Ludwigshafen nach Ravensburg. Das Paar heiratete 1925 und lebte zunächst im Hirschgraben 2.

Ab 1925 bis zur Emigration 1939 wohnte die Familie mit ihren Töchtern Hannelore (geb. 1927) und Brigitte (geb. 1931) im eigenen Haus am Marienplatz 61. Dort betrieb Gustav Adler als Kaufmann das Kaufhaus „Wohlwert“, später „Staufia“, mit zeitweise rund 30 Beschäftigten, darunter auch jüdische Mitbürgerinnen wie Paula Kahn.

 Ausgrenzung und Verfolgung
Adler war im TSB Ravensburg aktiv, wurde 1929 zum Kassenwart gewählt und engagierte sich als Lebensrettungsschwimmer. Einen Jugendlichen rettete er vor dem Ertrinken im Flappach. Schon 1932 kam es zu einer Auseinandersetzung innerhalb des Vereins über das Tragen der Turnerfahne an der Totengedenkfeier durch Gustav Adler, worauf dieser seine Ämter niederlegte. 1933 wurden Juden aus bürgerlichen Vereinen ausgeschlossen.

 Im selben Jahr rief die SA zum Boykott des Kaufhauses auf. Während der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurden die Schaufenster zerstört, Gustav Adler mehrere Tage inhaftiert. Unter wachsendem Druck verkaufte er das Geschäft im Dezember 1938 an den Ravensburger Textilwarenhändler Wilhelm Dietz.

Am 4. September 1939 emigrierte die Familie über Rotterdam in die USA, wo ihre Ankunft im Januar 1940 nachgewiesen ist. Gustav Adler starb 1973, Lotte Adler 1984 – beide in New Orleans.

Zum Besuchsprogramm der Enkeltochter gehörten ein Rundgang durch Ravensburg, der Besuch der Stolpersteine am Marienplatz 61 sowie Gespräche im Rathaus mit Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp. Auch der Grüne Salon im Museum Humpis-Quartier stand auf dem Programm. Dort traf Deborah Stillmann unter anderem Museumsdirektorin Sabine Mücke und Uli Feßler vom TSB Ravensburg, der die Patenschaft für den Stolperstein von Gustav Adler übernommen hat.