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Baubeginn des neuen Frauen- und Kinderschutzhauses Ravensburg

Vertreterinnen des Vorstandes und Mitarbeiterinnen des Vereins Frauen und Kinder in Not e.V. stehen zusammen mit Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp und Dieter Katein, dem Leiter des Amtes für Architektur und Gebäudemanagement, an der "Roten Bank" vor dem Waaghaus am Marienplatz. Bei der "Roten Bank" handelt es sich um eine öffentlich aufgestellte Sitzgelegenheit mit der Aufschrift „Kein Platz für Gewalt gegen Frauen“. Sie dient als mahnendes Symbol und sichtbares Zeichen gegen häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt. Bild: Stadt Ravensburg

Der Baubeginn des neuen Frauen- und Kinderschutzhauses steht bevor. Voraussichtlich ab Mitte August rollen die Bagger. Ende 2027 soll der Neubau stehen. Gebaut wird es von der Stadt Ravensburg für den Verein Frauen und Kinder in Not e.V. Das Land fördert den Bau mit 75 Prozent.

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Die Planung umfasst ein stufenweises aufgebautes Sicherheitskonzept. Der Neubau ist eingebettet in ein Wohngebiet in Ravensburg, was die soziale Kontrolle stärkt. Eine Nachbarschaft, die vom Frauenhaus weiß, bietet Normalität und natürliche Sicherheit.

Im neuen Frauen- und Kinderschutzhaus entstehen sieben Appartements inklusive einem Notfallplatz mit insgesamt rund 260 Quadratmetern Wohnfläche und 13 Wohnheimplätzen, die durch Abtrennmöglichkeiten flexibel belegt werden können. So können auch Frauen mit älteren Söhnen in Zukunft aufgenommen werden, was im Moment im bisher genutzten Gebäude in der Enge der Hausgemeinschaft ohne abgeschlossene Wohneinheiten nicht möglich ist. Die Zubehörfläche mit Gemeinschafts-, Mitarbeiterinnen- und Technikräumen umfassen insgesamt etwa 300 Quadratmeter.

Im Erdgeschoss befinden sich die halböffentlichen Bereiche. Hier sind die Büro- und Mitarbeiterinnenräume des Trägervereins Frauen und Kinder in Not e.V. für die Betreuung der Bewohnerinnen, sowie Gemeinschaftsräume angeordnet. Des Weiteren sind hier vorgelagerte Technik- und Lagerräume vorgesehen, so dass ein geschützter nicht einsehbarer Innenhof entsteht. Das Erdgeschoss wurde zudem barrierefrei geplant. Hier befindet sich neben den Büros und Gemeinschaftsräumen auch ein barrierefreies Appartement, welches so im Bestand bisher nicht angeboten werden konnte und im süddeutschen Raum zur besseren Versorgung von Frauen oder Kindern mit Behinderung beitragen wird. Auf eine Aufzuganlage kann somit verzichtet werden. Dies wirkt sich positiv auf die Baukosten aus, ebenso wie der Verzicht auf eine Unterkellerung mit Tiefgarage.

Das Gebäude ist in Holzbauweise geplant, wobei zu einem hohen Anteil vorfabrizierte Elemente zum Einsatz kommen sollen. Die Beheizung des Gebäudes erfolgt zentral über eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Pufferspeicher. Die Energieversorgung wird durch Photovoltaik-Module auf dem Dach unterstützt.

Der Neubau ist als halböffentliches Haus konzipiert, da eine vollständige Anonymisierung der Unterkunft heutzutage kaum noch umzusetzen ist, zum Beispiel aufgrund der Möglichkeiten durch Handy-Ortung oder mit GPS-Trackern. Zudem soll das halböffentliche Konzept dazu beitragen, dass die Frauen und Kinder nicht mehr, wie bislang im Verborgenen leben und über das Erlebte schweigen müssen. Ziel des Konzeptes ist es, die betroffenen Frauen und Kinder auf ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben frei von Gewalt nach dem Frauenhausaufenthalt vorzubereiten.

Für hochgefährdete Frauen wird es jedoch auch in Zukunft weiterhin anonyme Schutzplätze in anderen Häusern brauchen. Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp betont: „Wir wollen mit dem neuen Haus einen sicheren Ort für gewaltbetroffene Frauen und Kinder schaffen, funktional und bedarfsgerecht.“ Darüber ist die Freude bei den Verantwortlichen des Trägervereins groß: „Wir sind überglücklich, dass Stadt und Land diesen Neubau ermöglichen. Wir danken für die Unterstützung und sehen den Neubau als Wertschätzung unserer langjährigen Arbeit“ betont Roswitha Elben-Zwirner, Geschäftsführerin des Verein Frauen und Kinder in Not e.V.. „Der Bedarf ist groß, unser derzeitiges Haus war in diesem Jahr bis Juli mit einer Belegung zu 95 Prozent ausgelastet.“

Seit über 43 Jahren gibt es in Ravensburg ein Frauen- und Kinderschutzhaus, welches vom Trägerverein „Frauen und Kinder in Not e.V.“ betrieben wird. Die derzeitige Unterkunft ist jedoch in einem prekären Zustand und erfüllt längst nicht mehr bautechnische und sicherheitstechnische Standards. Zudem ist das Haus aktuell nicht barrierefrei.

Der Trägerverein hat daher gemeinsam mit der Stadt Ravensburg beschlossen, ein Neubaukonzept zu entwickeln und umzusetzen. Nach rund zweieinhalbjähriger Entwicklungs- und Planungsphase soll mit dem Bau des Gebäudes nun begonnen werden.

Die Kosten für den Neubau liegen voraussichtlich bei rund 3,2 Mio. Euro. Das Projekt wird zu 75 Prozent aus Landesmitteln des Ministeriums für Soziales, Arbeit und Gesundheit finanziert, die der Landtag von Baden-Württemberg beschlossen hat. Die weiteren Kosten trägt die Stadt Ravensburg.

Die Fertigstellung und der Bezug des Neubaus sind für Ende 2027 geplant.