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Zehn Jahre Hospiz Schussental

Die Mitarbeiterinnen des Hospizes berichteten von ihren Erlebnissen im Hopsizalltag und sorgten damit für einen Gänsehautmoment. Bild: Rolf Schultes/St. Elisabeth-Stiftung

Was bedeutet es, Menschen bis zuletzt zu begleiten? Anlässlich seines zehnjährigen Bestehens hat das Hospiz Schussental der St. Elisabeth-Stiftung am 16. Juni 2026 im Ravensburger Schwörsaal nicht nur gefeiert, sondern vor allem gezeigt, worum es in einem Hospiz wirklich geht: nicht ums Sterben, sondern ums Leben bis zum letzten Atemzug. Ein Fachvortrag des renommierten Palliativmediziners Prof. Dr. Gian Domenico Borasio machte deutlich, vor welchen Aufgaben die Gesellschaft beim Thema Palliative Care steht.

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Ein Gast, der ein letztes Mal mit seiner Rockband auftritt. Ein Paar, das im Hospiz heiratet. Eine eiserne Hochzeit, gefeiert erst vor wenigen Wochen. Wer an ein Hospiz denkt, hat selten solche Bilder vor Augen – und doch gehören sie zum Alltag im Hospiz Schussental. Sie zeigen, was die Einrichtung der St. Elisabeth-Stiftung seit zehn Jahren ausmacht: Hier wird nicht nur würdevoll Abschied genommen, hier werden bis zuletzt Wünsche erfüllt, Geschichten erzählt und Feste gefeiert.

Palliative Care bedeutet nicht, auf den Tod zu warten. Es bedeutet, die verbleibende Zeit so zu gestalten, dass ein Mensch wirklich lebt – begleitet, gehört, in seiner Würde gestärkt. Das Hospiz Schussental betreut schwerkranke Menschen in ihrer letzten Lebensphase und bietet dabei weit mehr als medizinische Versorgung: Es ist ein Ort, an dem Gefühle Platz haben, an dem offen über Sterben und Abschiednehmen gesprochen werden darf – und an dem auch gelacht wird. Mit der eindringlichen Botschaft, nichts mehr aufzuschieben, motivierte Andrea Thiele, Vorstandssprecherin der St. Elisabeth-Stiftung, das Publikum, den Moment zu nutzen, bevor Menschen in die letzte Lebensphase treten.

Der renommierte Palliativmediziner Prof. Dr. Gian Domenico Borasio machte in seinem Vortrag deutlich, dass nicht die Schmerztherapie die zentrale Aufgabe von Palliative Care sei, sondern die psychologische und spirituelle Begleitung. Entscheidend sei deshalb das Zuhören – für Borasio die wichtigste Fähigkeit überhaupt. Nur wer wisse, wo ein Mensch gerade stehe, könne wirklich helfen. Das Ziel sei daher nicht, in Frieden zu sterben, sondern bis zuletzt zu leben.

Darüber hinaus warnte in seinem Vortrag vor den demografischen Entwicklungen, die ohne Gegenmaßnahmen zu einem Mangel von Pflegeplätzen führen werden. Seine Antwort auf dieses Problem: die sorgende Gemeinschaft – eine Vergesellschaftung der Palliativversorgung, bei der alle Bürgerinnen und Bürger Verantwortung tragen.

Zehn Jahre Hospiz Schussental – das bedeutet zehn Jahre Begleitung, Zuwendung und gelebte Nähe. Die St. Elisabeth-Stiftung würdigte dieses Jubiläum mit einem festlichen Abend, der zugleich ein Dankeschön an alle war, die das Hospiz täglich mit Leben füllen: Pflegende, Ehrenamtliche, Ärztinnen und Ärzte, Spenderinnen und Spender sowie der unter dem Dach der Bürgerstiftung Kreis Ravensburg vor zehn Jahren errichtete Hospizstiftung Schussental. Ohne deren Engagement die Einrichtung nach Worten von Dr. Andreas Honikel-Günther, erster Bürgermeister der Stadt Ravensburg, heute nicht existieren würde. Er nennt das Hospiz Schussental einen unverzichtbaren Zufluchtsort – ein Ort voller Leben, Geborgenheit und tiefer Wärme. Sozialdezernentin Petra Lill hob hervor, dass die Kombination von Kindertagesstätte und Hospiz unter einem Dach eine symbiotische Nähe zwischen Leben und Sterben, Alltag und Abschied schafft.

Johannes Kiderlen von der Hospizstiftung Schussental blickte auf die Entstehungsgeschichte zurück: von der ersten Idee bis zur Umsetzung – und das, ohne auf die Zweifler zu hören, getragen von der Überzeugung „Wir schaffen das.“ Mit ihrer Spende haben sie auch einen großen Beitrag geleistet den Festakt zu realisieren.

Für den emotionalsten Moment sorgten die Mitarbeiterinnen des Hospizes. Sie berichteten von Gästen und Begegnungen im Arbeitsalltag, die ihnen im Kopfgeblieben sind. Sie erzählten von einer Dame, die zu jeder Mahlzeit Erdbeereis gegessen hat und die Angehörigen sich sorgten, ob das noch gesund sei. Oder wie sich eine Mitarbeiterin gemeinsam mit dem Gast via Facebook auf die Suche nach seinen Geschwistern machte, und Erfolg hatte.

Den Festakt umrahmten „Die Drahtzieher“ mit Gipsy-Jazz. Den Abschluss bildete eine Rede von Thomas Radau, Leiter des Hospiz Schussental, er betonte das die Hospizarbeit auch die beste Suizidprävention sein.