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Wirtschaft steht hinter der EU

Übersicht „Welche Prioritäten sollte sich die EU nach der Europawahl 2019 für ihre Arbeit setzen?“ Grafik: DIHK

WEINGARTEN
Für mehr als zwei Drittel der deutschen Unternehmen ist die Europäische Union „besser als ihr Ruf“ – das belegt eine aktuelle Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). An der Umfrage hatten sich rund 1.800 Betriebe, darunter auch Unternehmen aus der Region Bodensee-Oberschwaben, beteiligt. 82 Prozent der Betriebe, die sich an der branchenübergreifenden Umfrage beteiligten, bewerten die EU als wichtigen Stabilitätsanker.

Insbesondere im Binnenmarkt und in der gemeinsamen Währung sieht die Wirtschaft konkrete Vorteile. „Für die international agierenden Unternehmen, die sich insbesondere auch in unserer exportstarken Region finden, ist zudem die gemeinsame Handelspolitik von großer Bedeutung. Mehr als zwei Drittel der Betriebe mit Geschäften in Drittstaaten ordnen diesem Punkt einen hohen Nutzen zu“, so Professor Dr. Peter Jany, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK).

Fast drei Viertel der Umfrageteilnehmer bewerteten wegen der entfallenen Wechselkursrisiken auch die gemeinsame Währung als europäischen Integrationserfolg, so die Umfrage. Zugleich wollen aber mehr als 60 Prozent, dass sich die EU nach der Europawahl verstärkt um die Krisenresistenz der Wirtschafts- und Währungsunion kümmert. Ein Punkt, der aus IHK-Sicht ganz oben auf der To-do-Liste stehen muss.

Der Untersuchung zufolge wünscht sich rund die Hälfte der Unternehmen darüber hinaus Aktivitäten, die die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft in den Blick nehmen. Dazu gehören aus ihrer Sicht vor allem die Sicherung von Fachkräften durch eine stärkere Berufsbildung in der EU, verbesserte internationale Handelsregeln und Vereinheitlichungen der steuerlichen Bemessungsgrundlage.

Unter den Top 5 der Prioritäten findet sich zudem der Wunsch, die EU möge bei neuen Regulierungen die Auswirkungen auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) verbindlich berücksichtigen. Kritisiert werden hier die teilweise praxisfremden Regularien – insbesondere in Deutschland. Das zeige sich am Beispiel der Datenschutzgrundverordnung: Die Hälfte der Unternehmen stelle fest, dass die Verordnung hierzulande gründlicher oder je nach Sichtweise auch bürokratischer umgesetzt werde als in anderen EU-Ländern. „Vier von zehn Betrieben sehen dadurch ihre Wettbewerbsposition gefährdet“, warnt Jany. „All diese Kritikpunkte müssen wir ernst nehmen. Die IHK-Organisation wird deshalb nach der Wahl darauf einwirken, dass kleinere und mittlere Unternehmen noch besser an der Weiterentwicklung der EU beteiligt werden.“

Dennoch macht die Umfrage eines deutlich: „Die deutschen Unternehmen wissen, was sie an der EU haben: einen Garanten für den gemeinsamen Binnenmarkt und einen Stabilitätsanker in global turbulenten Zeiten“, fasst IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Jany die Ergebnisse zusammen. „Der grundsätzliche Zuspruch in der deutschen Wirtschaft ist stark – auch bei den Betrieben, die selbst nicht grenzüberschreitend tätig sind. Das ist ein gutes Signal für Europa und die bevorstehenden Europawahlen.“