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Polizei stellt Kriminalitätsstatistik vor

Das Polizeipräsidium Ravensburg. Bild: F.Enderle

Die Corona-Pandemie hat sich im zurückliegenden Jahr auch im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ravensburg (Landkreise Ravensburg, Sigmaringen und Bodenseekreis) deutlich in der Kriminalitätsentwicklung niedergeschlagen“, bilanziert Polizeipräsident Uwe Stürmer anlässlich der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2020 am heutigen Dienstag.

„Das Erfreuliche vorweg: die Kriminalitätsbelastung ist im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ravensburg insgesamt deutlich gesunken! Zudem haben sich einzelne Kriminalitätsfelder verschoben: Während Kriminelle sich die Lage zunutze gemacht haben und Lug und Betrug gerade im Internet deutlich zunahmen, wirkte sich die Corona-Krise bei den Eigentumsdelikten wie beim Diebstahl oder auch der Einbruchskriminalität sehr positiv aus und ließ diese Zahlen teilweise deutlich sinken. Der Rückgang dieser Delikte ist aber nicht allein auf Corona zurückzuführen. Auch unsere intensiven Anstrengungen zur Bekämpfung des Diebstahls und der Einbruchskriminalität zeigen hier Wirkung. Dies belegt, dass wir mit unseren zielgerichteten Maßnahmen auf dem richtigen Weg sind, die Zahlen nachhaltig zu senken!“ Auch bei der Gewaltkriminalität konnte eine überwiegend positive Entwicklung verzeichnet werden: schwere Straftaten wie Tötungs-, Raub- und Körperverletzungsdelikte waren im Jahr 2020 durchweg rückläufig.


„Es zeigt sich, dass der persönliche, zumeist deutlich negativere Eindruck von der objektiven Sicherheitslage nicht mit der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung übereinstimmt – auch wenn die verstörenden Kapitalverbrechen der jüngsten Zeit mit den teils recht jungen Tatverdächtigen dieses Gefühl verständlicherweise nochmals verstärkt haben dürften.“

Polizeipräsident Uwe Stürmer

Gesamtzahl der Straftaten und Aufklärungsquote

Im Bereich des Polizeipräsidiums Ravensburg ist ein Rückgang der Straftaten um 4,2% (-1.236 Fälle) auf insgesamt 28.497 Fälle zu verzeichnen. Der Rückgang ist etwas geringer ausgeprägt als der Landestrend (-6,1% auf 538.566 Straftaten).

Somit wurde im Jahr 2020 die niedrigste Zahl der Straftaten seit fünf Jahren erreicht (5-Jahres-Schnitt 29.104 Fälle). Entgegen des Trends wurde im Bodenseekreis ein leichter Anstieg von 9.986 Straftaten im Jahr 2019 auf 10.175 Delikte im Jahr 2020 registriert, was einem Anstieg um 1,9% entspricht. Hier dürften sich die hohe Attraktivität und Aufenthaltsqualität sowie das geänderte Freizeitverhalten in der Corona-Krise widerspiegeln, die dazu geführt haben, dass sich in den Sommermonaten deutlich mehr Menschen in der Bodenseeregion aufgehalten haben.

„Von den 28.497 Straftaten im Jahr 2020 konnten insgesamt 18.595 Delikte aufgeklärt werden. Damit konnte die Aufklärungsquote im Vergleich zum Vorjahr von 61,1% auf 65,3% deutlich gesteigert werden und liegt damit sogar über dem Landesdurchschnitt von 64,0%. Dass fast zwei Drittel aller erfassten Straftaten aufgeklärt wurden, ist sehr erfreulich und ein Beleg für die professionelle Arbeit der Polizei“, resümiert der Polizeichef.

Straftaten gegen das Leben / Rohheits- und Gewaltdelikte

Die Zahl der Tötungsdelikte (inkl. versuchter Fälle) sank von 28 im Jahr 2019 auf 23 im vergangenen Jahr. Die Aufklärungsquote betrug hier 100%, das heißt, dass zu allen diesen schweren Verbrechen Tatverdächtige ermittelt und beweiskräftig überführt werden konnten. „Dieser Erfolg ist insbesondere der intensiven und akribischen Ermittlungsarbeit unserer Spezialisten der Kriminalpolizei zu verdanken“, zollt der Polizeipräsident seine Anerkennung.

Bei den Raubdelikten (Raub/Räuberische Erpressung) war nahezu eine Halbierung der Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Die Straftaten gingen von 120 Fällen im Jahr 2019 auf 69 in 2020 und somit um -42,5% zurück und verzeichnen damit den mit Abstand niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre, wobei ein Teil dieses Rückgangs coronabedingt zu erklären sein dürfte.

Auch bei den Körperverletzungsdelikten setzte sich der Rückgang fort: während die einfachen Körperverletzungen im Jahr 2020 um 184 Fälle (- 7,1%) auf 2.411 Fälle zurückgegangen sind, nahmen die Fälle der gefährlichen und schweren Körperverletzungen 2020 um 47 Fälle (- 6,6%) auf 670 Fälle und damit im dritten Jahr in Folge ab. Auch hier konnte die gute Aufklärungsquote nochmals gesteigert werden, bei den einfachen Körperverletzungen von 92,4% auf 94,5% und bei den gefährlichen bzw. schweren Körperverletzungen von 85,8% auf 89,4%. Dazu Polizeipräsident Stürmer: „Unsere Botschaft ist unmissverständlich und die Zahlen machen es deutlich: wer zuschlägt, muss damit rechnen, ermittelt und im weiteren Verlauf auch zur Rechenschaft gezogen zu werden!“

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

Die Zahl der Sexualdelikte ist im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ravensburg im Jahr 2020 nach den kontinuierlichen Zuwächsen in den Vorjahren erstmals wieder annähernd gleichgeblieben (Anstieg um 5 Fälle, +1,0% auf 498 Fälle), während die Sexualstraftaten landesweit deutlich zugenommen haben (+13,8%). Weiter gestiegen sind innerhalb der Sexualdelikte dagegen die Fälle des Erwerbs, der Herstellung, der Verbreitung und des Besitzes von Kinderpornografie.

Häusliche Gewalt

Die registrierten Fälle häuslicher Gewalt sind im Jahr 2020 um 11 Fälle auf 470 Fälle leicht zurückgegangen. Bei der überwiegenden Zahl der Fälle handelte es sich um Körperverletzungen. Die ursprüngliche Annahme, dass sich die coronabedingten Restriktionen deutlich negativ auf dieses Deliktsfeld ausgewirkt haben könnten, lässt sich anhand der Zahlen zumindest im Bereich des Polizeipräsidiums Ravensburg so nicht bestätigen, auch wenn es in den ersten Wochen des Jahres 2021 während des Lockdowns vermehrt entsprechende Fälle gab.

Da bei geschlossenen Schulen und Kindertagesstätten sowie ruhendem Vereinsbetrieb weniger Möglichkeiten bestehen, Verdachtsfälle zu erkennen, muss hier von einem entsprechend erhöhten Dunkelfeld ausgegangen werden, sodass der Rückgang nicht unbedingt positiv zu bewerten ist. Dazu der Polizeichef: „Gewalt im sozialen Nahraum ist oft kein Einzelereignis, vielmehr wiederholen sich derartige Taten oft und nehmen nicht selten im Laufe der Zeit in ihrer Intensität zu! Dadurch steigt die Gefahr von schweren Straftaten bis hin zu Kapitalverbrechen. Diese Erkenntnis hat dazu geführt, dass landesweit ein spezielles Gefährdungsmanagement für Hochrisikofälle von häuslicher Gewalt entwickelt wurde. Ziel ist, die Opfer bestmöglich zu schützen und den Tätern mit allen rechtsstaatlichen Mitteln in Zusammenarbeit mit den Frauenhäusern und weiteren beteiligten Behörden und Institutionen Einhalt zu gebieten!“

Gewalt gegen Polizeibeamte

Während bis 2019 beim Polizeipräsidium Ravensburg eine kontinuierliche Zunahme von Gewaltdelikten gegen Polizeibeamte zu verzeichnen war, ist die Zahl im vergangenen Jahr erstmals seit zehn Jahren rückläufig gewesen (von 304 Fällen in

2019 auf 261 in 2020). Dies steht im Gegensatz zum Landestrend, der eine nochmalige Zunahme dieser Straftaten um rund 3% auf einen neuen, traurigen Höchststand aufweist. Dazu Polizeipräsident Stürmer: „Dieser erstmals wieder zu verzeichnende Rückgang darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Zahl der Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte in unserer Region nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau bewegt und die Angriffe in etlichen Fällen zudem mit großer Brutalität ausgeführt wurden. Man denke hier nur an den massiven Angriff auf Polizeibeamte im Sommer letzten Jahres in der Ravensburger Schussenstraße.

Schwere Verletzungen von Kolleginnen und Kollegen, einhergehend mit längerfristiger Dienstunfähigkeit, waren mehrfach die Folge. Das ist völlig inakzeptabel und zeugt von hoher krimineller Energie! Hier muss die Justiz klare Zeichen setzen und derartige Angriffe konsequent und angemessen sanktionieren. Erste Verfahrensausgänge mit teilweise beträchtlichen Strafzumessungen sind erfreulich und legen nahe, dass dies erkannt und entsprechend geurteilt wurde.“ Ein wesentlicher Einflussfaktor bei diesen Straftaten ist der Alkohol: mehr als zwei Drittel der Tatverdächtigen (72,2%) waren bei der Gewaltanwendung alkoholisiert (161 von 223 TV).

Beleidigungen

Die bei der Polizei angezeigten Beleidigungsdelikte sind von 1.714 im Jahr 2019 auf 1.920 um 206 Fälle (12%) nicht unerheblich angestiegen. Dazu merkt Polizeipräsident Uwe Stürmer an: „Diese Entwicklung beobachten wir mit zunehmender Sorge. Darin zeigt sich, dass der Umgangston in der Gesellschaft insgesamt rauer wird. Beleidigungen münden bisweilen in Hasskriminalität. Gerade im Internet war hier insbesondere während der Corona-Krise festzustellen, dass der Respekt gegenüber den Mitmenschen mitunter offenbar komplett verloren gegangen zu sein scheint. Dies ist umso bedenklicher, als die Verrohung der Sprache die Vorstufe zu körperlicher Gewalt sein kann!“

Eigentumsdelikte

Einen deutlichen Einfluss dürfte die Corona-Pandemie auf den Rückgang der Diebstahlsdelikte gehabt haben. Aufgrund der Lockdowns und der damit verbundenen Einschränkungen sowohl im Einzelhandel als auch im Hotel- und Gaststättengewerbe gingen die Diebstahlsdelikte um 1.098 Fälle (-20,5%) auf 4.263 Fälle zurück (BW: -15,2%). Diese Reduktion zeigte sich bei den Diebstählen in und aus Gaststätten bzw. Hotels (-118 Fälle), Verkaufsräumen (-129 Fälle), Ladendiebstählen (-92 Fälle) und Diebstählen aus Wohnungen (-83 Fälle) sehr eindrücklich. Außerdem war ein Rückgang der Diebstähle von Fahrrädern (-101 Fälle), an und aus Kfz (-185) und bei den Taschendiebstählen (-56 Fälle) zu verzeichnen. Schwere Diebstähle haben im Jahr 2020 um 645 Fälle (-27,2%) auf 1.723 Fälle abgenommen. Die Schadenshöhe (Vermögens-Schaden) für Geschädigte reduzierte sich dabei um 22,2% von 3,7 Mio. EUR auf 2,9 Mio. EUR.

Der deutliche Abwärtstrend der letzten Jahre hat sich auch beim Wohnungseinbruch weiter fortgesetzt. Hier wurde die Zahl von 229 Einbrüchen im Jahr 2019 mit 158 Fällen in 2020 nochmals signifikant unterschritten. Die Aufklärungsquote sank im vergangenen Jahr zwar von 37,1% im Vorjahr auf 27,2% in 2020, liegt damit aber immer noch über dem Landesschnitt von 24,1%. „Wohnungseinbruchdiebstähle sind für die Opfer besonders belastend, dringen die Täter doch in den Kernbereich der Privatsphäre ein. Hier zeigt unsere bereits in den vergangenen Jahren etablierte Schwerpunktsetzung nachhaltig Wirkung: die zielgerichtete Bekämpfung des Wohnungseinbruchs durch akribische und überregional vernetzte Ermittlungen einerseits und die Erhöhung des Kontrolldrucks, ergänzt durch polizeiliche Präventionsarbeit andererseits zeigen Wirkung“, so Polizeipräsident Uwe Stürmer.

So hat 2020 beispielsweise das Referat Prävention die Bevölkerung durch eine Reihe von Marktstand- und Baumarktaktionen über technische Sicherungseinrichtungen an Wohngebäuden informiert. Dass diese Bemühungen Erfolge erzielen beweist der Fakt, dass die Täter 2020 bei knapp der Hälfte aller Wohnungseinbrüche an den Sicherungen von Fenstern und Türen scheiterten, somit keine Beute machten und den Opfern das mulmige Gefühl erspart blieb, dass ein Fremder im eigenen Wohnbereich war.

Vermögens- und Fälschungsdelikte

In diesem Bereich war eine leichte Steigerung um 238 auf 6.357 Fälle (+3,9%) zu verzeichnen. Die Zunahmen beim Computerbetrug um 55 Fälle (+36,9%) auf 204 Fälle sowie beim Warenbetrug um 120 Fälle (+28,6%) auf 540 Fälle dürften ebenfalls auf das coronabedingt veränderte Konsumverhalten zurückzuführen sein.

Der sogenannte „Callcenter-Betrug“ ging im vergangenen Jahr im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ravensburg um 322 Fälle (-27,7%) auf 840 Fälle zurück, bewegt sich aber nach wie vor auf hohem Niveau. Davon entfielen 582 Fälle auf falsche Polizeibeamte und 78 Delikte auf Fälle, bei denen sich die Täter als angebliche Enkel der Senioren ausgaben. In 180 Fällen erfolgten durch Täter Gewinnversprechungen, um Senioren zur Herausgabe von Wertgegenständen zu bewegen. Obwohl die Gesamtzahl der Straftaten damit rückläufig war, erhöhte sich die Schadenssumme drastisch von 420.000 EUR auf 1,2 Mio. EUR. Dazu Polizeipräsident Stürmer: „Diese Form der Kriminalität ist äußerst niederträchtig! Insbesondere lebensältere Menschen, die ihr Hab und Gut zumeist hart erarbeitet haben, werden hier mit einem Schlag um Ihr Erspartes und so teilweise um Ihre finanzielle Existenz gebracht!

Kriminelle nutzen dabei das Vertrauen in die Polizei oder die Hilfsbereitschaft innerhalb der Familie schamlos aus. Hier kommt es darauf an, sowohl die Zielgruppe selbst, aber auch ihr familiäres Umfeld weiterhin über die Vorgehensweisen dieser gut organisierten Banden aufzuklären, um Schaden zu vermeiden. So nutzt das Polizeipräsidium Ravensburg aktuell die Kreisimpfzentren dazu, die Senioren, die dort geimpft werden, in den Wartebereichen mit anschaulichen Videospots über die perfiden Tricks der Abzocker aufzuklären und damit diese bevorzugte Opfergruppe gegen diese verabscheuungswürdigen Betrugsmaschen zu immunisieren. Wir dürfen hier nicht nachlassen, immer wieder auf die üblen Maschen dieser skrupellosen Verbrecher hinzuweisen! Dass wir damit vorsichtige Erfolge erzielen zeigt die Tatsache, dass von den im Jahr 2020 insgesamt 582 polizeilich bekanntgewordenen Fällen der „Falschen Polizeibeamten“ 532 Angerufene richtig reagierten und einfach auflegten, und die Taten somit im Versuchsstadium scheiterten.“

Rauschgiftkriminalität

Die registrierte Rauschgiftkriminalität war 2020 im zweiten Jahr in Folge leicht rückläufig; die Fallzahlen reduzierten sich im Vergleich zum Vorjahr um 122 Fälle auf 2.203 Straftaten. Die meisten Rauschgift-Ermittlungsverfahren wurden in Zusammenhang mit Cannabis und Amphetaminen geführt. Bei den neuen psychoaktiven Stoffen hat sich die Zahl der Ermittlungsverfahren im Jahr 2020 auf 77 nochmals erhöht (14 im Jahr 2018, 69 im Jahr 2019).

Politisch motivierte Kriminalität

Die Zahlen der politisch motivierten Kriminalität liegen aktuell noch nicht vor und werden zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht.

Tatverdächtigenstruktur

Obwohl die absolute Zahl der Straftaten deutlich rückläufig war, ist die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen bei der Gesamtzahl der Straftaten einschließlich Ausländerrecht mit 12.653 Tatverdächtigen gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen (+129 Tatverdächtige), was sich auch in der verbesserten Aufklärungsquote zeigt.  Der Anteil der Tatverdächtigen unter 21 Jahren (Kinder, Jugendliche und Heranwachsende) an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen betrug im Jahr 2020 21,8% (Vorjahr 23,0%, landesweit: 21,1%) und ist damit erneut zurückgegangen. Diese Abnahme spiegelt zum Teil auch die demografische Entwicklung wider. Die Tatverdächtigen unter 21 Jahren fallen hauptsächlich bei Rauschgift-, Körperverletzungs-, Sachbeschädigungs- und Diebstahlsdelikten auf.

Etwa 25% der tatverdächtigen Kinder, ungefähr 22% der tatverdächtigen Jugendlichen und ca. 18% der tatverdächtigen Heranwachsenden sind weiblich. Mädchen fallen überwiegend in den Deliktsbereichen des Ladendiebstahls (bei Jugendlichen rund 40%) und des Erschleichens von Leistungen (bei Jugendlichen etwa 43%) auf. Bei Sachbeschädigungen und der Straßenkriminalität machen weibliche Tatverdächtige unter 21 Jahren einen Anteil von unter 10% aus. Im Bereich des Raubes bzw. der räuberischen Erpressung und auch bei Tötungsdelikten liegt der Anteil der weiblichen Tatverdächtigen unter 21 Jahren bei praktisch null.

Senioren machen an der Gesamtzahl aller Tatverdächtigen einen Anteil von 9,4% aus. Sie waren überwiegend bei Gewalt gegen Personen, gegen Sachen (Sachbeschädigungen) und verbaler Gewalt  (Nötigungen, Bedrohungen, Beleidigungen) auffällig. Bei Straftaten gegen das Leben waren von insgesamt 25 Tatverdächtigen sechs Senioren.

Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen blieb 2020 im Vergleich zum Vorjahr annähernd konstant; er betrug gemessen an der Gesamtzahl aller Tatverdächtigen 35,3%. Auffällig ist jedoch, dass nichtdeutsche Tatverdächtige in bestimmten, teils schweren Deliktsgruppen deutlich überrepräsentiert sind. So ist beispielsweise der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger im Bereich der Gewaltkriminalität (42,4%), beim schweren Diebstahl (42,0%) oder bei der gefährlichen bzw. schweren Körperverletzung (42,5%) auffällig hoch.

Ausblick und Fazit

„Das vor uns liegende Jahr dürfte nochmals deutlich unter dem Einfluss der Corona-Pandemie stehen und statistisch betrachtet – wie 2020 auch – mit den Vorjahren deshalb nur eingeschränkt vergleichbar werden. Wenngleich Teilbereiche der insgesamt sehr positiven Kriminalitätsentwicklung auf die pandemiebedingte Verschiebung von Kriminalitätsfeldern zurückzuführen sein dürften und damit mutmaßlich nicht nachhaltig sein werden, ist beim Handlungsschwerpunkt Eigentumskriminalität eine mehrjährig positive und somit durchaus nachhaltige Entwicklung klar erkennbar, die verdeutlicht, dass unsere polizeiliche Bekämpfungskonzeption erfolgreich ist,“ bilanziert Polizeipräsident Uwe Stürmer. Und weiter: „Wir werden unseren Mix aus Prävention, Präsenz und Repression mit dem Ziel weiter fortführen, neben der Verbesserung der objektiven Sicherheitslage auch das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger zu stärken.

Neben einer Steigerung der polizeilichen Präsenz im öffentlichen Raum im Rahmen der personell möglichen Ressourcen („Polizei muss sichtbar sein“) gehört dazu auch die bestmögliche Gewährleistung einer hohen Ad-hoc-Interventionsfähigkeit („Schnell und schlagkräftig“) sowie die schnelle Aufklärung von schweren und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung in besonderem Maße beeinträchtigenden Straftaten („wer eine Straftat begeht, muss davon ausgehen, dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden“). Flankiert werden diese Ansätze durch eine intensive Präventionsarbeit, um zielgruppenorientiert über Kriminalitätsphänomene aufzuklären und Tipps zu geben, wie man durch richtiges Verhalten dazu beitragen kann, im Idealfall gar nicht erst Opfer einer Straftat zu werden.“

Der Polizeipräsident abschließend: „Unsere Aufgabe ist es, in diesen Zeiten mehr denn je, durch eine faktenbasierte und realistische Darstellung sowie eine fachkundige Interpretation der objektiven Kriminalitätslage darüber aufzuklären, wie es um die tatsächliche Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in unserer Region bestellt ist, und damit subjektive Eindrücke zu relativieren („Fakten statt Fakenews“). Hierzu wird das Polizeipräsidium noch im ersten Quartal einen umfangreichen Sicherheitsbericht mit Zahlen, Daten und Fakten des Jahres 2020 online stellen, um das Kriminalitätsgeschehen so transparent wie möglich abzubilden“.

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