Zuhören, hinschauen, mitnehmen: Mit rund 40 Terminen in 13 Tagen hat die Landtagsabgeordnete Anna Wiech, Bündnis 90/ Die Grünen, ihre Sommertour durch den Wahlkreis Ravensburg-Tettnang abgeschlossen. Von den Rathäusern der Wahlkreiskommunen über Unternehmen, Kliniken und Einsatzorganisationen bis hin zu Hospiz, Tierheim, Polizei und Justiz reichte das Programm. Im Mittelpunkt standen die Menschen vor Ort – und die Frage, was sie bewegt, wo Herausforderungen liegen und wo Politik konkret unterstützen kann.
„Drei intensive Wochen voller Begegnungen, Gespräche und Eindrücke liegen hinter mir. Ich bin vor allem unglaublich dankbar für die Offenheit und die Zeit, die mir so viele Menschen geschenkt haben“, sagt die grüne Landtagsabgeordnete. „Für mich ist es ein großes Privileg, als Politikerin hinter Türen schauen zu dürfen, hinter die man sonst nicht unbedingt kommt. Genau diese Einblicke sind für meine Arbeit in Stuttgart wichtig. Denn wer gute Politik machen will, muss die Lebensrealität der Menschen kennen.“
Politik für den ganzen Wahlkreis
Ein wichtiger Bestandteil der Sommertour waren die Antrittsbesuche bei Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der Kommunen im Wahlkreis. Gerade für einen ländlich geprägten Wahlkreis mit vielen kleineren Städten und Gemeinden sei der direkte Austausch unverzichtbar, betont Wiech. „Politik darf nicht nur aus der Perspektive von großen Städten wie Stuttgart, Freiburg oder Karlsruhe gedacht werden. Die Herausforderungen einer kleinen Gemeinde sind andere als die einer Großstadt. Wir brauchen Politik, die die Lebensrealität aller Menschen und aller Kommunen im Blick hat.“ Die Anliegen aus den Rathäusern nimmt Wiech mit nach Stuttgart – ebenso wie die vielen konkreten Impulse aus Unternehmen, Institutionen, Vereinen und Verbänden.
Gesundheit: vom Krisenfall bis zum würdevollen Lebensende
Als gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion lag ein besonderer Schwerpunkt der Sommertour auf dem Gesundheitssystem. Zahlreiche Gespräche mit Ärztinnen und Ärzten und Besuche bei der Oberschwabenklinik, beim DRK, in stationären Pflegeeinrichtungen und im Hospiz machten dabei deutlich, wie vielfältig die Herausforderungen sind. Auch die älteste Fachklinik für Frauen mit Suchterkrankung in Deutschland, die Fachklinik Höchsten, gehörte zum straffen Besuchsprogramm der Abgeordneten.
Ein Thema, das Wiech gesundheitspolitisch besonders beschäftigt, ist die Krisenresilienz des Gesundheitssystems. Hitzewellen, Dürre, Naturkatastrophen, Großschadenslagen oder ein möglicher Spannungsfall stellen auch die medizinische Versorgung vor neue Aufgaben. Die Gespräche zeigten: Viele Akteure sind gut vorbereitet und haben mögliche Krisenszenarien längst auf dem Schirm. Gleichzeitig müsse die Resilienz des Systems weiter gestärkt werden.
Besonders eindrücklich waren für Wiech die Gespräche zur psychischen Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen – unter anderem mit dem Kreisjugendring, der Telefonseelsorge, dem ZfP und Vertreterinnen und Vertretern des „Haus des Jugendrechts“. „Mir hat sich hierbei noch einmal sehr verdeutlicht, wie fragil diese Lebensphase ist. Wir brauchen ein starkes Netz, das auffängt, bevor aus einer Krise eine Katastrophe wird. Dazu gehören gute und niedrigschwellige Beratungsangebote, Prävention und vor allem auch ausreichend Therapieplätze.“
Auch das Thema eines würdevollen Lebensendes beschäftigte Wiech bei ihrer Tour. Bei Besuchen in Hospiz, stationären Pflegeeinrichtungen und einem Bestattungsunternehmen ging es um die Frage, wie Menschen am Ende ihres Lebens gut begleitet werden können – und wie Angehörige Unterstützung bei Abschied und Trauer erhalten.
Eine starke Region braucht eine starke Wirtschaft
Neben sozialen und gesundheitlichen Fragen stand auch die wirtschaftliche Entwicklung der Region auf der Agenda. Gespräche mit der WIR GmbH, der Arbeitsagentur, IHK, Kreishandwerkerschaft und dem Deutschen Gewerkschaftsbund zeichneten ein insgesamt positives Bild: Die Region ist nach wie vor wirtschaftlich privilegiert und verfügt über einen leistungsfähigen Mittelstand.
Gleichzeitig spüren auch die hiesigen Unternehmen die zunehmend unruhigen Zeiten. „Wir müssen uns für Klimaschutz und gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen. Aber wir müssen genauso dafür sorgen, dass unsere Wirtschaft stark aufgestellt ist. Denn eine leistungsfähige Wirtschaft schafft Arbeitsplätze und erwirtschaftet letztlich auch die Grundlage dafür, dass wir unsere Daseinsvorsorge finanzieren können“, so Wiech pragmatisch.
Beim Fachkräftemangel sieht sie insbesondere bei der Erwerbstätigkeit von Frauen noch großes Potenzial. Die landesweiten Kontaktstellen Frau und Beruf seien deshalb ein wichtiges Angebot, das auch künftig durch das Land unterstützt werden müsse. Gleichzeitig zeige sich: „Wer in unserer Region arbeiten möchte, hat nach wie vor gute Chancen. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass dieses Potenzial auch genutzt wird.“
Sicherheit, Justiz und gesellschaftliche Stabilität
Auch zahlreiche Themen, die nicht unmittelbar zu Wiechs gesundheitspolitischem Schwerpunkt gehören, waren Teil der Sommertour. So traf sie den neuen Leiter des Polizeipräsidiums Ravensburg, Renato Gigliotti, lernte die neue Direktorin des Amtsgerichts, Gabriele Butz, kennen und besuchte das Haus des Jugendrechts. „Ein funktionierendes Gemeinwesen braucht Sicherheit, eine starke Justiz und Menschen, die Verantwortung übernehmen. Deshalb wollte ich auch diese Bereiche auf meiner Tour berücksichtigen, um zu verstehen, wo vor Ort der Schuh drückt“, so Wiech.
Begegnungen, die bleiben
Zu den besonderen Eindrücken der Sommertour gehörten dabei auch Einblicke in Bereiche, die der Öffentlichkeit sonst kaum zugänglich sind – etwa der Besuch im geschlossenen Maßregelvollzug des ZfP. Gleichzeitig gab es Begegnungen, die aufgrund der besonderen Situationen vor Ort besonders berührten, wie im Kinderheim St. Johann in Zussdorf, wo Inklusion Tag für Tag gelebt wird oder beim Tierschutzverein Berg, wo ein Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen in Not geratene Tiere versorgt und sie in ein neues Zuhause vermittelt.
Auch die direkten Begegnungen mit Bürgerinnen und Bürgern waren ein wichtiger Teil der Sommertour. Beim Bürgerdialog auf dem Weingartener Wochenmarkt, beim Gartengespräch in der Grünen Geschäftsstelle und bei weiteren Veranstaltungen des Grünen Kreisverbands kam Wiech mit vielen Menschen ins Gespräch. „Politik lebt vom Austausch. Ich möchte wissen, was die Menschen beschäftigt, welche Ideen sie haben und wo sie sich von Politik mehr Unterstützung wünschen. Deshalb war es mir wichtig, nicht nur Institutionen und Organisationen zu besuchen, sondern ganz bewusst auch direkt mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen.“
Nach 40 Terminen in 13 Tagen fällt Wiechs Fazit entsprechend positiv aus: „Ich habe unglaublich viele engagierte Menschen getroffen – in Unternehmen, Kommunen, Vereinen, Verbänden, Initiativen und im Ehrenamt. Menschen, die sich mit Fachwissen, Zeit und Herzblut für ihre Region einsetzen. Diese Energie nehme ich mit. Ich gehe mit vielen Ideen, Anregungen und auch einigen Hausaufgaben zurück nach Stuttgart. Jetzt geht es darum, die Impulse aus dem Wahlkreis in meine parlamentarische Arbeit einzubringen. Denn gute Politik beginnt für mich damit, zuzuhören und hinzuschauen. Und eine starke Region entsteht dort, wo wir gemeinsam Verantwortung übernehmen.“

