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Erstmals mehr als 7.000 Beschäftigte in Forschung und Entwicklung

Bild: Kim Enderle

Gemäß der Erhebung des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft beschäftigten die Unternehmen in der Region Bodensee-Oberschwaben im Jahr 2019 insgesamt 7.133 Personen (Vollzeitäquivalente) in Forschung und Entwicklung. Gegenüber dem Jahr 2017 stellt dies eine Zunahme von fast 20 Prozent dar. Dr. Sönke Voss, Leiter Bereich IT, Innovation und Technologie der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK), weist auf die herausragende Bedeutung von Forschung und Entwicklung für den regionalen Wirtschaftsstandort hin: „Wir befinden uns angesichts globaler Megatrends von der Digitalisierung über Nachhaltigkeit bis hin zur Mobilität der Zukunft in einer Phase der Transformation. Die Unternehmen investieren mit Weitsicht in Innovationen und bauen Personal für Forschung und Entwicklung auf.“

Andererseits wirken weiterhin strukturelle Faktoren wie eine übermäßige Bürokratie oder eine mangelnde Breitband- und Mobilfunkversorgung belastend und hemmen die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft. Im bundesweiten Innovationsreport 2020 des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) nannten von den befragten Unternehmen 63 Prozent hohe bürokratische Anforderungen sowie 57 Prozent eine mangelnde Breitband- und Mobilfunkversorgung als einschränkende Faktoren bei Innovationsaktivitäten. Dazu Voss: „Wir können dies nicht hinnehmen. Die Hemmnisse müssen schnell und wirksam beseitigt werden, damit die Unternehmen die Phase der Transformation erfolgreich durchlaufen und sich im internationalen Wettbewerb Marktanteile sichern können. Dafür braucht es die Anstrengung seitens Politik und Verwaltung unter Einbindung der Wirtschaft. Als IHK machen wir uns gemeinsam mit den Unternehmen unter anderem dafür stark, dass die künftige Regulierung künstlicher Intelligenz oder die neuen Vorschriften für Maschinen nicht zu einem bürokratischen Kraftakt für Unternehmen werden. Zudem setzen wir uns für ein innovatives Modell bei den künftigen Frequenzvergaben für den Mobilfunk ein, welches eine flächendeckende Versorgung auch des ländlichen Raums sicherstellen soll.“

Voss macht in diesem Zusammenhang die hervorragende Ausgangssituation in der Region Bodensee-Oberschwaben deutlich: „Der regionale Branchenmix aus Produktions- und Mobilitätstechnologien, Elektronik, Pharma- und Gesundheitswirtschaft stellt die ideale Basis für eine erfolgreiche Positionierung in den wichtigen Zukunftsfeldern dar. Die Unternehmen kooperieren im Landesvergleich überproportional, die Hochschulen bilden am Bedarf der Wirtschaft orientiert aus und kooperieren mit Unternehmen. Das Unterstützungsangebot aus Beratung, Netzwerken und Innovationszentren ist optimal aufeinander abgestimmt. Mit einem im Zuge des RegioWIN-Wettbewerbs durch das Land prämierten regionalen Entwicklungskonzept haben sich die Stakeholder im regionalen Innovationssystem auf gemeinsame Ziele verständigt. Nun sind vor allem EU und Bund am Zug und müssen ihren Ankündigungen für optimale Rahmenbedingungen und Bürokratieabbau weitere Taten folgen lassen.“

Als positives Beispiel für den Abbau struktureller Hemmnisse führt Voss eine auf Anregung der IHK Bodensee-Oberschwaben und weiterer Akteure von der EU-Kommission angebotene Online-Datenbank zu Produktvorschriften in den EU-Mitgliedstaaten an. Dadurch könnten Unternehmen seit einigen Jahren viel leichter als zuvor die sie betreffenden Vorschriften ermitteln. Wo immer sinnvoll, sollten Politik und Verwaltung derartige digitale und vernetzte Hilfsmittel für Unternehmen bei der Gesetzgebung mitdenken, so Voss.

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