rv-news.de
Top-Thema

„Aufbruch“ im Museum Humpis-Quartier

Das "Schaudepot" im neuen Teil der Dauerausstellung. Bild: Wynrich Zlomke

Zum Start der Neukonzeption eröffnet das Museum Humpis-Quartier einen Ausstellungsbereich zum 19. Jahrhundert, das Projekt „Museum Kollektiv“ und das Schaudepot mit Museumswerkstatt.

- Anzeige -



Mit der Eröffnung des ersten neu gestalteten Bereichs der Dauerausstellung „Aufbruch in die Demokratie“ beginnt im Museum Humpis-Quartier die schrittweise Neukonzeption. Bis 2029 werden neue Themen, Epochen und Exponate ergänzt und die Dauerausstellung sukzessive erneuert. Das Museum bleibt während des gesamten Umbaus unter dem Motto „Museum in Transformation“ geöffnet und lädt dazu ein, den Wandel des Hauses aktiv mitzuerleben. Ziel der Neukonzeption ist die Weiterentwicklung des Museums hin zu einem Stadtmuseum, das die Ravensburger Stadtgeschichte und ihre Bevölkerung noch stärker in den Mittelpunkt stellt.

„Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende der Weimarer Republik war auch für Ravensburg eine Zeit großer gesellschaftlicher Veränderungen. Die württembergische Oberamtsstadt wuchs über ihre Stadtmauern hinaus, Industrialisierung und Bevölkerungswachstum brachten Neuerungen mit sich und stießen Entwicklungen an. Wir richten den Blick auf die Bedingungen, die gesellschaftliche und politische Teilhabe ermöglichten oder verhinderten. Diese Fragestellung wird sich als roter Faden durch die weiteren Abschnitte der neuen Dauerausstellung zur Stadtgeschichte des 20. Jahrhunderts ziehen“, erklärt Museumsdirektorin Sabine Mücke.

Aufbruch in die Demokratie 1848 – 1918
Der erste Teil der neuen Dauerausstellung widmet sich den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Ausgehend von den Forderungen nach Teilhabe und Mitbestimmung während der Revolution von 1848 spannt der Ausstellungsbereich den Bogen über das Kaiserreich bis zur Weimarer Republik.

Thematisiert werden die Entwicklung demokratischer Ideen und politischer Rechte, die Herausbildung des modernen Verfassungsstaats sowie die Einführung des allgemeinen Wahlrechts und des Frauenwahlrechts. Zugleich werden die Widersprüche und Brüche dieser Zeit sichtbar gemacht. Im Fokus steht dabei die Frage, wie sich die großen politischen Entwicklungen vor Ort in Ravensburg niederschlugen und wie Bürgerinnen und Bürger das städtische Leben mitgestalteten.

Museum Kollektiv – Partizipation Ravensburger Vereine
Ein wichtiger Bestandteil des neuen Ausstellungsbereichs ist das partizipative Projekt „Museum Kollektiv“. Gemeinsam mit dem Turn- und Sportbund 1847 Ravensburg e.V. (TSB) und der Freiwilligen Feuerwehr Ravensburg gibt das Projekt Einblicke in das Vereinswesen und ehrenamtliche Engagement in Ravensburg. Beide Vereine wurden in der Zeit der Revolution von 1848 gegründet und stehen beispielhaft für die Bedeutung von Zusammenschlüssen engagierter Bürgerinnen und Bürger.

Das Projekt, das sich vorrangig aus den Archiven und Forschungen der Vereine speist, ergänzt die historische Darstellung um Fragen aus heutiger Perspektive: Welche Rolle spielen Vereine heute? Wie prägen sie gesellschaftliches Zusammenleben, demokratische Teilhabe und bürgerschaftliches Engagement?

„Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut sich in der Turn- und Sportgeschichte die prägenden Entwicklungen des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erkennen und darstellen lassen.“, so Ulrich Feßler, seit 53 Jahren Mitglied des TSB Ravensburg und im AK Vereinsgeschichte aktiv. „Sei es die Entwicklung zu einer bürgerlichen Gesellschaft, die Geschlechteremanzipation, die Demokratieentwicklung, der übersteigerte Nationalismus nach der Reichseinigung 1871 oder die Rolle der Turnbewegung in der nationalsozialistischen Diktatur. All diese Entwicklungen und Ereignisse fanden eben auch in den Ravensburger Turn- und Sportvereinen ihren meist direkten, konkreten und persönlichen Niederschlag.“ Das Projekt „Museum Kollektiv“ wird vom Innovationsfonds Kunst Baden-Württemberg gefördert.

Blick hinter die Kulissen: Das neue Schaudepot
Parallel zur Neugestaltung der Dauerausstellung entsteht das Schaudepot mit Museumswerkstatt. Hier macht das Museum seine Arbeit hinter den Kulissen sichtbar. Besucherinnen und Besucher können sehen, wie Objekte ins Museum gelangen, dokumentiert und in die Sammlung aufgenommen werden. Wechselnde Exponate aus den Beständen sowie interessante Neuzugänge werden künftig im Schaudepot im Erdgeschoss gezeigt. Passend zum neuen Bereich der Dauerausstellung werden zunächst Objekte aus dem 19. und 20. Jahrhundert gezeigt, die beispielsweise im Kontext der Industrialisierung stehen.

Die zukünftige Museumswerkstatt bietet außerdem Raum für Schulklassen und verschiedene Vermittlungsformate. Beim direkten Arbeiten mit den Museumsobjekten können insbesondere Schülerinnen und Schüler Museumsarbeit kennenlernen und ihren Blick auf Geschichte schärfen.