Vom 29. Juli bis 2. August 2026 wird der Kaseshof in Geratsreute erneut zur Bühne für Musik, Kabarett und Begegnung. Das Programm des Einhaldenfestivals verbindet internationale Klangwelten, regionale Verwurzelung, generationsübergreifende Projekte sowie Künstlerinnen und Künstler, die sich bewusst zwischen den Genres bewegen.
Mit einer Filmpremiere beginnt das Einhaldenfestival in diesem Jahr bereits am Mittwochabend. Gezeigt wird „Soulfood Balkan Style“, ein Dokumentarfilm über das Ensemble Foaie Verde. Bevor der Film im Open-Air-Kino auf der Festivalwiese zu sehen ist, steht die Band selbst auf der Bühne. Ihre Musik verbindet rumänische Folklore mit bulgarischen und türkischen Einflüssen, rasante Instrumentalpassagen mit ruhigen Momenten. Dieser Auftakt deutet auch gleich die programmatische Richtung des Festivals an: Im Mittelpunkt stehen nicht einzelne Genres, sondern Menschen, musikalische Geschichten und inspirierende Begegnungen.
Zwischen Balkan-Folk, Jazzlabor und Astropunk
Das musikalische Spektrum des Festivals reicht in diesem Jahr von Weltmusik über Jazz und Rock bis hin zu Salonmusik. Mit einer exklusiven Sneak Preview auf ihr neues Programm „Klar Schiff!“ eröffnet die Formation Berta Epple den Donnerstagabend. Die Musiker Bobbi Fischer sowie Veit und Gregor Hübner gehören zu den Mitgründern des Festivals. Das Publikum ihres „Heimathafens“ ist schon sehr gespannt, wie sie auf ihrer großen Fahrt diesmal Weltmusik mit komischer Note versehen.
Einen besonderen Schwerpunkt setzt der Freitag mit dem Jubiläumskonzert „60 Jahre Joo Kraus“. Der Trompeter, der sich seit Jahrzehnten stilistischen Zuordnungen entzieht, bringt für diesen Abend eine ungewöhnliche Mixtur an Musikern zusammen. Mit seinen Best-Buddies vom Tales in Tones Trio hat sich Joo Kraus schon immer gerne auf Experimente eingelassen. Denn mit ihnen versteht er sich blind. Mit dem Sirius Quartet kommt noch ein Streichquartett der Extraklasse hinzu. In diesem „Musik-Labor“ dürfte es zu unberechenbaren Reaktionen kommen.
Late-night: Junge Bands mit alternativen Sounds
Auch die späten Festivalstunden gehören der Musik. Die Hamburger Band Junokill stellt ihr 2025 erschienenes Album „Mimicry“ vor und bewegt sich dabei zwischen Synthesizern, Gitarren, Streichern und mehrstimmigem Gesang. Die Gruppe beschreibt ihren Stil selbst als sanften „Astropunk“ – eine Klangwelt, die Intimität und Widerständigkeit miteinander verbindet. Mit Pitschy aus Schmalegg und Final Line aus Biberach sind außerdem zwei jüngere Alternative-Rock-Bands vertreten, die das Einhaldenfestival in Kooperation mit dem Popbüro Bodensee-Oberschwaben auf die Open-Air-Bühne bringt.
Künstlerische Verbindungen statt fertiger Schubladen
Auffällig ist, wie viele der eingeladenen Künstlerinnen und Künstler sich festen Kategorien entziehen. Das zeigt sich u.a. bei Komponist und Pianist Ralf Schmid, der bereits beim ersten Einhaldenfestival 2004 mit am Start war und der in diesem Jahr sein neustes Projekt mitbringt, das Soil Music Collective. Dessen Spirit passt perfekt zur Gründungsidee des Einhaldenfestivals, denn es geht darum, Kultur und Agrikultur zu verbinden und darum, die Aufmerksamkeit auf den Boden als die Grundlage unseres Lebens zu richten. Musikalisch entsteht dabei ein Geflecht aus Soundscapes, Grooves und improvisierten Momenten.
Kabarett zwischen Alltag, Generationen und gesellschaftlichen Fragen
Neben Musik bleibt Kabarett ein prägender Teil des Festivals. Mit Michl Müller kommt am Donnerstagabend einer der bekanntesten fränkischen Kabarettisten nach Geratsreute. In seinem Programm „Limbo of Life“ tanzt er humorvoll durch die Widersprüche des Alltags und verbindet direkte Komik mit nachdenklicheren Tönen.
Am Samstagabend treten Toni und Max Uthoff, zwei Menschen unterschiedlicher Generationen und verschiedener Geschlechteridentität (Vater/Tochter) an, um zu erklären, warum hier „Einer zuviel“ ist. Angeregt von familiären und gesellschaftlichen Streitfragen entwickelt sich ein Dialog zwischen Zynikern der Gen X und Gen Z. Und wir schauen nicht bloß zu.
Ein Festival für mehrere Generationen
Von Beginn an war das Einhaldenfestival ein Kultur-Event für die ganze Familie. Diesem Konzept bleiben die Organisatoren treu. Am Samstagnachmittag übernimmt in diesem Jahr das Liedertheater von Vladi und Christof Altmann. Bei „Wenn der Maulwurf Tango tanzt“ wird gesungen, getanzt und mitgemacht.
Direkt anschließend lädt Patrick Bopp zum offenen Mitsing-Projekt „Aus voller Kehle für die Seele“ ein. Hier wird das Publikum selbst zum Chor. Nicht musikalische Perfektion steht im Mittelpunkt, sondern die Freude am gemeinsamen Singen.
Den traditionellen Abschluss bildet am Sonntag die Matinée des Heinz-Hübner-Salonorchesters. Das gut 20-köpfige Ensemble studiert sein Repertoire eigens für das Festival ein. Walzer, Operettenlieder sowie Schlager der 1920er- und 1930er-Jahre sorgen für sonntäglich beschwingte Stimmung.
Kultur auf dem Land als gelebte Praxis
Den Schlusspunkt setzt die Scheunenrunde am frühen Sonntagnachmittag, bei der wie immer ein Thema aus der bäuerlichen Landwirtschaft ins Zentrum rückt. In diesem Jahr dreht sich hier alles um die Walnuss in Oberschwaben. Walnussöler Thomas Büttner vom Albtrauf sieht in dieser alten Frucht eine große Zukunft. Er wird uns erklären warum und stellt uns seine Ölmühle vor.
Wer noch tiefer ins Thema einsteigen will, ist zur Exklusion am Vortag eingeladen. Mit dabei u.a. Thomas Hübschle von der JVA Bettenreute, wo eine neue Nuss-Knacklinie und Ölmühle entstanden ist, Dr. Ulrich Mayr vom Kompetenzzentrum Obstbau Bavendorf und Ulfried Miller vom BUND Bodensee-Oberschwaben.
Eckdaten
Einhaldenfestival 2026
29. Juli bis 2. August 2026
Kaseshof, Geratsreute 7, 88273 Fronhofen
www.einhaldenfestival.de
Ticket-Vorverkauf: online bei ReserviX (www.reservix.de) sowie in der Tourist Information Ravensburg (Mo-Sa, Tel. 0751 / 8 28 00), im Hofladen der Familie Gebhard in Zußdorf (Fr+Sa) und an allen üblichen Vorverkaufsstellen.
Frei ist der Eintritt am Samstagnachmittag (Liedertheater + Singen für Alle) und am gesamten Sonntag zu Weißwurstfrühstück mit Salonorchester und Scheunenrunde.


