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Corona lässt regionale Konjunktur abstürzen

Archivbild: F.Enderle

Nachdem sich die Konjunktur nach ersten Anzeichen einer Abschwächung in 2019 Anfang 2020 stabilisiert hatte, hat das Covid-19-Virus für eine schwere Zäsur gesorgt. „Es war zu erwarten, aber nun sprechen auch die Zahlen eine deutliche Sprache: Die Corona-Pandemie lässt unsere heimische Konjunktur abstürzen und treibt die Wirtschaft in eine tiefe Krise“, zeigt sich Martin Buck, Präsident der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK), sehr besorgt über die aktuellen IHK-Konjunkturumfrageergebnisse. Ähnlich wie in der schweren Krise 2008/2009 kam der Einbruch schlagartig und unerwartet für die regionalen Unternehmen – auch wenn damals die Ursachen ganz andere waren und auch nicht alle Branchen betroffen waren, so wie bei der jetzigen Corona-Krise.

IHK-Präsident Martin Buck. Bild: IHK/Lorenz Bee

Noch beurteilen laut IHK-Umfrage 66 Prozent der Unternehmen in der Region ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend. „Rund einem Drittel (34 Prozent) geht es aber nach eigenen Angaben schlecht. Das ist ein gewaltiger Einbruch gegenüber unserer letzten Umfrage im Januar dieses Jahres“, so Buck. Vor der Krise waren in der Region noch über 90 Prozent der Unternehmen mit ihrer Geschäftslage mindestens zufrieden und nur 9 Prozent beklagten laut IHK-Umfrage eine schlechte Geschäftslage. „Die Umsätze sind massiv eingebrochen: Sechs von zehn Betrieben berichten von Umsatzrückgängen, nur noch jeder fünfte konnte Steigerungen erzielen. Das hat der Ertragslage einen spürbaren Dämpfer versetzt“, so Buck.

Wie auch immer die Krisen heißen: Corona oder Klima – wir müssen als deutsche Wirtschaft schnell und unbürokratisch agieren können, um wirklich wirksame Lösungen zu schaffen und uns am Markt behaupten zu können.“

Martin Buck, Präsident IHK Bodensee-Oberschwaben

Und auch die Zukunftsaussichten sind trübe. Durch die schlechte Auftragslage blicken die Unternehmen skeptisch nach vorne:  44 Prozent rechnen sogar mit einer weiteren Verschlechterung des Fortgangs ihrer Geschäfte und weitere 42 Prozent meinen, das erreichte Krisenniveau bleibe bestehen. Nur 14 Prozent haben die Hoffnung, das derzeitige Tal überwunden zu haben, und rechnen wieder mit besseren Geschäften.

Einzelhandel und Gastronomie zeigen sich durch die Schließungen besonders krisengeschüttelt. Aber auch die Industrie kämpft mit massiven Einbrüchen, insbesondere im Exportgeschäft, und die Unternehmen gehen nicht davon aus, dass sich das schnell ändern wird. „Die Industriebetriebe der Region Bodensee-Oberschwaben verdienen mehr als jeden zweiten Euro im Ausland. Der Ausfall der Exporte und die düsteren Aussichten wirken sich katastrophal auf die Schlüsselbranche Industrie aus,“ sagt Buck und fordert deshalb dringend alle politischen Kräfte auf, abgesehen von den Hilfspaketen, die Strukturen und Rahmenbedingungen so zu verbessern, dass die Wirtschaft Erleichterungen erfährt. „Wir brauchen gerade jetzt einen starken, sicheren und regelbasierten EU-Binnenmarkt. Die Bundesregierung sollte sich dafür einsetzen, den freien Verkehr aller Waren, Dienstleistungen und Arbeitskräfte so schnell wie möglich wieder zu gewährleisten. Und vielleicht das Allerwichtigste: Egal, was angepackt wird, darüber muss die Prämisse des minimalen bürokratischen Aufwands stehen“, appelliert Buck.

Die IHK-Konjunkturumfrage zeigt auch, dass angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen und Unsicherheiten die Unternehmen ihre Investitionspläne aktuell stark zurückgefahren haben. Nur noch jedes zehnte Unternehmen plant steigende Investitionen, rund ein Drittel der Unternehmen möchte noch an seinem Investitionsniveau festhalten, 35 Prozent planen mit weniger und 20 Prozent gar keine Investitionen. „Vor allem bei den Investitionen kann politisch etwas bewegt werden“, findet IHK-Präsident Buck und begrüßt die Impulse bei öffentlichen Investitionen und der Digitalisierung der Verwaltung, wie sie im Konjunkturpaket der Bundesregierung festgelegt wurden. Positiv und zukunftsgerichtet bewertet er auch die Investitionsanreize, die von der degressiven Abschreibung und der ausgeweiteten Forschungsförderung ausgehen.

Die Corona-Krise schüttelt auch die Risikoeinschätzung der Unternehmen durcheinander: Besondere Risiken sehen die Unternehmen jetzt zunehmend in der In- und Auslandsnachfrage. Ehemals Spitzenreiter, rangiert der Fachkräftemangel nur noch auf Platz 4. Dadurch unterscheiden sich auch die Beschäftigungspläne gewaltig von denen aus der Vor-Corona-Zeit: 38 Prozent der Unternehmen wollen Personal reduzieren, nur 8 Prozent suchen neue Mitarbeiter, immerhin 54 Prozent wollen am Personalbestand nichts ändern. „Sobald die Wirtschaft wieder anspringt, wird der Fachkräftemangel wieder zum Bremsklotz und in den Fokus rücken. Alle Maßnahmen, die helfen, den Fachkräftebedarf zu decken, bleiben also richtig und notwendig“, gibt Buck zu bedenken.

„Die Kurzarbeit ist ein gutes Instrument, um die Krise auch im Sinne unserer Beschäftigten halbwegs abzufedern. Die Lage ist sehr ernst. Aber ich bin auch davon überzeugt, dass unser regionaler Mittelstand alle Mittel und Wege nutzen wird, um auch diese besondere Situation meistern zu können. Schließlich ist die Region für ihren Erfindergeist bekannt und die Unternehmen werden die richtigen Ideen entwickeln. Der Wille und auch das Verantwortungsgefühl dem eigenen Unternehmen und den eigenen Mitarbeitern gegenüber nehme ich bei meinen Unternehmerkolleginnen und -kollegen dabei als die große Motivation, nach vorne zu schauen, wahr“, zeigt sich IHK-Präsident Martin Buck zuversichtlich.