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Wirtschaft und Business

Weiterbildung ist für viele ein Thema

Archivbild: F.Enderle

Weiterbildung und Qualifizierung sind wichtige Instrumente, die sich in Krisenzeiten gut bewährt haben. Dass auch in der Corona-Pandemie Arbeitgeber und Mitarbeitende auf Weiterbildung setzen, zeigte die große Nachfrage beim vierten virtuellen Karrieretag der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK). Fast 90 Teilnehmer nutzten die digitale Informations- und Austauschplattform, um sich über die vielfältigen Qualifizierungs- und Fördermöglichkeiten zu informieren. „Wir möchten, dass Sie eine gute Entscheidungsgrundlage für Ihre Weiterbildung haben“, sagte Jürgen Schatz, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Weiterbildung, in seiner Begrüßung. „Es geht um Geld und auch um Ihre Zeit, die Sie investieren.“ Unter dem Motto „Orientieren, weiterbilden und fördern lassen“ wurde der Karrieretag in drei Durchgängen mit jeweils drei Themenblöcken durchgeführt.

Gleich zu Beginn vermittelte Jürgen Schatz einen strukturierten Überblick mit Orientierungshilfe in Sachen Weiterbildung und informierte über die Differenzierung von Weiterbildungsmöglichkeiten mit und ohne öffentlich-rechtlichen Abschluss. Während erstere auf einer Rechtsgrundlage basieren und die Absolventen – vom Fachberater bis zum Technischen Betriebswirt – nach erfolgreicher Prüfung ein Abschluss-Zeugnis erhalten, handelt es sich bei Qualifizierungen ohne öffentlich-rechtlichen Abschluss um Anpassungsfortbildungen ohne Rechtsgrundlage, aber mit bundeseinheitlichen IHK-Qualitätsvorgaben. Die Teilnehmer erhalten nach Kursende ein IHK-Zertifikat oder eine Teilnahmebescheinigung. Der Begriff Zertifikat sei nicht geschützt, gab Schatz zu bedenken. Das IHK-Zertifikat aber basiere auf bundeseinheitlichen Qualitätsvorgaben. „Unser Zertifikat erhalten nur Teilnehmende, die mit einer 80-prozentigen Mindestanwesenheit an 50 Unterrichtseinheiten teilgenommen und zum Abschluss einen Leistungsnachweis erbracht haben.“

Für Weiterbildungsmaßnahmen gebe es verschiedene Durchführungsformen, informierte Schatz weiter und verwies auf Vollzeit- und berufsbegleitende Lehrgänge oder Blockmodelle mit Präsenz, im Blended-Learning-Modell mit Online-Anteilen und rein digitale Lernformen. Auch das Fernlernen biete mit Fernstudium oder Fernlernbriefen eine gute Möglichkeit für berufsbegleitende Qualifizierungen. „Die Bereitschaft, lebenslang zu lernen, zahlt sich aus“, appellierte Schatz an die Teilnehmenden und verwies auf Erhebungen, die für Hochschul- und Weiterbildungsabsolventen vergleichbare Lebenseinkommen ausweisen. Dabei spiele es keine Rolle, ob es sich um eine vom Arbeitgeber veranlasste betriebliche Weiterbildung oder Inhouse-Schulung handle oder um eine persönliche berufliche oder berufsbezogene Weiterbildung.

Über das System der höheren Berufsbildung der IHK sowie vielfältige finanzielle Fördermöglichkeiten informierte Klaus Giesinger, IHK-Teamleiter Prüfungslehrgänge. In den Kursangeboten werde sowohl kaufmännisches-verwaltendes als auch gewerblich-technisches Wissen für Spezialisten und Branchenkenner vermittelt. Mit einem Abschluss auf Meisterebene beispielsweise könne ein Hochschulzugang erworben werden, sagte Giesinger und verwies auf den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR). Dieser beschreibt acht Kompetenzniveaus, denen sich die Qualifikationen des deutschen Bildungssystems zuordnen lassen und die eine gute Vergleichbarkeit mit dem Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) ermöglichen. Dass berufliche Weiterbildung sich auszahle, so Giesinger, zeige zudem eine vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag im Jahr 2018 durchgeführte Umfrage, in der zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) von positiven Effekten und 11 Prozent von einer erhöhten Arbeitsplatzsicherheit berichten. 85 Prozent bestätigten einen persönlichen Profit und gaben an, sie würden die gleiche Weiterbildung noch einmal machen.

Über Seminare, Zertifikatslehrgänge, E-Learning und Inhouse-Projekte sowie die damit verbundenen Möglichkeiten zum Erwerb von Überqualifikationen, sprach Boris Selimovic, IHK-Teamleiter Seminare und Projekte. Die Anpassungsweiterbildungen machten einen „sehr flexiblen Bereich der Weiterbildung“ aus. „Sie erhalten neue Impulse für Ihr Tagesgeschäft, trainieren Ihre Fertigkeiten, vertiefen und spezialisieren Ihr Wissen.“ Die Seminare (Laufzeit: ein Tag bis drei Tage), für die es als Abschluss Teilnahmebescheinigungen gibt, bieten eine große Themenvielfalt. Zudem bestehe die Möglichkeit, über einzelne Seminare Kompetenzpakete zusammenzuschnüren. Die Zertifikatslehrgänge (Laufzeit: 50 Unterrichtseinheiten) mit einem IHK-Zertifikat als Abschluss seien Bindeglied zwischen der höheren Berufsbildung und den Seminaren, so Selimovic weiter. Sie seien ideal, um berufliche Akzente zu setzen, vorhandenes Wissen zu vertiefen oder sich zu spezialisieren. Auch Projektarbeiten in Betrieben sind möglich. Bildungsangebote nach Maß seien Inhouse-Projekte (Laufzeit: ein halber Tag bis mehrere Monate), so Selimovic weiter. Sie werden nach Kundenwunsch konzipiert, finden beim Kunden, in ausgewählten Locations, bei der IHK oder auch digital statt, sind geeignet für Gruppen ab etwa fünf Mitarbeitenden und es gibt nahezu keine Einschränkungen beim Thema. Allen Qualifizierungsmaßnahmen gemeinsam ist die große Praxisnähe. „Die Themen kommen aus der regionalen Wirtschaft und damit aus der Praxis für die Praxis.“

Im Nachgang zu den Vorträgen konnten die Teilnehmer eine individuelle Weiterbildungsberatung vereinbaren. Außerdem wurde unter allen Karrieretag-Teilnehmenden ein Gutschein in Höhe von 1.000 Euro zur Anrechnung für einen Lehrgang bei der IHK-Bodensee-Oberschwaben verlost. Dass der virtuelle Karrieretag gut ankam, zeigte schon die rege Chattätigkeit neben den Vorträgen. Großes Lob gab es für die „wertvollen und informativen Folien“ sowie die „übersichtliche und verständliche Vermittlung“.