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Von der späten Reue, geraucht zu haben 

„Heute ist man als Raucher ein Außenseiter. Raucher sind nicht mehr die Mehrheit, das heißt, die Raucher müssen sich an uns anpassen. Raucher wurden ausgeschlossen“, eröffnet Professor Dr. Günther Wiedemann, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Ravensburger EK,  die Präventionsveranstaltung gegen das Rauchen für Jugendliche des Albert-Einstein-Gymnasiums Ravensburg.

Zwar zeigt die Statistik laut Prof. Wiedemann, dass Rauchen zunehmend „uncooler“ wird, Entwarnung gibt es allerdings nicht. Noch zu oft überwiegt das Verlangen nach dem kurzzeitigen Glücksgefühl, welches das Rauchen vermittelt, dann siegt die Sucht. Was deutlich zugenommen hat, ist das Rauchen von E-Shishas und E-Zigaretten, berichtete der Chefarzt den jungen Zuhörern. „Jeder fünfte raucht Shisha, und die Umsätze bei E-Zigaretten weisen steil nach oben“, sagte Prof. Wiedemann. Das Dampfen sei bisher wenig wissenschaftlich untersucht worden. Aber der erfahrene Internist weiß, „das Dampfen ist mindestens genauso gefährlich wie das Rauchen“.

110 Siebt- und Achtklässler des Ravensburger AEG waren an diesem Vormittag zu Gast im St. Elisabethen-Klinikum. Tags zuvor haben bereits 100 Schüler des Bildungszentrums Markdorf die Veranstaltung verfolgt. „Das Rauchen ist das eine“, so Professor Wiedemann, „oft kommt man über das Rauchen jedoch in Kontakt mit anderen Genussmitteln wie Alkohol, Cannabis und härteren Drogen“.

Professor Wiedemann ist überzeugt:  „Die üblichen Anti-Raucherkampagnen lassen die meisten Jugendlichen kalt. Wir machen das anders“. Er stellt Hannah Eisele vor. Hannah ist 15 Jahre alt und geht in die 9. Klasse am Welfengymnasium in Ravensburg. Motiviert, den Jugendlichen die Gefahren des Rauchens näher zu bringen, ist Hannah durch eine ganz persönliche Vorgeschichte in ihrer Familie. Beide Großeltern sind an Lungenkrebs gestorben. „Ich habe was gegen das Rauchen“, erzählt sie.

Sie stellt den Patient Herrn G. vor, der mit 19 Jahren begonnen hat zu rauchen.  Nach unzähligen Versuchen, der Sucht zu widerstehen, hatte er es endlich nach 34 Jahren geschafft, dem Rauch zu entsagen. Kaum ein halbes Jahr später wurde bei ihm eine schwere Erkrankung diagnostiziert. Heute, persönlich auf dem Weg der Besserung, ist es ihm ein Anliegen den Jugendlichen seine Lebensgeschichte mit auf den Weg zu geben.

Ob er auch ein Glücksgefühl empfunden habe möchte Hannah wissen. „Je mehr ich geraucht habe, desto höher war für mich das Glücksgefühl in dem Moment und dann kam die Sucht“, erzählt der Patient. Er habe immer wieder vergeblich versucht, aufzuhören. „Jeden Abend bis zum nächsten Morgen“, so Herr G.. Seit vier Jahren rauche er nun nicht mehr. Er rechnet den jungen Erwachsenen auch den monetären Aspekt vor. Er habe in diesen vier Jahren 13 000 Euro eingespart, das entspräche 37 000 Zigaretten, zeigt ihm eine App am Smartphone. Vom Laster befreit habe er ein halbes Jahr später zunehmend an Luftnot gelitten, besonders beim Sport. Dann die Diagnose, Sarkoidose, eine systemische Erkrankung des Bindegewebes mit Granulombildung. Heute ist er in Behandlung und auf dem Weg der Besserung, froh, seine Abhängigkeit überwunden zu haben.

Schwere Folgen des Rauchens sind Krebs, Herzinfarkt oder das „Raucherbein“. Bei diesen Themen kommen Dr. Dominik Jost, Chefarzt der Gefäßchirurgie und Prof. Dr. Florian Seeger, Chefarzt der Kardiologie am EK, ins Spiel. Jeder erläutert in seinem Spezialgebiet eindrucksvoll die Folgen, die das Rauchen nachweislich mit sich bringt.

Dr. Dominik Jost, Chefarzt der Gefäßchirurgie am EK, erläutert, was beim Rauchen mit den Blutgefäßen passiert. Rauchen führe zur Verstopfung der Arterien. Beim Rauchen gingen Anteile nicht nur in die Lunge, sondern auch ins Blut und machten die an sich weichen Arterien zu einem starren Rohr. Dieses ist zunehmend verkalkt, wird enger, immer weniger Blut kann durchfließen, bis es schließlich zum Verschluss kommt.

Prof. Dr. Florian Seeger, Chefarzt der Kardiologie am EK, spricht vom Herzinfarkt als einem lebensbedrohlichen Ereignis. Das Herz werde über Gefäße mit Blut versorgt. Ein Risiko für die Herzkranzgefäße, die für die Versorgung zuständig sind, ist ein verschlossenes Gefäß. Operativ kann dieses Gefäß in vielen Fällen geöffnet werden, jedoch nicht immer.

Auch Prof. Seeger lässt einen seiner Patienten über das Rauchen und seine Folgen erzählen. Herr B. war starker Raucher und hatte vor sieben Wochen einen Herzinfarkt. Ohne als bedrohlich empfundene Vorzeichen habe er sich abends hingelegt, erlitt einen Herzinfarkt und konnte von seiner Frau wiederbelebt werden. „Sonst wäre ich heute tot“, bemerkt Herr B.. Ob er heute noch rauchen würde?, kommt die Frage von einem Schüler. „Nee, ich bereue, dass ich geraucht habe“. Dieses Ereignis hat Spuren hinterlassen, nicht nur bei Herrn B. sondern auch bei seiner Ehefrau und seiner Familie.

 

 

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