Das „DEL2-Spiel der Woche“ der Ravensburg Towerstars gegen die Bietigheim Steelers hat definitiv alle Register der Dramatik gezogen. Nach wechselnden Zwei-Tore-Führungen fiel die Entscheidung nach 22 Sekunden in der Verlängerung. Gefeierter Held war Robbie Czarnik, der mit dem 5:4-Siegtreffer sein 200. Tor für die Towerstars erzielte.
Der Sieg beim Tabellenführer Krefeld am Freitag hatte den Towerstars für das baden-württembergische Derby viel Selbstvertrauen verliehen. Schon mit den ersten Wechseln ließen die Oberschwaben schnelle Angriffe mit hochkarätigen Einschusschancen auf das gegnerische Tor rollen. Wie abgezockt die Gäste-Offensive jedoch antworten kann, bekamen die Towerstars alsbald zu spüren. Knapp fünf Minuten waren gespielt, als Marek Rucak einen Schuss tief ins Ravensburger Drittel brachte und Brett Kemp den von der Bande zurückgeprallten Puck trocken ins rechte Kreuzeck schlenzte. Dieser Gegentreffer schmeckte den Towerstars überhaupt nicht. Nur drei Minuten später drückte Kemp den Puck gar zum 0:2 über die Linie – wenn auch umstritten. Der Bietigheimer Stürmer räumte kurz vor dem Abschluss Towerstars-Verteidiger Julian Eichinger mit einem rustikalen Crosscheck aus dem Weg. Als es gegen Jan Wieszinsky 52 Sekunden später eine Strafzeit setzte, drohte den Towerstars weiteres Ungemach. Doch die numerische Unterzahl avancierte zum sprichwörtlichen Dosenöffner. Mark Rassell nutzte einen Puckverlust der Gäste nach nur zehn Sekunden für einen Konter, den der Ravensburger Goldhelm unhaltbar zum 1:2-Anschlusstreffer verwertete. Die 2.622 Zuschauer in der Ravensburger CHG Arena sahen danach ein hochklassiges Spiel: Es ging mit hohem Tempo munter hin und her und beide Teams prüften die jeweiligen Torhüter quasi im Sekundentakt.
Zu Beginn des zweiten Abschnitts präsentierten sich die Towerstars dann mit noch mehr Druck, der alsbald belohnt wurde. Bietigheims Pawel Dronia kassierte in der 24. Minute eine Strafzeit, die den Towerstars nach gutem Powerplay den Ausgleich bescherte. Odeen Tufto passte vor das Tor und die Scheibe wurde von einem Bietigheimer Schlittschuh unhaltbar ins eigene Tor abgelenkt. Nun bestimmten die Towerstars das Spielgeschehen klar. Die optischen Vorteile brachte Nick Latta nur vier Minuten später auf die Anzeigetafel. An Chancen für den Ausbau der Führung mangelte es danach nicht, allerdings zeigten sich die Steelers wenig geschockt und setzten zahlreiche offensive Nadelstiche. Nicht glücklich war Towerstars-Trainer Bo Subr auch mit dem Umstand, dass Bietigheim in Unterzahl einen Zwei-gegen-null-Konter fahren konnte. Die Oberschwaben profitierten bis zur zweiten Pause jedoch davon, dass die Gäste die hochkarätigsten Chancen liegen ließen.
Den Schlussabschnitt begannen die Oberschwaben äußerst entschlossen. Ganze 32 Sekunden waren erst gespielt, als Robbie Czarnik Zeit und Raum im gegnerischen Slot nutzte und zum viel umjubelten 4:2 traf. Nicht wenige Fans erwarteten danach eine souveräne Verwaltung der Führung, doch es kam anders. Die Towerstars leisteten sich den einen oder anderen Fehler, den erneut Brett Kemp in der 44. Minute zum 4:3-Anschlusstreffer nutzte. Zwar hatten die Gastgeber danach einige gute Chancen auf weitere Treffer, doch Bietigheim drückte immer stärker. Sechs Minuten vor Ende der regulären Spielzeit war es dann passiert: Mick Hochreither hielt am rechten Pfosten den Stock in einen scharfen Pass und traf so zum 4:4-Ausgleich.
Eine Schlüsselszene folgte in den letzten zwei Minuten. Bietigheim leistete sich durch Sören Sturm eine Strafzeit, den Towerstars winkte die vermeintliche Entscheidung in Überzahl. Doch das Penaltykilling der Steelers erwies sich als gut abgestimmt, die Towerstars kamen so gut wie nicht in die Aufstellung. Es wollte kein Treffer gelingen, die Schlusssirene besiegelte die Punkteteilung. Die Strafzeit lief jedoch in der Overtime für kurze Zeit weiter – und das sorgte letztlich doch für den „Lucky Punch“. Gerade war der Ex-Ravensburger Verteidiger von der Bietigheimer Strafbank zurückgeeilt, als Robbie Czarnik nach nur 22 Sekunden den Puck zum 5:4-Siegtreffer einnetzte. Es war nicht nur ein entschlossenes, sondern auch ein statistisch besonderes Tor: Robbie Czarnik hatte zum 200. Mal im Trikot der Towerstars getroffen.
„Es war ein Spiel mit einigen Höhen und Tiefen. Dass wir uns viele Fehler geleistet und eine 4:2-Führung im Schlussdrittel hergeschenkt haben, hätte natürlich nicht passieren dürfen. Trotz allem können wir mit den zwei Punkten zufrieden sein“, resümierte Towerstars-Coach Bo Subr nach dem Spiel. Bereits am Dienstag geht die „Englische Woche“ in die Fortsetzung, dann sind die Wölfe des EHC Freiburg zu Gast in der CHG Arena. Spielbeginn ist um 20 Uhr.


