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Regionale Konjunktur bleibt tief gespalten

Bild: Kim Enderle

„Die Industrie beweist ihre Zugkraft für die Erholung der regionalen Wirtschaft. Ihr Aufwärtstrend ist weiter ungebrochen und sie zieht dabei Branchen wie den Großhandel oder Teile der unternehmensnahen Dienstleister mit“, freut sich Martin Buck, Präsident der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK), über die deutlich positive Entwicklung der vergangenen Wochen. Die Umsätze der Industriebranche, sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland, haben laut IHK-Umfrage in den vergangenen Monaten deutlich angezogen und vier von zehn Produzenten rechnen mit einem weiteren Exportschub.

Die aktuellen Ergebnisse zeigen insgesamt, dass die Konjunktur wieder an Fahrt aufnimmt und sich die Erholung seit Jahresbeginn weiter fortsetzt. Vier von zehn Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage als gut, weitere vier von zehn Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage als befriedigend. 18 Prozent der Unternehmen sehen sich in einer schlechten Geschäftslage – das sind zehn Prozentpunkte weniger als bei der Vorumfrage. Die Umsätze haben in den vergangenen Monaten deutlich angezogen. Die Ertragslage hat sich merklich erholt.

Der Auftragseingang tendiert weiter in Richtung gut, immer weniger Unternehmen leiden unter Auftragsrückgängen. So verbessern sich auch die allgemeinen Erwartungen: Ein Drittel der Unternehmen rechnet mit besseren Geschäften in den nächsten Monaten, die Hälfte geht von einem unveränderten Geschäftsverlauf aus. Jedes sechste Unternehmen befürchtet eine Verschlechterung, zu Jahresbeginn war das noch jedes vierte.

Die aktuellen Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage machen aber auch deutlich, dass nicht alle profitieren: „Große Teile des regionalen Einzelhandels sowie die Gastronomie und Hotellerie liegen am Boden und leiden massiv unter den aktuellen Beschränkungen der dritten Pandemie-Welle“, so Buck. So beurteilen fast neun von zehn regionalen Gastgebern ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht (siehe auch Hintergrundbericht und Grafik Blick in die Branchen). Daran würden auch die aktuellen Bestimmungen hinsichtlich der Erleichterungen für Getestete, Geimpfte und Genesene erstmal nichts ändern, so die Einschätzung Bucks. „Die Wirtschaft braucht eine Öffnungsstrategie, die es den Unternehmen erlaubt, sicher zu planen und sich um ihren jeweiligen Geschäftsauftrag zu kümmern. Die Unsicherheiten – sei es allein zum Thema innerbetriebliches Impfen oder Testen – sind zusätzlich zu den bürokratischen Auflagen und Unübersichtlichkeiten bei der Beantragung von finanziellen Hilfen eine massive Zusatzbelastung für die Unternehmerinnen und Unternehmer in diesen Zeiten“, so Buck.

Im Risikoranking bleibt die Corona-Pandemie dann auch weiterhin mit Abstand auf Platz eins. Danach folgt im Ranking die Sorge um den Fachkräftemangel. „Erwartungsgemäß rückt nun die regionale Fachkräfteproblematik wieder zurück ins Blickfeld der Unternehmen. Es hat sich gezeigt, dass sich auch in Zeiten von Corona die duale Berufsausbildung als krisenfestes, flexibles und für junge Menschen und Betriebe gleichermaßen zukunftsorientiertes Instrument der Fachkräftesicherung bewiesen hat. Die Möglichkeiten der direkten Betreuung durch einen Ausbilder sind in diesen Zeiten als absolute Chance zu begreifen. Deshalb müssen wir noch mehr junge Menschen für diesen Berufs- und Karriereweg begeistern“, so Buck.

Neben der Pandemie und den Fachkräften bewerten viele Unternehmen die Rohstoffpreise als Risiko für die Unternehmensentwicklung. Dies kann einerseits als Anzeichen des Aufschwungs, insbesondere auf den Weltmärkten wie USA oder China, gesehen werden. Nach Ansicht der IHK spielen aber auch die aktuelle Unsicherheit in den Lieferketten und eine Rohstoffverknappung eine Rolle. So fehlen zum Beispiel Elektronikbauteile und insbesondere in der Baubranche Holz oder Dämmstoffe. „Schwer kalkulierbare Verteuerung sowie teilweise der Stopp von Produktions- und Weiterverarbeitungsprozessen werden zur echten Gefahr für die konjunkturelle Erholung in unserem Land. Nach Corona könnte uns so die nächste Konjunkturbremse ins Haus stehen. Außerdem stellen hohe Arbeitskosten und Energiepreise die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen zunehmend infrage. Hier ist auch die Politik gefordert, die Märkte genau im Blick zu behalten und gegebenenfalls gegenzusteuern“, so Buck.

Laut IHK bremsen Unsicherheiten und Belastungen noch die Investitionspläne der Unternehmen. Der seit Jahresbeginn positive Trend bei den Investitionen setzt sich zwar fort, erreicht aber noch lange nicht das Niveau von vor der Corona-Krise: Knapp jeder vierte Betrieb plant in den nächsten Monaten mehr Mittel für Investitionen ein, jeder fünfte Betrieb schraubt die Investitionen hingegen zurück.

Endlich scheint laut Umfrage wieder Bewegung in die Beschäftigungsplanung der Unternehmen zu kommen. Jedes fünfte Unternehmen sucht Personalverstärkung, das sind acht Prozentpunkte mehr als noch zu Jahresbeginn, unverändert sechs von zehn behalten den Personalbestand bei, jedes fünfte Unternehmen will Personal abbauen, acht Prozentpunkte weniger als im Januar. „Auch hier zeigt sich die Industrie als Treiber der Nachfrage. Hier legte die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen besonders zu“, so Buck.

Zusammenfassend gibt der IHK-Konjunkturbericht Frühjahr Grund zur Hoffnung. Unsicherheiten gibt es neben Corona vor allem hinsichtlich der Lieferschwierigkeiten und der Rohstoffverknappung sowie der damit verbundenen Teuerungsraten. „Viele Unsicherheiten für die weitere konjunkturelle Entwicklung bleiben. Aber wir haben dennoch einen klaren Aufwärtstrend. Bleibt nun zu hoffen, dass die von der Krise besonders gebeutelten Branchen endlich mit dem Sommer aufatmen können und die vorsichtigen Öffnungsschritte schneller, breiter und dauerhafter vorgenommen werden können, als es jetzt den Anschein hat. Nur so lässt sich der Konsum in den regionalen Geschäften, Cafés, Restaurants und Hotels wieder ankurbeln“, so Buck.