Im Beisein von Landesgesundheitsminister Manne Lucha wurde am Freitag, 23. Januar, am ZfP-Standort Weissenau der Neubau für den Akutbereich der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie feierlich eingeweiht.
ZfP-Regionaldirektor Martin Holzke begrüßte die rund 120 geladenen Gäste und sagte: „Die Kinder- und Jugendpsychiatrie ist ein Ort, an dem man Halt findet, Sicherheit erlebt und neue Perspektiven entwickeln kann. Und genau dafür ist dieser Neubau gedacht – er soll Schutzraum sein und gleichzeitig als Brücke zurück in den Alltag dienen. Lebensnah, offen, multiprofessionell und getragen von der Überzeugung, dass gute Versorgung mehr ist als gute Wände. Sie braucht Menschen. Sie braucht Zusammenarbeit. Und so ist auch dieses Gebäude das Ergebnis von guter Zusammenarbeit – ich danke allen Beteiligten recht herzlich.“
Der baden-württembergische Minister für Soziales, Gesundheit und Integration Manne Lucha betonte: „Die Unsicherheit unserer Zeit verunsichert und belastet auch und vor allem junge Menschen. Und diese Verunsicherung bietet den Nährboden für psychische Erkrankungen. Der Klinikneubau ist ein wichtiges Signal dafür, dass die Sorgen dieser jungen Menschen für uns oberste Priorität haben. Hier in Weissenau treffen sie auf fachlich und menschlich kompetente Behandelnde, die sich ihrer annehmen, die Verantwortung nicht weiterschieben, die sie stärken und fördern – dafür bietet dieses Haus den bestmöglichen Rahmen.“
ZfP-Geschäftsführer Dr. Paul Lahode hob anschließend die Bedeutung des Klinikneubaus hervor: „Hier und heute wird im wahrsten Sinne des Wortes der Grundstein gelegt für eine weiterhin zeitgemäße und noch bessere psychiatrische Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Nun gilt es, dieses tolle Gebäude Tag für Tag mit Leben zu erfüllen. Wir behandeln, wir hören zu, stabilisieren, motivieren, wir geben Mut und Hoffnung, eröffnen Perspektiven und wir vermitteln die zentrale Botschaft: Du bist gut, so wie Du bist. Auch mit einer psychischen Erkrankung kann man ein lebenswertes und erfüllendes Leben führen und genauso wie jeder andere Mensch ein Teil unserer Gesellschaft sein. Wir sind dafür da, unsere jungen Patientinnen und Patienten dabei multiprofessionell zu unterstützen. Wenn sie diesen Ort später wieder mit dem Gefühl verlassen, ernst genommen und gut behandelt worden zu sein, dann hat sich unser Engagement mehr als gelohnt. Dann war unsere Arbeit erfolgreich.“
Der Leiter der ZfP-Abteilung Bau & Entwicklung, Nicolas Riek, und Stefan Popp vom Architekturbüro Broghammer-Jana-Wohlleber stellten die Chronologie, die beteiligten Partner und das Konzept des Bauprojekts vor. Riek beschrieb den wellenförmigen Projektverlauf, berichtete von den Corona-Einschränkungen, von bürokratischen Hürden wie dem 19-monatigen Warten auf die Baugenehmigung, und davon, dass zwischenzeitlich alles teurer wurde und etwa die volle Unterkellerung und der Gebäudeflügel für die staatliche Klinikschule dem Rotstift zum Opfer fielen: „Dieses Haus wurde für mich zu einem Herzensprojekt, auf das alle Beteiligten stolz sein können. Von der Ursprungsidee 2012 bis heute hat es zwar eine Weile gedauert, aber die Mühe hat sich gelohnt: Es ist modern und nachhaltig, clever konzipiert und perfekt positioniert.“ Architekt Popp ging anschließend auf die windmühlenartige Struktur des Gebäudes ein sowie auf die beiden zentralen Konzeptelemente Gliederung und Atmosphäre: „Die zentrale Eingangshalle mit Kletterwand soll ein Ort für Begegnung und Austausch sein. Gleichwohl gibt es Rückzugsorte – es ging uns um Geborgenheit ohne Einengung.“ Die gedeckte, nicht zu laute Farbgestaltung solle ebenso dazu beitragen wie die Verwendung von Holz. Und die großen Fensterflächen mit floralen Elementen sollen den Bezug zur Natur herstellen.
Chefärztin Dr. Sabine Müller dankte zum Abschluss noch einmal allen Beteiligten für ihr großes Engagement. Sie sagte: „Kinder und Jugendliche, die zu uns kommen, hatten oft schwierige Startbedingungen, einen schweren Rucksack von Geburt an, zu wenig Hilfe beim Tragen, zu viele zusätzliche Lasten, bis Bewältigungsversuche schließlich versagten. Erkrankung oder Tod von Elternteilen, Misshandlung, Missbrauch, Vernachlässigung, Gewalt. Deshalb bin ich überzeugt: Jede Aktion an jedem Ort unter jeglichen Bedingungen, die Kinder und Jugendliche unterstützt und für ihr Leben stark macht, lohnt sich doppelt und dreifach! Heute ist für mich ein Tag der Chance, ein Moment der Freude, ja der Begeisterung. Dieses Gebäude ist ein wunderbares und wichtiges Zeichen der Verantwortung und der Wertschätzung – für unsere Patienten wie für unsere Mitarbeitenden. Denn mit einem hochwertigen, wohlüberlegten und gut ausgestatteten Gebäude wie diesem zeigen wir zum einen Respekt und zum anderen Interesse an den Bedürfnissen und am Wohlergehen dieser Kinder und Jugendlichen.“
INFO: Nach rund zweieinhalb Jahren Bauzeit wird der Klinikneubau im März bezugsfertig. Sowohl die Kinderstation als auch die zwei Jugendstationen werden künftig dort zu finden sein. Die Baukosten von rund 17,5 Millionen Euro tragen Land und ZfP in etwa zu gleichen Teilen. Das Gebäude, in dem die drei Stationen bislang beheimatet waren, wird grundlegend saniert und für den Maßregelvollzug ertüchtigt werden. Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie des ZfP Südwürttemberg hält ein breites und ausdifferenziertes Angebot für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche vor, das sehr gut angenommen wird. Pro Jahr werden rund 850 Kinder und Jugendliche vollstationär, teilstationär und stationsäquivalent behandelt, hinzu kommen etwa 2000 Kinder und Jugendliche, die sich in ambulanter Behandlung befinden.


