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Milka 2026: „Ohne Leiche nix zu erben“

Eine Leiche im neuen Schussenpark ist die Grundlage für die wilde Erbschleicher-Geschichte. Bild: Kim Enderle

Am vergangenen Wochenende gingen im Ravensburger Konzerthaus die ersten zwei von insgesamt fünf Aufführungen der Milka-Kampagne 2026 über die Bühne. Unter dem geheimnisvollen Titel „Erb langsam 3.0“ gab es wieder beste Unterhaltung mit vielen Spitzen und Pointen. Getreu dem Motto: „Hier kriegt jede und jeder sein Fett weg“.

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Nach dem musikalischen Auftakt des Fanfarenzugs Rauenspurg und der gewohnt feurigen Begrüßungsrede von Präsident Christoph Stehle und seinen Vizes Daniela Engelberger sowie Andreas Hein gehörte die Bühne traditionell zunächst den Ravensburger Moritaten-Institutionen Ekkehard Zeim und Wolfgang Engelberger. Diese widmeten sich in ihrem ersten Teil zunächst der Bundespolitik. Egal welche Partei auch erwähnt wurde – es gab eins auf die Mütze. Nur die SPD konnte sich (fast) glücklich schätzen. Sie performt offensichtlich so schlecht, dass selbst die beiden rede- und sing-gewandten Herren schon lange überlegen müssen, ob man das überhaupt noch in die berühmten siebendreiviertelzeiligen Reime unterbringen kann.  So bekommen auch noch die Genossen ihren Spott, „Im schönen Ravensburg, im Schussental“ Und dann wäre da auch noch Donald Trump, der sich nicht mit Kanada und Grönland zufriedengibt und jetzt auch noch ein Auge auf Grünkraut geworfen hat. Im zweiten Teil richteten die Herren Zeim und Engelberger den Fokus dann mit spitzer Zunge auf die regionalen Belange und warteten unter anderem mit einer überraschenden Erklärung auf, was am Ravensburger Stadtbild eigentlich das Problem ist.

Und dann geht der Vorhang für die Kriminalgeschichte auch schon los. Anmerkung des Schreibenden: Sollte ein Besuch bei der Milka-Vorführung am kommenden Wochenende noch anstehen, dürfen Sie ruhig weiterlesen. Traditionell werden wir hier in unserem Rückblick natürlich nicht alles verraten.

Ohje, ausgerechnet im Ravensburger Prestigeprojekt „Schussenpark“ wird eine Leiche gefunden. Die Todesursache scheint schnell klar: der Genuss von Bier aus einem bayerischen Landkreis nördlich des hiesigen. Das kann einen ja schon mal umhauen. Oder stecken womöglich Aliens dahinter – aus Weingarten? Das mysteriös eingeflogene B-F-I ist sich da nicht so ganz sicher. Mittlerweile tauchen auch schon die ersten vermeintlichen Erben auf. Doch kurz nachdem die akribisch ermittelnden Polizeibeamten, Inspektor Kurt Schwallander (Tobias Gerstung) und seine flinke Kriminaltechnikerin Sabsi Ibele (Janine Ruoff), alles durchgecheckt haben und der Bestatter gerufen ist, verschwindet die Leiche. Doch was hat es mit der abgeratzten Bierbank auf sich?

Szenenwechsel ins Ravensburger Amtsgericht: Der „neigschmeckte“ Neubürger aus Hannover, Fiete Fredriksen (Andreas Hein), erfährt die ganze Härte von Amtsrichterin Barbara Langosch (Daniela Engelberger). Es kann schließlich nicht angehen, eine ganze Halbe Bier zu trinken, ohne zwischendurch aufs Klo zu gehen. Dann soll der Angeklagte auch noch den Rutenfestzug als „Umzug“ bezeichnet haben. Wumms: 70 Tage ohne Bewährung. Doch da die JVA Hinzistobel voll belegt ist, soll er die Haft auf der Lumperhöhe antreten. „Die isch eh halb leer“, sagt die resolute Richterin. Da hilft auch kein Betteln und Flehen. „Abführ’n!“

Und dann kommt in der Notarstube des Amtsgerichts der Name „Erwin Stümpfle“ ins Spiel. Der ist schon seit zehn Jahren verschollen und soll für tot erklärt werden. Und schon geht sie los, die verzwickte und verworrene Erbsache. Nebenbei erhebt dann auch noch die voll-inspirierte Lisa Dreher (Ursula Burhardt) Anspruch auf das Erbe und belegt dies mit dem etwas schlüpfrigen Gemälde mit der „Venus vom Schussenstrand“, das die Selinka-Sammlung im Kunstmuseum bereichert. Da kommen die Kunstexperten Dr. Eleonore Bosch-Dieterle (Martina Blattner) und Prof. Friedrich Hindelang (Christoph Stehle) ins Spiel. Die schmeißen mit Expertisen um sich, dass es nur so pfeift. Dass da immer mehr Stümpfle Erben auftauchen gefällt Stadtkämmerei-Mitarbeiter Willy Bügle (Carlos Marschall) überhaupt nicht. Der ist im Auftrag von OB Daniel Rapp nämlich der festen Überzeugung, dass mangels wahrer Erben das gesamte Vermögen von Erwin Stümpfle der Stadt Ravensburg zusteht. Das wäre natürlich ein Segen für den klammen Stadtsäckel. Wäre … wohlgemerkt.

Die Milka wäre nicht Milka, wenn Regisseur Marco Ricciardo nicht unzählige Klischees und aufge“bauschte“ Wortspielereien in die Geschichte eingebaut und auf die Besetzung zugeschnitten hätte. Da sind Pointen und Lacher garantiert, Ähnlichkeiten zu tatsächlich existierenden Personen sind bei der Milka natürlich völlig zufällig. So viel sei noch vorweggenommen. Am Ende klärt sich natürlich alles auf – fast alles. Denn nicht wenige Milka-Besucher fragen sich bis heute: „Was ist eigentlich mit der vermissten Katze von Erna Bieringer (Brigitte Pfaff)?“

Wie schon in den Vorjahren gibt es beim knapp über dreistündigen Programm flotte Chor- und Tanzeinlagen vom Oratorienchor Liederkranz 1827 Ravensburg. Die Tanzschule Geiger sorgt mit sehenswertem Tango sowie Hip-Hop-Dance für zusätzliche Abwechslung. Für die tanzbare Unterhaltung bis tief in die Nacht sorgten „Franky & Amigos“.

 Am Hauptfasnetswochenende gibt es noch weitere drei Vorstellungen am Freitag, 13. Februar, Samstag, 14. Februar, und Sonntag, 15. Februar, die – wie schon die Termine zuvor – prinzipiell ausverkauft sind. Wer schnell und flexibel ist, kann mit etwas Glück noch zurückgegebene Karten ergattern.

 Hier sehen Sie eine Bildergalerie von der Milka Aufführung am 07. Februar 2026 – fotografiert von Kim Enderle