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Kornhaus – Technischer Ausschuss empfiehlt Gemeinderat Zustimmung

Ein Blick ins Erdgeschoss: so soll es nach der Sanierung im Kornhaus aussehen. vAnimation: Architekturbüro Studio Qwertz

Die Sanierung des Kornhauses ist einer der letzten noch verbleibenden Bausteine einer umfassenden Sanierungsstrategie in der historischen Altstadt von Ravensburg. Nach der gelungenen Sanierung von Lederhaus, Rathaus und Bauhütte, soll auch das Kornhaus mithilfe von Bundesfördermitteln aus dem Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ umgesetzt werden.

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Mit der denkmalgerechten Sanierung des Kulturdenkmals ersten Ranges soll die Altstadt weiter an städtebaulicher Attraktivität gewinnen. Die begleitende Transformation hin zur Bibliothek 2030, versetzt die Bücherei in eine multifunktionale Position im Sinne der Stadtentwicklung: als Impulsgeber, Brückenbauer, Innenstadtanker, und vor allem als Frequenzbringer. Denn die Stadtbücherei ist mit über 15.000 aktiven Mitgliedern die meistbesuchte Dienststelle der Stadt Ravensburg.

Im Rahmen der Sanierung werden nicht nur städtebauliche Ziele verfolgt. Der Fokus der Sanierung liegt auf der Entwicklung der Bücherei zu einem Ort der Gesellschaft. Hier trifft die Funktion der Stadtbücherei als Medien- und Leihort zukünftig auf neue Begegnungs- und Bildungs-möglichkeiten. Gesellschaftlicher Zusammenhalt, kulturelle Teilhabe und die Bildungsfunktion der Stadtbücherei verbinden im Einklang einen Ort für alle. Im Herzen der Innenstadt wird so ein attraktives Umfeld für verschiedene Nutzungen etabliert und ein weiterer Mehrwert für die Stadtgesellschaft geschaffen.

Aus diesem Grund soll auch im Erdgeschoss des Kornhauses ein Bereich zur kostenlosen Nutzung durch Vereine und Organisationen geschaffen werden, um so das Ehrenamt zu unterstützen. Hier soll eine multifunktionale Nutzung über ein Buchungssystem ermöglicht werden. Darüber hinaus sollen im gesamten Haus weitere multifunktional nutzbare Räume für die Stadtgesellschaft entstehen.

Die Realisierung dieses herausfordernden Projektes wird in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Studio Qwertz und einem ausgewählten Planungsteam umgesetzt.

Aufgrund bereits durchgeführter bauhistorischer Untersuchungen wurden die nächsten Schritte in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz durchgeführt. Dabei wurden das Fundament und die Statik geprüft. Erste Untersuchungen wiesen im denkmalgeschützten Holz ein erhöhtes Schadstoffvorkommen auf, was noch tiefergehende Untersuchungen nach sich zog. Zur Schadstoffbeseitigung wird ein neues Verfahren des Fraunhofer Instituts eingesetzt. Der Sanierungs- und Projektumfang erweitert sich dadurch aber deutlich, was zu ungeplanten Kosten führt.

Der Gemeinderat hat angesichts dieser unausweichlichen Kosten für die Schadstoffbeseitigung im Dezember letzten Jahres darum gebeten, Einsparmöglichkeiten im Projekt aufzuzeigen, damit die Gesamtkosten überschaubar bleiben. In der Sitzung des Technischen Ausschusses des Gemeinderates am 4. Februar hat die Verwaltung das Ergebnis dieser Prüfung präsentiert. Durch weitere Reduzierungen im Standard kann der Kostenentwicklung entgegengesteuert werden. So soll es Veränderungen an der bisherigen Planung geben. Damit verbunden sind verschiedene Nachteile und Herausforderungen, die aber bewusst in Kauf genommen werden. Dennoch wird im Ergebnis ein funktionierendes Konzept stehen.

Bürgermeister Dirk Bastin: „Die Einsparungen, die wir machen können, bedeuten eine Standardabsenkung. Wir verzichten damit aber nicht einfach auf einen hohen Standard, den wir ohnehin nie geplant haben, sondern wir nehmen handfeste Einschränkungen in Kauf. Damit wir das Projekt aber von den Kosten her auf ein machbares Niveau bringen, ist dieser Schritt nötig.“

Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp betont, dass im Ergebnis, das Gebäude dennoch mit seiner Nutzung als offenes Haus für die Gesellschaft funktionieren wird. „Bücherei und Räume für die Stadtgesellschaft – das wird es künftig im Kornhaus geben. In die Bücherei kommen so viele Nutzer, wie in keine andere Einrichtung der Stadt Ravensburg. Damit bringt die Bücherei auch eine hohe Frequenz in die Innenstadt. Und nun haben wir endlich die Möglichkeit, Vereinen und Gruppen aus Ravensburg für ihre Zwecke kostenlose Räume zur Verfügung zu stellen, zum Beispiel für eine Mitgliederversammlung, Vorstandssitzungen oder Ähnliches. Das gesamte Vorhaben bringt unsere Stadtgesellschaft stärker zusammen und fördert außerschulische Bildung und das Ehrenamt“, so der Oberbürgermeister.

Nach der angepassten Planung entstehen Gesamtkosten von ca. 19,92 Mio. Euro. Darin enthalten ist eine Risikorücklage in Höhe von 1 Mio. Euro, die nur im Falle von unvorhergesehenen Kostensteigerungen während der Bauarbeiten genutzt wird.

Der Bund fördert das Projekt mit einem Zuschuss von 8,47 Mio. Euro. Darüber hinaus stehen weitere Förderungen von zusätzlich ca. 2,3 Mio. Euro von verschiedenen Fördergebern in Aussicht. Der städtische Anteil für die Sanierung des Kornhauses beläuft sich damit auf ca. 9,15 Mio. Euro. Im Gegensatz zur groben Kostenschätzung im Jahr 2022 in Höhe von ca. 5,1 Mio. Euro, die zur Einreichung des Förderantrages beim Bund notwendig war und nur auf Annahmen zustande kommen konnte, sind das rund 4 Mio. Euro Unterschied. Dieser Anteil fällt auf die Schadstoffsanierung, von der anfangs nicht bekannt war, dass sie notwendig wird.

Der Technische Ausschuss gab am 4. Februar einen einstimmigen Empfehlungsbeschluss an den Gemeinderat, das Vorhaben wie nun dargestellt voranzutreiben. Der Gemeinderat wird in seiner Sitzung am 23. Februar final über den Startschuss für das Projekt beraten. Nächster Schritt wäre die Einreichung des Bauantrags. Ein Beginn der Kernbauarbeiten steht, nach erfolgten Vorarbeiten, im dritten Quartal 2026 an. Der Einzug der Stadtbücherei in das neue Kornhaus findet im Lauf des Jahres 2029 statt.