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Große Herausforderung für Unternehmen

Bild: Kim Enderle

Schon seit Beginn der Impfkampagne in Deutschland fordert die Wirtschaft die Einbindung der Betriebsärzte neben Impfzentren und Hausärzten als dritte Säule in das deutsche Impfkonzept. Viele Unternehmen im Land stehen bereit, mit dem Impfen ihrer Beschäftigten loszulegen. Das Ravensburger Unternehmen Vetter Pharma-Fertigung GmbH & Co. KG gehört zu den Impfpiloten. Firmenvertreter berichteten im Rahmen einer Online-Informationsveranstaltung der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK) über erste Erfahrungen.

Beim Impfen in Unternehmen müssten zahlreiche Rechte und Pflichten beachtet werden – vom Organisieren des Impfstoffs über Haftung und Impfkompetenz bis hin zum Datenschutz, gab Stefan Kesenheimer, IHK-Referent für Energie und Umwelt, in seiner Begrüßung zu bedenken. Dies bestätigten Senior Vice President Technical Services & EHS Henryk Badack sowie Vice President Internal Project Management & EHS Benjamin Walter, beide Vetter. Das global operierende Unternehmen ist einer der führenden Pharmadienstleister für Abfüllung und Verpackung von Spritzen und anderen Infektionssystemen und hat aktuell rund 5.500 Mitarbeitende. Am Hauptsitz in Ravensburg, Kammerbrühl, wurde das Vetter-Impfzentrum eingerichtet. „Wir haben viel Vorbereitungszeit und Manpower in das Projekt investiert“, betonte Henryk Badack und appellierte an alle impfinteressierten Unternehmen, sehr frühzeitig in die Vorbereitung und die Kommunikation mit den Mitarbeitenden einzutreten. Bei Vetter wurde zunächst über eine Umfrage, mit der 3.000 Beschäftigte erreicht wurden, ermittelt, wie viele Mitarbeitende sich im Unternehmen impfen lassen wollten beziehungsweise bereits geimpft sind. Rund 2.000 Personen, so das Ergebnis, wollten das Impfangebot des Unternehmens annehmen.

In einem zweiten Schritt sei mit Blick auf mögliche Nebenwirkungen und Impfausfälle eine Priorisierung der zu Impfenden festgelegt worden. „Wir wollten bestimmte Personen nicht zeitgleich impfen, um etwaige Produktionsausfälle oder Engpässe zu vermeiden“, so Badack. Bei Vetter sind zwei Betriebsärzte festangestellt. Weitere drei externe Ärzte, circa 20 unternehmensinterne Personen und drei Mitarbeiter der Malteser-Hilfsorganisation wurden in den Impfprozess mit einbezogen. „Wir haben 120 Impfungen in zwei Schichten pro Tag geschafft“, berichtete Walter. Die nach entsprechender Priorisierung ausgewählten 1.200 Mitarbeitenden konnten in zehn Tagen geimpft werden. Restliche Impfdosen wurden unter Einbindung des Betriebsrats über ein transparentes Losverfahren mit Zufallsgenerator an Mitarbeitende vermittelt.

Nicht nur die Einrichtung von zwei parallelen Impfstraßen mit Registrierung, Impfgespräch, Impfung sowie Warte- und Ruhebereich inklusive Notfallplanung hätten das Unternehmen vor große Herausforderungen gestellt, so Walter weiter. Auch die rechtzeitige Materialbeschaffung, die Schaffung von geeigneten und sicheren Lagerbedingungen für den Impfstoff, die Bestellung von medizinischem Personal sowie Auswahl und Zuteilung der Mitarbeiter hätten viel Einsatz und Manpower erfordert. Herausfordernd seien zudem die Installierung und Nutzung der für die Dokumentation erforderlichen EDV-Software Impfen 2.0 sowie die Einhaltung aller Datenschutzbelange gewesen.

Badack bedankte sich bei allen Beteiligten sowie für die professionelle Unterstützung und den Sanitätsdienst vor Ort durch die Malteser. „Wir sind wie bei Vetter Pharma im Rahmen unserer personellen Möglichkeiten und in enger Abstimmung mit den Betriebsärzten gerne behilflich bei Beratung, Planung, Organisation, Aufbau und Durchführung von unternehmensinternen Impfaktionen“, ergänzte Udo Blaseg, Beauftragter des Malteser Hilfsdienst e.V. im Landkreis Ravensburg, auf Nachfrage der IHK. „Wir Malteser und die anderen Hilfsorganisationen verfügen über das Wissen, die Erfahrung und die Kompetenz, um auch die betriebliche Säule der Corona-Impfung bestmöglich zu unterstützen. Ob aber jeweils ausreichend personelle Kapazitäten vorhanden sind, muss im Einzelfall besprochen werden”, so Blaseg.

Die Planbarkeit für Impfungen müsse für Impfzentren, Hausärzte und Betriebsärzte in Unternehmen gleichermaßen gewährleistet sein, forderte Kesenheimer mit Blick auf die Impfstoffverfügbarkeit. Impfende Unternehmen ohne eigene Werksärzte sollten ihr Augenmerk vor allem auch auf die haftungsrechtlichen Belange richten, empfahl er. Die Seite der Verbände zum Impfen biete tagesaktuelle Informationen (www.wirtschafttestetgegencorona.de/) und umfassende Unterlagen in dem dynamischen Prozess. Weitere Informationen sowie ein einstündiges Kurz-Webinar geben zudem Antworten auf die häufigsten Fragen, die das Impfen aus betrieblicher Sicht mit sich bringe (www.weingarten.ihk.de/impfen).