Sie füllen jeden Tag einen Teil der Nachrichten: Unfälle und Katastrophen. Doch was ist, wenn sie an die eigene Tür klopfen? Was tun, wenn man selbst zuerst an eine Unfallstelle kommt? Wenn man im Wald eine bewusstlose Person auffindet? Zugegeben: Mein letzter Erste-Hilfe-Kurs ist schon ein paar Jahre her. Das Erlernte verschüttet. Es wird daher Zeit, mein Wissen für den Notfall aufzufrischen.
Langweilig geht anders: Ausbilderin Simone Dreher vom Deutschen Roten Kreuz in Ravensburg gibt regelmäßig Erste-Hilfe-Kurse. Und das anschaulich, gewitzt, mit viel Humor und mit umfassender Expertise. Zunächst beruhigt sie die überwiegend jungen Kursteilnehmenden, dass man beim Helfen nichts falsch machen kann. Einzig, nicht zu helfen, wäre falsch. Darüber hinaus sogar noch unterlassene Hilfeleistung. An oberster Stelle stehe auch immer der Eigenschutz. „Denkt an euch selber,“ sagt sie. Ein Hinweis, der schon mal sitzt. Am plakativen Beispiel Verkehrsunfall leuchtet das Thema durchaus ein, denn Warnblinker, Warnweste, Warndreieck mit entsprechendem Abstand zum Unfall sind nichts anderes.
Vorgehen leicht gemacht
Spannend finde ich, dass diverse Vorgehensweisen bei der Ersten Hilfe für den Laien so weit wie möglich vereinfacht werden. Die gute „alte“ stabile Seitenlage etwa, gelernt im Erste-Hilfe-Kurs für den Erwerb des Führerscheins vor mehreren Jahrzehnten, hat sich in meiner Erinnerung als kompliziert festgesetzt. Die „neue“ dagegen fühlt sich an wie ein Kinderspiel: Mit der Eselsbrücke „Kaktus, Kuscheln, Knie“ leicht zu merken und durchzuführen. Dazu noch den Kopf der bewusstlosen Person nach hinten strecken. Zudecken beziehungsweise für Wärme sorgen. Notruf absetzen. Bei der Helmabnahme wirken die eigenen Bedenken dann aber wie ein Hemmschuh. „Was ist, wenn…?“ Doch der Helm muss runter. „Leben geht vor Lähmung,“ meint Fachfrau Dreher. Auch dieses Vorgehen geht dann recht einfach von der Hand, wenn man ihre Kniffe und Griffe beherzigt.
Große und kleine Katastrophen
Es muss nicht immer der medienwirksame Unfall sein. Auch im häuslichen Bereich gibt es das ein oder andere Malheur. Ein Pflaster anlegen, ist kein großer Akt. Einen Verband über ein Gelenk geht grad auch noch. Doch bei einer Verbrühung mit heißem Wasser oder Verbrennungen am Grill wird es schon heikler. Es soll Menschen geben, die Mehl auf eine Brandwunde streuen würden. Okay, das würde ich definitiv nicht tun. Aber für mich ist gut zu wissen, dass man tiefere Verbrennungen lediglich steril abdeckt bis der Rettungsdienst kommt. Wie geht man mit Zeckenbissen um, wie bei einem Asthmaanfall, wie damit, wenn jemand an einem verschluckten Gegenstand zu ersticken droht? Und was ist, wenn der „Worst Case“ eintritt: Wenn ein Familienmitglied einen Herzstillstand erleidet oder auch eine gänzlich fremde Person? Allein die Vorstellung reanimieren zu müssen, mag beim Laien selbst schon zu einer absoluten Ausnahmesituation führen. Nichts tun, geht aber nicht. Die Maßnahmen und Handgriffe, die Simone Dreher im Kurs zeigt, geben mir die Zuversicht, auch in einer solchen Krise – vielleicht nicht ganz perfekt–, aber doch gut zu handeln.
Vorbereitet sein mit aufgefrischtem Wissen
Auf Katastrophen kann auch ich gerne verzichten. Als Realistin weiß ich jedoch, dass sie vor nichts und niemandem Halt machen. Das Training im Erste-Hilfe-Kurs hat mir Mut gemacht und mich gestärkt: Wenn es darauf ankommt, bin ich einigermaßen gewappnet. Gleichzeitig hoffe ich das von anderen, falls ich selbst in eine Notsituation geraten bin.


