Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 23. Februar den Sanierungsplänen und der Finanzierung für das Kornhaus zugestimmt. Er folgt damit einer Empfehlung des Technischen Ausschusses, der sich am 4. Februar einstimmig für die Sanierung ausgesprochen hatte.
Nach der Sanierung soll die Stadtbücherei wieder in das historische Gebäude im Herzen der Stadt einziehen. Derzeit ist sie vorrübergehend im Heilig-Geist-Spital untergebracht. Auch wird es Räume für die Nutzung von Vereinen und Gruppen aus Ravensburg geben. Im Erdgeschoss wird es beispielsweise einen Raum für die Stadtgesellschaft geben. Im Jahr 2029 soll es soweit sein.
Die Sanierung des Kornhauses ist einer der letzten noch verbleibenden Bausteine einer umfassenden Sanierungsstrategie in der historischen Altstadt von Ravensburg. Nach der gelungenen Sanierung von Lederhaus, Rathaus und Bauhütte, soll nun auch das Kulturdenkmal Kornhaus angegangen werden. Die begleitende Transformation hin zur Bibliothek 2030, versetzt die Bücherei in eine multifunktionale Position im Sinne der Stadtentwicklung: als Impulsgeber, Brückenbauer, Innenstadtanker, und vor allem als Frequenzbringer. Denn die Stadtbücherei ist mit über 15.000 aktiven Mitgliedern die meistbesuchte Dienststelle der Stadt Ravensburg.
Im Rahmen der Sanierung werden nicht nur städtebauliche Ziele verfolgt. Der Fokus der Sanierung liegt auf der Entwicklung der Bücherei zu einem Ort der Gesellschaft. Hier trifft die Funktion der Stadtbücherei als Medien- und Leihort zukünftig auf neue Begegnungs- und Bildungs-möglichkeiten. Gesellschaftlicher Zusammenhalt, kulturelle Teilhabe und die Bildungsfunktion der Stadtbücherei verbinden im Einklang einen Ort für alle. Im Herzen der Innenstadt wird so ein attraktives Umfeld für verschiedene Nutzungen etabliert und ein weiterer Mehrwert für die Stadtgesellschaft geschaffen.
Durch ursprünglich nicht vorgesehene Kosten für eine Schadstoffbeseitigung im Holz, wurde das Projekt auf weitere Kosteneinsparmöglichkeiten hin untersucht, damit die Gesamtkosten überschaubar bleiben. Durch Reduzierungen im Standard kann der Kostenentwicklung entgegengesteuert werden. So wird es Veränderungen an der bisherigen Planung geben. Damit verbunden sind verschiedene Nachteile und Herausforderungen, die aber bewusst in Kauf genommen werden. Beispielsweise wird man in den oberen Geschossen auf eine Fußbodenheizung verzichten, die Sanierung der Fensterläden wird verschoben, die Baustelleneinrichtung anders gestaltet, und ein innenliegendes Fluchttreppenhaus wird im Bestand erhalten. Dennoch wird im Ergebnis ein funktionierendes Konzept stehen.
Bürgermeister Dirk Bastin: „Die Einsparungen, die wir machen können, bedeuten eine Standardabsenkung. Wir verzichten damit aber nicht einfach auf einen hohen Standard, den wir ohnehin nie geplant haben, sondern wir nehmen handfeste Einschränkungen in Kauf. Damit wir das Projekt aber von den Kosten her auf ein machbares Niveau bringen, ist dieser Schritt nötig.“
Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp betont, dass im Ergebnis, das Gebäude dennoch mit seiner Nutzung als offenes Haus für die Gesellschaft funktionieren wird. „Bücherei und Räume für die Stadtgesellschaft – das wird es künftig im Kornhaus geben. In die Bücherei kommen so viele Nutzer, wie in keine andere Einrichtung der Stadt Ravensburg. Damit bringt die Bücherei auch eine hohe Frequenz in die Innenstadt. Und nun haben wir endlich die Möglichkeit, Vereinen und Gruppen aus Ravensburg für ihre Zwecke kostenlose Räume zur Verfügung zu stellen, zum Beispiel für eine Mitgliederversammlung, Vorstandssitzungen oder Ähnliches. Das gesamte Vorhaben bringt unsere Stadtgesellschaft stärker zusammen und fördert außerschulische Bildung und das Ehrenamt“, so der Oberbürgermeister.
Die Baumaßnahme sieht Gesamtkosten von ca. 19,92 Mio. Euro vor. Darin enthalten ist eine Risikorücklage in Höhe von 1 Mio. Euro, die nur im Falle von unvorhergesehenen Kostensteigerungen während der Bauarbeiten genutzt wird.
Der Bund fördert das Projekt mit einem Zuschuss von 8,47 Mio. Euro über das Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“. Darüber hinaus stehen weitere Förderungen von zusätzlich ca. 2,3 Mio. Euro von verschiedenen Fördergebern in Aussicht. Der städtische Anteil für die Sanierung des Kornhauses beläuft sich damit auf ca. 9,15 Mio. Euro. Im Gegensatz zur groben Kostenschätzung im Jahr 2022 in Höhe von ca. 5,1 Mio. Euro, die zur Einreichung des Förderantrages beim Bund notwendig war und nur auf Annahmen zustande kommen konnte, sind das rund 4 Mio. Euro Unterschied. Dieser Anteil fällt auf die Schadstoffsanierung, von der anfangs nicht bekannt war, dass sie notwendig wird.
Das Projekt wird nun Schritt für Schritt weiter in der Umsetzung vorangetrieben.


