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Corona hinterlässt deutliche Spuren in der OSK Bilanz

Die Oberschwabenklinik mit ihrem Hauptstandort "St. Elisabeth". Bild: F.Enderle

Die Oberschwabenklinik gGmbH konnte im vergangenen Geschäftsjahr 2020 den Verlust des Vorjahres um über zwei Millionen Euro verringern. Ohne die Hilfen von Bund und Land aufgrund der Corona-Herausforderungen wäre der Verlust von letztlich 2,39 Mio. Euro aber um ein Vielfaches größer ausgefallen, wie die OSK bei ihrer Bilanz-Pressekonferenz am Dienstag verdeutlichte.

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„Es war definitiv ein Ausnahmejahr“, sagte OSK Geschäftsführer Prof. Dr. Oliver Adolph bei der Vorstellung der Bilanzzahlen 2020. „Wir haben viel geleistet und geschafft. Vor allem unsere Mitarbeiter, die sehr viel durchmachen mussten“, sagte Adolph. Geprägt hatte das vergangene Jahr vor allem die Corona-Pandemie, insbesondere in den ersten Monaten. Hier wurde die OSK durch Covid-19 nicht nur aus medizinischer Sicht vor enorme Herausforderungen gestellt, sondern auch durch die schrittweise schärfer werdenden Einschränkungen.

„Bei unserem Personal, den Patienten und nicht zuletzt den Besuchern war die Geduld ausgereizt.“

Prof. Dr. Olivier Adolph, OKS Geschäftsführer

Das plötzlich auch vermeintlich einfaches Verbrauchsmaterial wie FFP2-Masken oder Handschuhe knapp wurden und schwer zu beschafften waren, schlug sich finanziell genauso in den Zahlen nieder, wie die Zuhilfenahme eines Sicherheitsdienstes bei den Einlasskontrollen. Knapp 1,3 Mio. Euro habe die OSK auch für die notwendigen Covid-19 Tests investieren müssen. „Erstattet bekamen wir da aber lediglich das Verbrauchsmaterial“, erklärte Stefan Schoenauer, kaufmännischer Leiter und Prokurist der OSK.

Ein starker Einschnitt war für den Klinikverbund natürlich die reduzierten Fälle. Bei den stationären waren es 2159 weniger als in 2019, bei den ambulant behandelten Patienten wurde ein Rückgang von 7375 verbucht. Besonders hart gestalteten sich laut OSK-Geschäftsführung die Monate März bis Mai 2020. „Wir haben da pro Monat fast 2 Mio. Euro Verlust eingefahren. Zumindest hatten wir in den Folgemonaten Gelegenheit, wieder etwas aufzuholen“, erklärte Prof. Dr. Adolph.

Dank der Unterstützung von Land und Bund in Form von direkten Corona-Hilfen sowie der Erhöhung des Landesbasisfallwertes erreichte die OSK einen Umsatz von 240,1 Millionen Euro, so viel wie noch nie in der Unternehmensgeschichte. Dass unter dem Strich nur ein Verlust von 2,39 Mio. Euro ausgewiesen wurde, liegt an den Hilfen von Bund und Land in Höhe von 13,7 Mio. Euro.

Eine wichtige Rolle spielt in der Oberschwabenklinik das medizinische und pflegerische Personal. Hier hat die OSK auch während der Pandemie Personal um 62 Mitarbeiter aufgestockt, zusammen werden im EK, den anderen Standorten Heilig-Geist-Spital, Wangen, Bad Waldsee sowie die Tochterunternehmen 2947 Menschen beschäftigt. „Die Pandemie ist natürlich nicht gerade förderlich, um Nachwuchs zu gewinnen“, räumte Dr. Adolph ein. Derzeit werden 257 junge Menschen ausgebildet, davon rund 200 in der Pflege. Leihkräfte in der Pflege waren beim bisherigen Höhepunkt der Pandemie übrigens zweieinhalb Mal teurer als sonst. Ärzte auf Leihbasis waren sogar 4,5 Mal höher. Notwendig wurden Leihkräfte, da die gesetzlich festgelegten Personaluntergrenzen eingehalten werden mussten. Fast 148 Millionen Euro hat die OSK im Geschäftsjahr 2020 für Personalkosten veranschlagt, 10 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Welche Brocken das in der Bilanz ausmacht, macht der Anteil an den Gesamtkosten deutlich. In 2020 betrug dieser Posten rund 61,1 Prozent.

Schon jetzt ist klar, dass auch das aktuelle Geschäftsjahr von der Corona-Pandemie geprägt sein wird. Wie stark, hängt natürlich von den Entwicklungen im Herbst und Winter ab und wie stark eine vierte Welle durchschlägt. „Bei wieder steigenden Fallzahlen in Europa und gleichzeitiger Verlangsamung des Impf-Tempos betrachten wir die Lage mit einer gewissen Sorge“, sagt OSK-Geschäftsführer Oliver Adolph. „Zwar war die dritte Welle von den Infektionszahlen etwas flacher, dafür waren bei uns aber mehr Intensiv-Maßnahmen notwendig und wir wurden deutlich mehr gefordert“, betonte Adolph.

Schon jetzt wurden mit 561 im ersten Halbjahr mehr Covid-19 Patienten in den OSK-Häusern behandelt, als im Jahr 2020 – hier waren es 443 Patienten. Bei den Sterbezahlen an und mit Covid-19 Patienten verweist man seitens der OSK um eine differenzierte Betrachtung. Insbesondere bei hochbetagten Patienten seien die typischen intensivmedizinischen Maßnahmen nicht mehr angewandt worden. „Man steht da schon vor der Frage, wie lange man bei einem 85- oder 90-jährigen Patienten die Lage einer intensivmedizinischen Maßnahme eskalieren lässt oder stattdessen eine palliative Behandlung einschlägt. Nicht selten sei das auch konkret der eigene Wunsch der Patienten gewesen.


Die wichtigsten Daten der OSK Bilanz aus 2021, die Vorjahreszahlen finden Sie in Klammern.

Wirtschaftliche Zahlen (in Euro)

  • Umsatz 240,1 Mio. Euro (221,3 Mio.)
  • Kosten 242,4 Mio. Euro (225,9 Mio.)
  • Jahresergebnis -2,237 Mio. Euro (-4,567)
  • Bilanzsumme: 64,3 Mio Euro (69 Mio.)

Patienten-relevante Daten

  • Stationäre Patienten 39.798 (41.957)
  • Auslastung der Betten 73,3 % (72,9 %)
  • KV-Ambulante Patienten 68.559 (72.431)
  • Privat-Ambulanz 16.816 (18.446)