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Wirtschaft und Business

Bewegung beim Ausbau des Glasfasernetzes

Symbolbild: Kim Enderle

Der Ausbau der Breitband-Infrastruktur wurde in den vergangenen Jahren enorm vorangetrieben. Lücken und Probleme im privaten Bereich haben sich auch seit Beginn der Corona-Pandemie aufgetan, insbesondere bei den Stichworten „Homeoffice“ und „Homeschooling“. Schon deutlich länger bekannt ist, wie wichtig eine konkurrenzfähige Infrastruktur für Unternehmen ist. Im Umkehrschluss ist dies für Kommunen ein unbestrittener Standortfaktor für Gewerbeansiedlungen. In einem schriftlichen Interview hat rv-news.de Antworten auf einige wichtige Fragen zum Ausbau der Glasfaserinfrastrukur in Ravensburg von Dr. Sören Trebst erhalten. Er ist Vorsitzender der Geschäftsführung von 1&1 Versatel.

Wieso ist eine Glasfaserinfrastruktur so wichtig?

Dr. Sören Trebst. Bild: 1&1 Versatel/Schwartz PR

„Unternehmen werden immer digitaler, damit wächst auch der Bandbreitenbedarf. Immobilien und Gewerbeflächen ohne Zugang zu einer leistungsfähigen Telekommunikationsinfrastruktur sind schon heute nur noch schwer vermittelbar. Um zu verhindern, dass Unternehmen abwandern und den Standort wechseln, ist es für Städte und Kommunen entscheidend, den gezielten Ausbau einer flächendeckenden hochbreitbandigen Infrastruktur jetzt voranzutreiben. Die Corona-Pandemie hat diese Entwicklung sogar noch verstärkt, denn es hat sich gezeigt: Unternehmen, die früh auf Digitalisierung gesetzt haben, konnten tendenziell besser auf die Krise reagieren. Zudem haben die positiven Erfahrungen, die z. B. mit ortsunabhängigem Arbeiten gemacht wurden, viele Unternehmen dazu veranlasst, langfristig an dieser Arbeitsweise festzuhalten. Eine stabile, breitbandige Internetverbindung durch Glasfaser macht wettbewerbsfähig und kann jedem Unternehmen bares Geld sparen.“

Welche Vorteile bietet Glasfaser gegenüber Kupfer- oder Koaxialleitungen?

„Glasfaser ist die einzige Technologie, die den steigenden Bandbreitenbedarf auch langfristig abdecken kann. Der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) geht davon aus, dass Unternehmen bis 2025 einen Bedarf von 1,3 GBit/s im Down- und 1,1 GBit/s im Upstream haben werden. Kupferleitungen schaffen maximal bis zu 250 MBit/s, bei den Koaxialnetzen der Kabelanbieter ist im Download bei maximal 1 GBit/s Schluss. Mit Glasfaser sind dagegen Bandbreiten von bis zu 100 GBit/s, also 100.000 MBit/s, möglich. Ein Glasfaseranschluss ist demnach nahezu unbegrenzt skalierbar und die Bandbreite ist garantiert.“

Welche Anforderungen stellen Unternehmen an eine zukunftsfähige Breitband-Versorgung?

„Es gibt hier noch viel zu tun: Eine YouGov-Umfrage, die im Auftrag von 1&1 Versatel zur Digitalisierung in Zeiten von Corona durchgeführt wurde, hat ergeben, dass deutschlandweit derzeit bereits 23 Prozent der Unternehmen einen Glasfaseranschluss haben. Weitere 43 Prozent glauben, dass sie innerhalb der nächsten fünf Jahre einen benötigen werden. Immer wichtiger, gerade für Unternehmen, wird in den nächsten Jahren die sogenannte symmetrische Anbindung werden, das heißt genauso viel Upstream wie Downstream. Während für einfaches Internetsurfen asymmetrische Anschlüsse mit wesentlich weniger Upstreamleistung wie DSL oder TV-Koaxialkabel ausreichend sind, benötigen Cloudapplikationen, Videokonferenzen und andere Geschäftsanwendungen symmetrische Bandbreiten – und die bietet nur echtes Glasfaser.“

Wie lange wird es noch dauern, bis alle Unternehmen in Deutschland an Glasfaser angeschlossen sind und was muss dafür passieren?

„Der Glasfaserausbau kann nur gemeinsam gelingen – und es gibt schon heute viele gute Ansätze, um bestehende Strukturen kooperativ zu nutzen. Jetzt kommt es darauf an, diese Ansätze smart zu einem großen Ganzen zusammenzuführen. Kooperationen, Open-Access-Plattformen – also digitale Marktplätze, über die verschiedene Netzbetreiber zur Vermarktung von Glasfaser-Anschlüssen miteinander in Kontakt treten können – und andere Formen der Zusammenarbeit müssen gestärkt und gefördert werden. Nur, wenn wir als Telekommunikationsanbieter Synergien nutzen, vernetzt denken und Hand in Hand zusammenarbeiten, werden wir erfolgreich sein.“

Die Gemeinden im Mittleren Schussental haben sich zu einem Zweckverband zusammengeschlossen und haben in den vergangenen Jahren durchaus beachtliche Fördermittel aus den Digitalisierungsprogrammen von Bund und Land erhalten. Mit den Mitteln konnten bereits und werden zahlreiche infrastrukturelle Maßnahmen, z. B. für die Leerrohr-Netze und/oder bereits mit Glasfaserkabel realisiert. Oftmals stoßen die Gemeinden auf das Problem, für Betrieb und Anbindung der Endkunden auch einen Provider zu finden, weil die finale Anbindung an Netzknoten noch fehlt oder unklar ist. Welche Herausforderungen sehen Sie da als Provider?

„Damit der flächendeckende Glasfaserausbau gelingt und vor allem auch die vielerorts bestehende Bandbreitenkluft zwischen Stadt und Land geschlossen werden kann, müssen alle Akteure an einem Strang ziehen, zum Beispiel in Form der eben thematisierten Kooperationen. Auch 1&1 Versatel ist jederzeit für Partnerschaften offen, sofern sie sich für beide Seiten rentieren. In vielen Kooperationen haben wir unsere Kompetenzen im Vertrieb und Betrieb, also der Bereitstellung von Telekommunikationsprodukten, bewiesen. Eine entsprechende Aufteilung – die Gemeinde als Inhaberin der Infrastruktur, wir als präferierter Partner – kann für uns jederzeit interessant sein.“