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Als Unternehmen überleben in stürmischen Zeiten

Bild: Kim Enderle

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben auch in der Region Bodensee-Oberschwaben in zahlreichen Unternehmen zu massiven negativen Auswirkungen geführt. Liquide sein, liquide bleiben ist für viele zu einer großen Herausforderung geworden. „Insbesondere das Liquiditätsmanagement ist nun aber entscheidend, um das Unternehmen sowie die Beschäftigten zu sichern“, sagte Jürgen Schatz, Leiter des Geschäftsbereichs Weiterbildung der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK), in seiner Begrüßung zum  Online-IHK-Unternehmerforum „Liquide sein, liquide bleiben! – Überleben in stürmischen Zeiten“. In zwei digitalen Lehrstunden zeigte Referent Professor Dr. Heinz-Jürgen Klepzig den rund 20 Teilnehmern des virtuellen Unternehmerforums auf, welche Möglichkeiten zur Liquiditätssicherung es entlang der gesamten Supply Chain gibt – vom Beschaffungs- bis hin zum Abnehmermarkt.

Deutsche Unternehmen, deren Strategien in der Regel auf gleichförmige Wirtschaftsverhältnisse ausgelegt seien, müssten sich derzeit mit hochdringlichen Aufgabenblöcken auseinandersetzen, die sowohl aus längerfristigen Entwicklungstrends wie etwa Digitalisierung, verschärfte Umweltauflagen oder Protektionismus resultierten, zusätzlich aber auch durch kurzfristige auftauchende Events wie die Corona-Pandemie beeinflusst würden, sagte Klepzig. Jetzt gelte es, das gesamte Aufgabenpaket zeitnah und vor allem positiv zu bewältigen – mit dem Ziel einer Unternehmens-, Beschäftigungs- und Standortsicherung. Professor Klepzig gilt als Experte im Bereich des Liquiditätsmanagements. Seit vielen Jahren untersucht und gestaltet er in Theorie und Praxis das Zusammenspiel von Prozessmanagement mit Asset Management und Working Capital Controlling. In der Kienbaum-Unternehmensgruppe war er als Berater und Geschäftsführer sowie als Interimsmanager mit den Arbeitsschwerpunkten Effizienzverbesserung und Krisenmanagement betraut.

„Nicht-liquide Unternehmen sind betriebswirtschaftlich mausetod“, warnte Klepzig und gab den Forum-Teilnehmern umsetzungsorientierte Hinweise und Praxisbeispiele zur kurz- und mittelfristigen Liquiditätssicherung. Nur eine direkt und indirekt ermittelte Cashflow-Rechnung (Cashflow aus operativer Tätigkeit sowie aus Investitions- und Finanzierungstätigkeit) liefere perioden- und bewertungsgerechte Informationen über die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens, betonte der Professor. Er stellte Möglichkeiten zur Verbesserung des Cashflows vor und empfahl den Teilnehmern unter anderem, Checklisten – beispielsweise zum Geldeingang, zu Lieferantenrechnungen oder auch zu Löhnen und Gehältern – einzuführen, sich mit Blick auf Benchmarks, Ratings und Audits unternehmerische Ziele zu setzen, vernachlässigte Bilanzpositionen zu überprüfen und vor allem die aktuelle Geschäftssituation akribisch zu verfolgen. Nur dann könnten Chancen lokalisiert und durch schnelle Prüfung und schnelles Handeln genutzt sowie Risiken minimiert werden. „Denken Sie daran: Geld ist geprägte Freiheit“, beendete Klepzig seine Ausführungen mit einem Dostojewski-Zitat.

Großes Lob für die fundierten Praxis- und Anwendungsbeispiele Klepzigs äußerten die Teilnehmer des virtuellen Unternehmerforums im Anschluss an die Veranstaltung: „Das waren drei Semester BWL in zwei Stunden, gespickt mit vielen Praxisbeispielen“, so ein anerkennendes Feedback im Chat.