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Polizeipräsidium stellt Kriminalitätsstatistik 2025 vor

Das Polizeipräsidium Ravensburg. Bild: F.Enderle

„Die Kriminalitätsbilanz 2025 kann sich mehr als sehen lassen: Seit dem Kriminalitäts-Höchststand im Jahr 2022 mit 30.629 Delikten verzeichnen wir bereits im dritten Jahr in Folge einen deutlichen Rückgang auf nur noch 25.866 Fälle im Jahr 2025. Dies sind immerhin 4.763 weniger Straftaten, das entspricht damit der niedrigsten Kriminalitätsbelastung der letzten zehn Jahre. Zugleich belegt das Polizeipräsidium Ravensburg – zusammen mit dem Polizeipräsidium Stuttgart – bei der Aufklärungsquote mit rund 67 Prozent den Spitzenplatz in Baden-Württemberg. Landesweit lag die Aufklärungsquote dagegen bei 62,5 Prozent.

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Auch die Tatsache, dass im Jahr 2025 im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ravensburg kein einziges vollendetes Tötungsdelikt oder andere schwere und damit das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stark beeinträchtigende Straftaten zu beklagen waren, ist positiv hervorzuheben“, so eröffnete Polizeipräsident Uwe Stürmer die Pressekonferenz zur Vorstellung der Kriminalstatistik 2025 für die Landreise Ravensburg, Sigmaringen und den Bodenseekreis.

Die Zahlen belegen deutlich, dass es sich in Oberschwaben sehr sicher leben lässt, auch wenn das Sicherheitsgefühl in Teilen der Bevölkerung bisweilen eher negativ geprägt ist. Bemerkenswert ist, dass sich die langfristige Kriminalitätsentwicklung in den drei Landkreisen deutlich unterscheidet: Während der Rückgang im Landkreis Ravensburg von 13.843 Delikten im Jahr 2016 um 2.894 auf nunmehr 10.949 sehr markant ausfällt, gingen die Straftaten im Bodenseekreis von 9.349 auf 9.068 um 281 Fälle nur marginal zurück. Und im Landkreis Sigmaringen entspricht die Zahl der Straftaten mit einer minimalen Zunahme um 20 Fälle auf 5.849 Fälle nahezu dem Wert von vor zehn Jahren; wobei der jüngste Trend im Vergleich zum Höchstwert von 7.283 Straftaten im Jahr 2022 auch hier deutlich rückläufig ausfällt.

„Die bemerkenswert gute Entwicklung zeigt, dass unsere Strategie aus einem Mix aus kontinuierlicher Polizeipräsenz in der Fläche, gezielter Prävention, aber auch konsequenter Strafverfolgung Früchte trägt. Hinzu kommt, dass bei den schweren Straftaten oft sogar über 80 Prozent aufgeklärt wurden. Das darf als deutliches Signal an Straftäter hier bei uns verstanden werden,“ so Polizeipräsident Uwe Stürmer.

Der Leiter der Kriminalpolizeidirektion Friedrichshafen, Leitender Kriminaldirektor Alexander Dürr, ergänzt: „Diese stabil positive Entwicklung verdient Anerkennung – zeugt sie doch von einer sehr guten Polizeiarbeit aller Kolleginnen und Kollegen im Polizeipräsidium Ravensburg, die mit ihrem tagtäglichen Engagement, ihrem hohen persönlichen Einsatz und ihrer professionellen Ermittlungsarbeit wesentlich zu diesem erfreulichen Ergebnis beigetragen haben!“

Und auch die Gewaltkriminalität insgesamt sowie die Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum, also Straftaten, die wesentlich zur Verunsicherung der Bürgerinnen und Bürger beitragen, waren rückläufig. Einen deutlichen Hinweis gab Polizeipräsident Stürmer zum Thema Messerangriffe: „In der öffentlichen Diskussion wird in diesem Deliktsbereich oft von einer Zunahme gesprochen. Seit Beginn der Auswertung dieses Kriminalitätsfelds im Jahr 2022 stellen wir beim Polizeipräsidium Ravensburg hier aber – anhand der Zahlen objektiv – bis dato keinen Anstieg, sondern ein annähernd gleichbleibendes Niveau mit einer aktuell eher abnehmenden Tendenz fest.“

pSo positiv sich die Gesamtentwicklung aller Straftaten und insbesondere auch der Gewaltkriminalität darstellt, gibt es auch im Jahr 2025 Kriminalitätsfelder, in denen die statistische Entwicklung aufhorchen lässt. Allem voran zu nennen sind hier nach wie vor die Sexualstraftaten. Nachdem bereits im vergangenen Sicherheitsbericht ein Zehnjahreshoch und ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr von mehr als 15 Prozent zu verzeichnen war, ist hier abermals eine Zunahme von annähernd 12 Prozent auf ein neues Allzeithoch ersichtlich. Dazu Leitender Kriminaldirektor Dürr: „Das sind in erster Linie aber nicht aufsehenerregende und öffentlichkeitswirksame Straftaten, die hier zu Buche schlagen; diese bewegen sich auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr. Ursächlich hierfür ist vielmehr der erneut sehr starke Anstieg im Bereich der Verbreitung kinderpornografischer Medien. Hier scheint gerade bei Jugendlichen ein veränderter Umgang mit dem Thema Sexualität sichtbar zu werden: Nahezu die Hälfte der Tatverdächtigen bei der Verbreitung pornographischer Inhalte ist jünger als 21 Jahre, oftmals werden die Fotos oder Videos unbedacht über soziale Netzwerke und Messenger-Dienste weitergeleitet. Vielen Minderjährigen scheint eine Strafbarkeit ihres Handelns dabei oftmals gar nicht bewusst zu sein.“

Große Sorgen bereitet nach wie vor die breite Palette an Betrugsdelikten, die im vergangenen Jahr teils zu erheblichen Schadenssummen geführt hat. Anrufstraftaten wie Schockanrufe oder falsche Polizeibeamte führen in Einzelfällen immer wieder zum Erfolg, auch wenn die meisten angezeigten Taten dank der intensiven Aufklärungsarbeit glücklicherweise zwischenzeitlich im Versuchsstadium stecken bleiben. Hier verursachten die Täter im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ravensburg im vergangenen Jahr einen Vermögensschaden von rund 820.000 Euro. Auf den beachtlichen Betrag von insgesamt rund 16,3 Millionen Euro summiert sich die Schadenshöhe beim sogenannten Anlagebetrug in 2025. Dazu Leitender Kriminaldirektor Dürr: „Der Tatort Internet ist für Straftäter zwischenzeitlich deutlich lukrativer als der althergebrachte Banküberfall. Nahezu risikolos nutzen die Täter mit gefälschten Webseiten die Hoffnung der Anleger auf das große Geld in Form einer außergewöhnlich hohen Rendite aus. Mit vergleichsweise geringem Aufwand und niedrigem Entdeckungsrisiko erzielen sie hier erhebliche kriminelle „Gewinne“.

Die Betrüger nutzen die Gutgläubigkeit ihrer Opfer gezielt aus und statt der erwarteten Vermehrung ihres Vermögens erleiden dies regelmäßig immense finanzielle Verluste.“ Er appelliert: „Niemand hat etwas zu verschenken! Warum sollte ein vermeintlicher Anbieter deutlich bessere Konditionen bieten als die breite Masse? Seien Sie sich dieses Umstands bewusst und hinterfragen Sie derartige Angebote äußerst kritisch!“ Das Polizeipräsidium Ravensburg wird auch zukünftig in der Präventions- und Aufklärungsarbeit einen besonderen Schwerpunkt auf die Betrugsstraftaten legen. Dazu Polizeipräsident Stürmer: „Jedes Opfer, das wir vor Schaden bewahren können, lohnt unseren Aufwand! Und nur wer informiert ist, kann sich schützen. Wir lassen daher auch in 2026 nicht nach, hier bestmöglich über die Maschen der Straftäter aufzuklären und so im Idealfall Straftaten wo immer möglich zu verhindern. Unsere jüngste Bauzaunbanner-Kampagne mit plakativen Warnbotschaften ist hier ein Beispiel von vielen.“

Abschließend sind abermals die Gewaltdelikte gegen Polizei, Rettungskräfte und Feuerwehr zu erwähnen, die zwar nicht weiter angestiegen, aber weiterhin auf sehr hohem Niveau verblieben sind. Polizeipräsident Stürmer wird deutlich:

„Angriffe gegen Hilfskräfte sind ein Angriff gegen den Staat und gegen unsere Demokratie! Hier bedarf es vor allem einer schnellen und deutlich spürbaren Sanktionierung dieser Delikte! Dies gilt umso mehr, wenn es sich um Wiederholungstäter handelt.“

Das Polizeipräsidium Ravensburg veröffentlicht jährlich die statistische Entwicklung der aktuellen Sicherheitslage unter https://ppravensburg.polizei-bw.de/polizeipraesidium-ravensburg/statistiken/.

Hier werden unterschiedliche Deliktsfelder mit den zugehörigen Aufklärungsquoten sowie regionale Unterschiede dargestellt und mit Hilfe grafischer Aufbereitung verständlich und objektiv nachvollziehbar erklärt.