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1. Mai: Botschaft für gute Arbeit, soziale Sicherheit und Zusammenhalt

Prof. Dr. Ernst Deuer, Vorsitzender des DGB-Kreisverbandes Bodensee-Oberschwaben. Bild: DBG

Mehrere Hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich am 1. Mai in Ravensburg an der Kundgebung des DGB und seiner Mitgliedsgewerkschaften zum Tag der Arbeit beteiligt. Unter dem Motto „Erst unsere Jobs – dann eure Profite“ stand der Einsatz für faire Arbeitsbedingungen, starke Tarifverträge und einen verlässlichen Sozialstaat im Mittelpunkt.

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Die Kundgebung wurde umrahmt von der GEW-Sambagruppe und Musik vom Band sowie Infoständen von Parteien und Vereinen. Mit dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ legten die Gewerkschaften den Finger in die Wunde. Kürzungen und Einschnitte bei den arbeitsrechtlichen Errungenschaften wie dem 8-Stunden-Tag, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und vieles anderem sind nicht die Lösung für die aktuellen Herausforderungen.

Die Geschäftsführerin der DGB-Region Südostwürttemberg Bärbel Mauch eröffnete die Kundgebung und hob die Bedeutung des 1. Mai als Tag der Solidarität und der Arbeitnehmerrechte hervor. Gerade angesichts aktueller wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Herausforderungen sei es wichtig, den Zusammenhalt zu stärken und die Anliegen der Beschäftigten sichtbar zu machen.

Für die Stadt Ravensburg sprach Heike Engelhardt als Vertreterin des Oberbürgermeisters ein engagiertes Grußwort. Sie stellte die historische Bedeutung des 1. Mai als Tag der Arbeiterbewegung heraus und betonte zugleich dessen aktuelle Relevanz. Themen wie gute Arbeit, soziale Sicherheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt seien zentrale Herausforderungen, die weiterhin gemeinsam gestaltet werden müssten.

Die Hauptrede hielt Prof. Dr. Ernst Deuer, Vorsitzender des DGB-Kreisverbandes Bodensee-Oberschwaben. In seiner Rede betonte er, dass wirtschaftlicher Erfolg und gute Arbeit untrennbar zusammengehören: „Gute Löhne, sichere Arbeitsplätze und soziale Absicherung sind keine Belastung, sondern die Grundlage für Stabilität und Wachstum.“ Kritisch setzte sich Deuer mit aktuellen wirtschafts- und sozialpolitischen Vorschlägen auseinander, die auf längere Arbeitszeiten und Einschnitte im Sozialstaat abzielen. „Wer die Herausforderungen der Zukunft allein mit mehr Arbeit beantworten will, greift zu kurz. Entscheidend sind gute Arbeitsbedingungen, Qualifizierung und eine starke Sozialpartnerschaft“, so Deuer.

Ein zentrales Thema der Kundgebung war die Bedeutung von Tarifverträgen. Sie sorgen für transparente und faire Arbeitsbedingungen und leisten einen wichtigen Beitrag zur Gleichstellung. „Tarifverträge unterscheiden weder nach Geschlecht noch nach Migrationshintergrund – sie schaffen Verlässlichkeit und Gerechtigkeit für alle Beschäftigten“, wurde hervorgehoben. Darüber hinaus wurde auf strukturelle Herausforderungen wie den Gender Pay Gap, unbezahlte Überstunden und die schwierige Vereinbarkeit von Arbeitszeitmodellen hingewiesen. Die Rednerinnen und Redner machten deutlich, dass nachhaltige Lösungen nur gemeinsam mit den Beschäftigten entwickelt werden können.

In einem weiteren Redebeitrag ging Dennis Schmatz von ver.di Ulm-Oberschwaben auf die Situation im Gesundheitswesen ein. Er machte deutlich, dass die Beschäftigten weiterhin unter hoher Belastung stehen und bereits erreichte Verbesserungen unter Druck geraten. Zwar sei der vollständige Stopp der Tarifrefinanzierung abgewendet worden, künftig würden Tarifsteigerungen jedoch nur noch anteilig refinanziert. Dies habe negative Auswirkungen auf die Personalsituation und führe perspektivisch zu weniger Personal, höherer Arbeitsbelastung und einer schlechteren Versorgung. Kritisch bewertete Schmatz zudem die Kürzung des Bundeszuschusses zur gesetzlichen Krankenversicherung. Leistungskürzungen und Mehrbelastungen seien der falsche Weg – entscheidend sei, dass Gesundheitsversorgung für alle bezahlbar bleibe.

Zum Abschluss riefen die Veranstalter dazu auf, den sozialen Zusammenhalt zu stärken und die Interessen der Beschäftigten auch weiterhin mit Nachdruck zu vertreten: „Der 1. Mai zeigt: Gute Arbeit, soziale Sicherheit und wirtschaftlicher Erfolg gehören zusammen.“