Geht es nach einer von der Stadtverwaltung initiierten Idee, könnten sich in Ravensburg im Bereich Kultur und Sport nachhaltige Veränderungen mit großer Tragweite ergeben. Unter dem Titel „Kooperation und Konzentration“ hat die Verwaltung einen Prüfauftrag im Gemeinderatsausschuss „Kultur, Tourismus und Stadtmarketing“ beschlossen. Dieser sieht unter anderem eine Umgestaltung des traditionsreichen Frauentorkinos in ein Kulturhaus mit verschiedenen Bühnen und Gastronomie vor. Eine noch prägendere Veränderung betrifft die Oberschwabenhalle: Sie soll nach den Plänen der Stadt Ravensburg in eine Großsporthalle umgebaut werden. Die rund 70 Jahre alte Oberschwabenhalle als Veranstaltungsort für Rock- und Popkonzerte, Comedy-Gastspiele oder Messen wäre damit Geschichte.
Aus Frauentorkino könnte Kulturhaus „Ravensburger Bühnen“ werden
Die Grundlagen des Prüfauftrags, die von Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp, dem Ersten Bürgermeister Dr. Andreas Honikel-Günther sowie Baubürgermeister Dirk Bastin in einem Pressegespräch und anschließend dem Gemeinderat vorgestellt wurden, haben jeweils sachliche Hintergründe.

Zunächst steht der Plan im Raum, das Frauentorkino in ein Kulturhaus umzubauen. Wie bereits bekannt ist, wurde der Mietvertrag für das Theater Ravensburg in der Zeppelinstraße gekündigt. Das fest in Ravensburg und darüber hinaus verwurzelte Ensemble verliert Mitte 2027 seine Heimat, da der Eigentümer „Arkade“ die Räumlichkeiten künftig selbst für sein soziales Angebot benötigt. „Ravensburg braucht ein Theater mit festem Ensemble, sonst hätten wir in Oberschwaben einen weißen Fleck. Wir haben daher schon vor geraumer Zeit unsere Unterstützung zugesagt“, betont OB Daniel Rapp.
Auch das Figurentheater – derzeit im Erdgeschoss der Brotlaube untergebracht – steht vor einer unsicheren Zukunft, da die Räumlichkeiten nur mit sehr hohem finanziellen Aufwand zu sanieren wären. Damit spannt sich der Bogen zu einem weiteren Thema: Die traditionsreiche Kino-Familie Burth/Anastassiades, die das Frauentorkino in der Gartenstraße und das Burgtheater am Marienplatz betreibt, steht ebenfalls vor Herausforderungen – insbesondere aufgrund der Konkurrenz durch Streaming-Angebote.
Nun zeichnet sich in der Zusammenarbeit mit der Stadt Ravensburg und einem Investor eine Lösung ab, die das Ravensburger Kulturprogramm erheblich bereichern könnte. Über einen Kaufpreis haben sich die Beteiligten bereits grundsätzlich verständigt. Nach dem Umbau der Kinosäle zu Theaterbühnen – bei dem auch Gastronomieangebote integriert werden sollen – könnten das Theater Ravensburg sowie das Figurentheater dort eine neue Heimat finden. Auch kleinere Konzertformate, etwa für „Jazz in Town“ oder ähnliche Veranstaltungen, wären möglich. Die Stadt Ravensburg würde das neue Kulturhaus anmieten und an die Nutzer weitergeben.
Mit dem Erlös des Verkaufs plant die Betreiberfamilie Burth/Anastassiades, das Burgtheater zu sanieren und zukunftsfähig zu machen. „Ein Kino bereichert unsere Innenstadt“, erklärte der Oberbürgermeister. Immer wieder habe es laut Daniel Rapp Anfragen gegeben, auf der „grünen Wiese“ große Kinokomplexe wie etwa Cineplex zu errichten – was bei der Stadtverwaltung jedoch auf wenig Begeisterung gestoßen sei.
Bis zur Fertigstellung eines möglichen neuen Kulturhauses könnte das Theater Ravensburg für zwei Spielzeiten im Konzerthaus untergebracht werden. Apropos Konzerthaus: Auch dort stehen umfangreiche Sanierungen an, allerdings erst Mitte der 2030er Jahre. Da hierfür eine längere Schließzeit eingeplant werden muss, könnten im neu geschaffenen Kulturhaus auch Alternativen für das Rutentheater und die „Milka“ entstehen.
Oberschwabenhalle: Umbau zur Sporthalle beendet Ära und eröffnet neue Möglichkeiten
Die Oberschwabenhalle – beim Bau vor rund 70 Jahren zeitweise die zweitgrößte Veranstaltungshalle in Baden-Württemberg – blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Hier gaben sich einst internationale Stars die Klinke in die Hand: Rockkonzerte mit AC/DC, Toto, BAP oder Lenny Kravitz sowie TV-Shows wie „Wetten, dass..?“, bei denen Thomas Gottschalk unter anderem Madonna auf der Couch begrüßte, lockten Tausende Besucher an. Legendär waren auch Boxkämpfe mit Max Schmeling und anderen.
Inzwischen bieten andere Hallen – etwa die BigBox in Kempten oder die Ratiopharm-Arena in Ulm – bessere Rahmenbedingungen für Veranstalter. Die Oberschwabenhalle hat im hart umkämpften Eventmarkt zunehmend an Bedeutung verloren. „Entweder war die Halle für bestimmte Veranstaltungen zu klein oder für andere zu groß“, so OB Rapp. In den vergangenen Jahren war sie – mit wenigen Ausnahmen wie Auftritten von Mario Barth, Dieter Nuhr oder Capital Bra – vor allem Austragungsort für Messen, Flohmärkte oder Betriebsversammlungen. Neben rückläufigen Buchungen spielen auch bauliche Aspekte eine Rolle: Während Foyer, Büros und Künstlergarderoben einigermaßen modern sind, ist die Halle selbst sanierungsbedürftig. Hierfür wären Investitionen in Millionenhöhe notwendig. Beim Kulturangebot will Ravensburg im Rahmen dieser Veränderungen noch stärker mit Weingarten und Friedrichshafen kooperieren. Gespräche mit den Oberbürgermeistern und der Messe seien, so OB Rapp, außerordentlich positiv gewesen. Sowohl Friedrichshafen, als auch Weingarten mit dem Kultur- und Kongresszentrum, bieten alternative Lokationen für Veranstaltungen, die bislang in der Oberschwabenhalle gespielt wurden.

Gleichzeitig benötigt Ravensburg seit Jahren eine Großsporthalle für den Schul- und Vereinssport. Steigende Schülerzahlen sowie die Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums (G9) verschärfen die ohnehin angespannte Hallensituation zusätzlich. Ein Neubau würde – insbesondere bei wettkampftauglicher Ausstattung mit Zuschauerbereichen – Kosten von bis zu 15 Millionen Euro verursachen.
Die nun vorgestellte Idee setzt daher auf Synergieeffekte: Statt eines Neubaus soll die Oberschwabenhalle zu einer Großsporthalle umgebaut werden. Die vorhandene Tribüne soll erhalten bleiben, sodass weiterhin Sportwettkämpfe sowie traditionelle Veranstaltungen wie „Singen, Tanzen, Musizieren“ beim Rutenfest oder Turngalas möglich wären.
Sollten die Vorschläge des Prüfauftrags – für die die Stadt Ravensburg nach eigenen Angaben nur wenige Alternativen sieht – konkretisiert und umgesetzt werden, könnte der Umbau der Oberschwabenhalle ab 2029 beginnen. Die Oberschwabenschau könnte theoretisch weiterhin auf dem Gelände stattfinden. Ob die RVG, die die Nutzungskonzession bis 2028 innehat, dies tatsächlich plant, ist jedoch offen. Durch das neue Vetter-Parkhaus hat sich die verfügbare Fläche bereits verringert, und mit dem Wegfall der Oberschwabenhalle als zentrale Messehalle würden sich die Rahmenbedingungen grundlegend ändern. Zudem würde auch die Baustelle selbst zusätzlichen Platz beanspruchen. Das Parkareal soll weiterhin als Parkplatz genutzt werden. Einer Wohn- oder Gewerbebebauung – wie sie vereinzelt diskutiert wurde – erteilte er eine klare Absage. Baubürgermeister Dirk Bastin ergänzte jedoch: „Wir wollen das Areal mittelfristig etwas attraktiver und grüner gestalten.“


