Am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, gedenken auch das ZfP Südwürttemberg und die Stadt Ravensburg gemeinsam der Opfer mit einer Gedenkfeier. Sie beginnt um 11 Uhr im Festsaal Weißenau des ZfP. In Weißenau wird besonders den 691 Patientinnen und Patienten der ehemaligen Heilanstalt gedacht, die in den Jahren 1940 bis 1941 in den Vernichtungsstätten Grafeneck und Hadamar ermordet wurden.
Bei der Gedenkveranstaltung werden Ausschnitte des Dokumentarfilms „Das Schweigen brechen“ von Robert Domes gezeigt, der die Arbeit einer Münchner Gruppe von Angehörigen von NS-„Euthanasie“-Opfern darstellt. Im Podiumsgespräch kommen der Regisseur selbst und Angehörige der Münchner Gruppe zu Wort.
Nach dem Podiumsgespräch wird Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp um ca. 12.30 Uhr am „Denkmal der Grauen Busse“ sprechen. Im Anschluss und bis Ende Februar kann im Zentralgebäude auf dem Gelände des ZfP eine neue Wanderausstellung des „Württembergischen Psychiatriemuseums“ zur NS-Psychiatrie in Oberschwaben besucht werden. Die Stadt Ravensburg und das ZfP Südwürttemberg laden gemeinsam dazu ein, sich an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern.
Wie das ZfP Südwürttemberg in Weißenau berichtet, wenden sich im Schnitt jede Woche Menschen an die psychiatrische Einrichtung in Ravensburg – in der Hoffnung, etwas über ihre Angehörigen zu erfahren, die Opfer der NS-Psychiatrie wurden. Dies macht deutlich, dass diese Jahre des Unrechts in der deutschen Geschichte noch immer Auswirkungen auf das Heute haben. „Politische Forderungen nach einer so genannten Wende in der Erinnerungskultur gehen daher völlig fehl. Im Gegenteil: Die mit der Aufarbeitung der NS-Verbrechen verbundene Haltung, unsere demokratische Verfasstheit als schützenswertes Gut zu betrachten, ist nicht bloße politische Meinung, sondern humanistische Verpflichtung, welcher wir als Gesellschaft nachkommen möchten“, konstatieren Prof. Dr. Thomas Müller und Dr. Helmtraud Kantor von der AG Gedenken des ZfP Südwürttemberg.


